Nach der Krise: Klavierindustrie wächst wieder

Nach der Krise
Klavierindustrie wächst wieder

Die deutsche Klavierindustrie hat die Finanzkrise überstanden und wächst wieder. Der Absatz deutscher Instrumente im In- und Ausland ist leicht angestiegen, vom Niveau des Vorkrisenjahres 2008 allerdings noch weit entfernt.
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Braunschweig Die deutschen Klavierhersteller sind wieder besser gestimmt. Der Absatz stieg im vergangenen Jahr leicht an. 2009 hatte es als Folge der weltweiten Finanzkrise einen schweren Einbruch gegeben, einige Hersteller waren in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. "Es wird aber noch drei bis vier Jahren dauern, bis wir wieder das hohe Absatzniveau des Vorkrisenjahres 2008 erreichen werden", erwartet Burkhard Stein. Er ist Vorsitzender des Bundesverbandes Klavier und Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Grotrian-Steinweg in Braunschweig.

Der Absatz der zwölf deutschen Hersteller von Flügeln und Klavieren war 2009 um 30 Prozent auf 9000 Instrumente geschrumpft, berichtet Stein. Der Exportanteil betrug 70 Prozent. Vor allem der wichtige amerikanische Markt, der etwa ein Drittel des Branchen-Absatzes ausmacht, war weggebrochen. Die Lage dort sei noch immer schwierig, habe sich aber auf niedrigem Niveau stabilisiert, sagt Stein. In Deutschland war der Absatzrückgang 2009 mit minus zehn Prozent nicht ganz so heftig. Stein beklagt aber, dass als Folge gekürzter staatlicher Fördermittel für die Musikausbildung der Absatz an institutionelle Kunden wie Musikschulen deutlich rückläufig sei.

Insgesamt verzeichnete die Branche im vergangenen Jahr einen Absatzzuwachs von fünf Prozent und erwartet für dieses Jahr ein Plus von sechs Prozent. Steins Fazit: "Wir sind als Hersteller hochwertiger Qualitätsgüter die ersten, die eine Krise zu spüren bekommen, und die letzten, die einen konjunkturellen Aufschwung wirksam registrieren können."

Knapp die Hälfte der deutschen Klavierproduktion kommt aus Braunschweig, Branchenführer ist Schimmel. Das Unternehmen, in fünfter Generation in Familienbesitz, machte im vergangenen Jahr nach erfolgreicher Sanierung und Abschluss eines Insolvenzplanverfahrens einen Neuanfang. "Die Entwicklung ist seitdem positiv", berichtet Geschäftsführer Hannes Schimmel-Vogel. 2010 seien 2500 Instrumente verkauft worden, man schreibe wieder schwarze Zahlen.

Schimmel-Vogel: "Wir setzen stärker auf eine Qualitätsstrategie mit Premiumprodukten und haben dafür eine Modelloffensive gestartet." Die Resonanz sei gut, der Auftragsbestand so hoch, dass man wieder Mitarbeiter einstelle. Derzeit beschäftigt Schimmel in Braunschweig 160 Mitarbeiter. In diesem Jahr erwartet Schimmel-Vogel ein Absatzwachstum von insgesamt 15 Prozent. Das Unternehmen produziert in Kalisz (Polen) noch preiswertere Instrumente der Marke Vogel, wobei die wesentlichen Teile dafür aus Braunschweig kommen.

Bei Grotrian-Steinweg in Braunschweig, in sechster Generation im Familienbesitz, war der Absatzeinbruch im Krisenjahr 2009 mit minus zwölf Prozent nicht ganz so schwer. Stein: "Das lag vor allem daran, dass unsere hochwertigen Premiumprodukte nicht ganz so heftig von der weltweiten Absatzkrise betroffen waren, und wir nicht so stark auf dem amerikanischen Markt vertreten sind." Grotrian-Steinweg liefert Flügel und Klaviere in 70 Länder. Im Vorjahr wurden mit 60 Mitarbeitern 600 Instrumente produziert, fünf Prozent mehr als im Krisenjahr. Für 2011 erwartet Stein einen etwas geringeren Zuwachs.

Große Zukunftshoffnungen setzt Stein auf den chinesischen Markt. Dort werde eine westlich orientierte Musikkultur gepflegt und gefördert. China sei zwar inzwischen weltweit mit deutlichem Abstand das größte Herstellerland von überwiegend preiswerten Klavieren, doch hätten deutsche Premiumhersteller dort gute Absatzchancen. Grotrian-Steinweg baue derzeit in den großen Städten ein Händlernetz auf.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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