Nach der Krise
Deutsche Chemiekonzerne marschieren in Europa voran

Die deutschen Chemie-Unternehmen erholen sich deutlich schneller von der Krise als ihre europäischen Konkurrenten. Im nächsten Jahr lässt der Schwung aber etwas nach. Nach der stürmischen Konjunkturerholung im laufenden Jahr erwartet die Branche verhaltene Wachstumsraten für 2011.
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FRANKFURT. Die deutsche Chemieindustrie hat im Aufschwung offenbar spürbar Marktanteile gegenüber ihren europäischen Konkurrenten gewonnen. Darauf deuten die jüngsten Daten aus den Branchenverbänden hin. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) geht davon aus, dass die Branche 2010 ihre Produktion um elf Prozent und den Umsatz um 17,5 Prozent auf rund 171 Milliarden Euro gesteigert hat.

Der europäische Branchenverband Cefic sagt für die Industrie insgesamt ein Produktionswachstum von zehn Prozent voraus. In den ersten neun Monaten lagen die deutschen Chemiefirmen nach Cefic-Daten mit einem Plus von fast 20 Prozent sogar fast sieben Punkte über dem europäischen Durchschnitt.

Die starke Erholung der Branche ist zum Teil eine Gegenbewegung zu einem relativ starken Einbruch während der Krise im Jahr 2009. Darüber hinaus spielt aber auch die Tatsache eine Rolle, dass im europäischen Ausland in größerem Umfange Chemiekapazitäten stillgelegt wurden als in Deutschland. Die Produktion der hiesigen Chemiebranche liegt laut VCI inzwischen nur noch zwei Prozent unter dem Vorkrisenniveau, während die Branche europaweit laut Cefic noch fast sechs Prozent zurückliegt.

VCI-Präsident Klaus Engel, im Hauptberuf Chef des Chemiekonzerns Evonik, erklärt die unerwartet erfolgreiche Krisenbewältigung unter anderem mit den kontinuierlichen Effizienzsteigerungen der vergangenen Jahre, der frühzeitigen Ausrichtung auf wichtige Schwellenmärkte wie China und Brasilien und den hohen Forschungsinvestitionen. Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die intensive Vernetzung der Chemie mit der deutschen Industrielandschaft. Um die starke Basis zu sichern, brauche Deutschland eine industriepolitische Gesamtstrategie. Zugleich bekräftigte Engel die Forderung nach einem intensiveren gesellschaftlichen Dialog der Branche.

Für 2011 stellt der VCI nur noch ein moderates Wachstum der Produktion von 2,5 Prozent und ein Umsatzplus von vier Prozent in Aussicht, was in etwa den Prognosen der Cefic für Europa entspricht. "Nach einer rasanten Aufholjagd bewegen wir uns jetzt wieder in moderateren Bahnen", sagte Engel.

Die relativ behutsame Prognose des Verbandes wird von Branchenfachleuten auch im Zusammenhang mit den derzeit laufenden Tarifverhandlungen in der Chemie gesehen. Aus den Unternehmen kamen zuletzt fast durchweg sehr positive Signale: Konzerne wie BASF, Lanxess und Evonik zum Beispiel stellen für 2010 Rekordergebnisse in Aussicht.

Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für die Chemiebranche erreichte nach einem deutlichen Anstieg jüngst den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Angesichts von Lieferengpässen im November, heißt es im Ifo-Konjunkturtest, "wollen die Firmen ihre Produktion massiv ausweiten".

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