Nach der Kehrtwende
ABB gibt weniger für Restrukturierung aus

Im vergangenen Jahr schaffte der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB die Kehrtwende. Nun bescheren das das boomende Geschäft in der Automationstechnik und weniger Restrukturierungskosten als geplant dem Unternehmen gute Ergebnisse im zweiten Quartal. In diesem Jahr haben die ABB-Aktien mehr als ein Drittel zugelegt.

HB ZÜRICH. Der Reingewinn des Elektrotechnikkonzerns stieg von 89 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum auf 126 Millionen Dollar, gab ABB am Donnerstag bekannt. Damit übertreffen die Schweizer deutlich die Erwartungen der Analysten, die von 54 Millionen Dollar ausgegangen waren.

Die ABB-Aktien gewannen im frühen Handel 3,5 Prozent und stieg auf 8,84 Schweizer Franken. Die ABB-Aktien haben im Zuge der Erholung des Unternehmens in diesem Jahr bisher um mehr als ein Drittel zugelegt und damit besser als der Index der europäischen Industriegüter abgeschnitten.

Für das gute Ergebnis sind nicht nur anhaltendes Wachstums in den meisten Märkten und eine Steigerung der operativen Effizienz verantwortlich. Der Konzern verbuchte im Berichtsquartal weniger Restrukturierungskosten als erwartet. An den Ende Juni gesenkten Prognosen hält der ABB allerdings fest. Für das ganze Jahr peilt ABB eine Betriebsgewinn-Marge von 6,6 bis 7,1 Prozent an. Am 6. September will der Konzern Finanzziele für den Zeitraum 2006 bis 2009 vorlegen.

Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal um zehn Prozent auf 5,72 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte der Umsatz bei 5,21 Milliarden Euro gelegen. In Lokalwährungen belief sich das Wachstum noch auf sechs Prozent. Der Umsatzanstieg sei hauptsächlich auf ein höheres Volumen zurückzuführen, so der Elektrotechnikkonzern. In einigen Produktlinien hätten jedoch auch Preiserhöhungen durchgesetzt werden können. Die meisten Bereiche verzeichneten eine steigende Nachfrage, das wirtschaftliche Umfeld sei weiterhin günstig. Der Auftragseingang stieg um acht Prozent 6,14 Milliarden Dollar.

Das Betriebsergebnis des Konzerns kletterte dank einem boomenden Geschäft in der Automationstechnik um 16 Prozent auf 371 Millionen Dollar. Damit verbesserte sich die Marge von im Vorjahr 6,2 auf 6,5 Prozent. Das zweite Standbein des Konzerns, die Energietechnik, verzeichnete dagegen einen Ergebnis-Rückgang.

Der bereits angekündigte Umbau des Transformatoren-Geschäfts infolge Markt-Überkapazitäten und hoher Rohstoffkosten führte im zweiten Quartal zu einer Belastung von 66 Millionen Dollar. Analysten hatten hier allerdings Werte in der Grössenordnung von 100 Millionen Dollar veranschlagt. Allerdings muss nun ein grösserer Anteil der gesamten Restrukturierungskosten des Bereichs, die sich im Gesamtjahr auf rund 120 Millionen Dollar und bis 2008 auf 240 Dollar belaufen dürften, später verbucht werden.

ABB verbuchte im Berichtsquartal Rechtskosten von rund 65 Millionen Dollar. Nach einer Phase ungezügelter Expansion in den 90er-Jahren war der Konzern durch die folgende Konjunkturschwäche, zu der sich die Asbest-Schadenersatzforderungen aus den USA gesellten, ins Schleudern geraten. Die Verluste summierten sich in drei Jahren auf über zwei Milliarden Dollar und brachten den Konzern an den Rand des Zusammenbruchs.

2004 schaffte der Konzern nach mehreren Verlustjahren die Kehrtwende. Bei einem Umsatz von 20,72 Milliarden Dollar wurde einen Gewinn von 201 Millionen Dollar erzielt. Doch dieser Gewinn wurde wieder aufgefressen als ABB den Asbestvergleich in den USA nachbessern musste. Zum Asbest-Vergleich gab ABB an, für den 19. August sei eine Anhörung vor dem US-Konkursgericht in Pittsburgh angesetzt.

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