Nach der Neuausschreibung des US-Auftrages
EADS will Airbus-Sparprogramm ausweiten

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung zurückgewiesen. Wegen des Dollarverfalls plant der Konzern jedoch schärfere Einschnitte als zunächst vorgesehen. Die laufenden Ermittlungen wegen Insiderhandels weist er als „Schauprozess und schlechtes Theater“ zurück.

HB LONDON. Das Ziel, im laufenden Jahr einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro zu erwirtschaften, gelte weiter, sagte EADS-Chef Louis Gallois vor der am Montag beginnenden Luftfahrtmesse in Farnborough bei London. „Wir sehen nach wie vor Chancen und Risiken“, ergänzte Finanzvorstand Hans Peter Ring. Die Prognose werde bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli aktualisiert.

Zuvor hatte Ring der „Börsen-Zeitung“ gesagt, EADS werde die Prognose bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 30. Juli entweder bestätigen oder anpassen. Dies war vielfach als Hinweis auf eine bevorstehende Gewinnwarnung verstanden worden.

Wegen des Dollarverfalls plant EADS allerdings schärfere Einschnitte als zunächst vorgesehen: Das bisherige Sparprogramm „Power8“ solle auf die gesamte Gruppe ausgeweitet werden, teilte EADS am Sonntag mit. Bislang war das Sparpaket auf die EADS-Tochter Airbus begrenzt und sah einen Abbau von rund 10 000 Stellen vor. Mit Power 8 wollte der Konzern seine Kosten bis zum Jahr 2010 um 2,1 Milliarden Euro senken.

Bislang peilt EADS in diesem Jahr einen operativen Gewinn (Ebit) von 1,8 Milliarden Euro an, nachdem es 2007 wegen Problemen beim Großraumflugzeug A380 und dem Militärtransporter A400M lediglich 52 Millionen waren.

Die EADS-Prognose basiert auf einem Eurokurs von 1,45 Dollar. Derzeit kostet die europäische Gemeinschaftswährung knapp 1,60 Dollar. Als Faustregel gilt, dass zehn Cent Wechselkursverschlechterung Airbus im Jahr etwa eine Milliarde Euro an Ergebnis kostet. Der Flugzeugbauer will daher seit langem seine Aktivitäten im Dollarraum stärken, um weniger anfällig zu sein. Das ursprüngliche Airbus-Sparprogramm basiert auf einem Kurs von 1,35 Dollar.

Das bereits angekündigte Nachfolgeprogramm Power 8 plus soll stärker auf die Abläufe im Unternehmen zielen. Airbus-Chef Tom Enders sieht auch bei den Kostensenkungen weiteres Potenzial. „Wir können uns allerdings nicht noch mal zwei Milliarden Euro aus den Rippen schneiden“, schränkte er ein.

Deutliche Kritik übte Enders an den französischen Ermittlungen in der Affäre um den Verdacht illegaler Aktienverkäufe der Muttergesellschaft EADS geübt. Er warf den Untersuchungsbehörden vor: „Das ist ein Schauprozess und schlechtes Theater“.

Zahlreiche aktive und ehemalige Manager des Airbus-Konzerns EADS stehen im Verdacht, unter Nutzung von Insiderwissen über Probleme beim Airbus-Großraumflugzeug A380 EADS-Aktien verkauft zu haben, bevor der Kurs nach der Bekanntgabe der Probleme im Juni 2006 einbrach.

Auch Enders gehört zu dem Kreis dieser 17 Manager und muss damit rechnen, verhört zu werden. So gab es bereits Vernehmungen im sogenannten Zeugengewahrsam in Paris auch gegen den früheren deutschen Airbus-Chef Gustav Humbert, der dann gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde.

„Am Ende werde sich diese Vorwürfe als haltlos erweisen“, sagte Enders, der stets betonte hatte, dass an den Beschuldigungen gegen ihn nichts dran sei. Er war damals EADS-Co-Chef. In Paris laufen schon gegen die beiden ehemaligen EADS-Spitzenmanager Noël Forgeard und Jean-Paul Gut Ermittlungen in der Sache.

Zuletzt war der Dresdner EADS-Manager und Geschäftsführer der Elbe-Flugzeugwerke, Andreas Sperl, als erster noch amtierender Manager des Konzerns von der französischen Justiz aufgefordert worden, kurzfristig in Paris zu erscheinen und dort als Zeuge auszusagen. Auch EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring ist eigenen Angaben zufolge verhört worden. Er sei nur als Zeuge und nicht als Beschuldigter vernommen worden, sagte Ring. Er habe damals keine Aktien verkauft.

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