Nach der Einigung bei der GM-Tochter: Opelaner zwischen Optimismus und Skepsis

Nach der Einigung bei der GM-Tochter
Opelaner zwischen Optimismus und Skepsis

Nach der Unterzeichnung des Zukunftsvertrages zwischen Management und Betriebsrat ist die Opel-Belegschaft zwischen vorsichtigem Optimismus und Skepsis hin- und hergerissen.

HB BOCHUM/RÜSSELSHEIM. „Vielleicht kommt hier jetzt etwas mehr Ruhe rein und wir können einfach weiter arbeiten“, sagte ein junger Opelaner in Bochum. „Ich persönlich bin jetzt wieder etwas optimistischer für die Zukunft.“ Ein anderer ist eher unzufrieden mit den Zugeständnissen, die die Arbeiter für die Sicherung des Standortes bis 2010 machen mussten.

„Abstriche muss man machen. Das ist allen klar, wenn man sich die Arbeitslosenzahlen und das Theater um Hartz IV ansieht“, sagt er. Ob die Vereinbarung allerdings so Bestand haben wird, wie sie am Freitag beschlossen wurde, bezweifelt er. „Ich bin mir nicht sicher, dass wir zum Beispiel die zugesagten 70 % vom Weihnachtsgeld anstelle der 130 % auch bekommen. Ich halte es für möglich, dass es in Zukunft noch weniger wird.“

„Wir haben im Werk viele Meinungen. Jeder hat für sich und seine Zukunft eben andere Vorstellungen“, schätzt auch der Bochumer Betriebsrats-Chef Reiner Einenkel die Stimmung am Standort ein. „Aber allen muss klar sein, dass es um die Existenz der Opel-Standorte in Deutschland geht. Das ist kein Wunschkonzert, bei dem der Betriebsrat sagen kann: Ich will aber mehr Weihnachtsgeld.“

Und auch wenn die Vereinbarung betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 ausschließt, sei das Bochumer Werk noch nicht aus dem Schneider: „Fakt ist: Wir brauchen in Bochum nach 2010 ein neues Auto. Wenn wir dann nicht die Fertigung eines neuen Modells bekommen, gehen hier die Lichter aus.“

Erleichtert sind Opelaner und Geschäftsleute in Rüsselsheim nach der Entscheidung zu Gunsten des Produktionsstandorts in der Stadt. „Wir sind erleichtert. Wir hatten mit Schlimmeren gerechnet“, sagte ein Monteur. Bis zur Pressekonferenz am Mittag sei ihnen Redeverbot erteilt worden.

Erleichtert zeigte sich auch Lothar Lauer von der Qualitätssicherung. „Ich hoffe, dass die Mitarbeiter jetzt wieder ohne Angst zur Arbeit gehen.“ Die Unsicherheit seit Dezember habe die Opelaner stark belastet. „Und manche Chefs haben den Arbeitern noch zusätzlich Angst gemacht, um die Quote hochzutreiben. Da haben viele durchgedreht“, sagte der 43-Jährige. „Ich bin froh, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist“, sagte die Inhaberin eines Bekleidungsgeschäfts, Ursula Weidel. „Jetzt weiß jeder wo er dran ist“. Seit Oktober schon sei in der Stadt schlechte Stimmung. „Hoffentlich schauen die Leute jetzt wieder fröhlicher in die Zukunft.“

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