Nach der Trennung von GM bleiben die Strukturprobleme des italienischen Konzerns bestehen
Fiat braucht jetzt schnellstens neue Partner

Fiat hat sich am Sonntag bereit erklärt, gegen die Zahlung der Milliardensumme auf das seit dem Jahr 2000 bestehende Recht zu verzichten, GM seine verschuldete und defizitäre Autosparte zu verkaufen. Von der Firmenspitze über die Gewerkschaften bis hin zum Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi begrüßten alle die Scheidung vom bisherigen strategischen Partner.

hof/mab FRANKFURT. Für Probleme war bei Fiat am Tag nach der mit 1,55 Mrd. Euro versüßten Trennung von General Motors kein Platz: „Jetzt ist Fiat wieder ganz italienisch“, frohlockte der Präsident des größten italienischen Industriekonzerns, Luca Cordero di Montezemolo. Fiat hatte sich am Sonntag bereit erklärt, gegen die Zahlung der Milliardensumme auf das seit dem Jahr 2000 bestehende Recht zu verzichten, GM seine verschuldete und defizitäre Autosparte zu verkaufen.

Von der Firmenspitze über die Gewerkschaften bis hin zum Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi begrüßten alle die Scheidung vom bisherigen strategischen Partner. Außerhalb Italiens wird der Deal nüchterner gesehen: „Fiat hat sich lediglich etwas Zeit gekauft, sonst wäre es im kommenden Jahr schon eng geworden“, sagt Albrecht Denninghoff von der Hypovereinsbank.

Auch innerhalb des Landes gibt es kritische Stimmen: „Die schweren Strukturprobleme bleiben bestehen,“ sagt Giuseppe Berta von der Mailänder Bocconi-Universität. Für den Geschäftserfolg ist die Nationalität der Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia, die auch nie in Frage stand, kaum entscheidend. Die Probleme sind andere: Fiat ist mit einem jährlichen Produktionsvolumen von rund zwei Millionen Fahrzeugen als Massenhersteller zu klein und muss schnellstens neue Allianzpartner finden. Sonst wird das Geld für teure Entwicklungen bald wieder knapp, sagen Analysten. Entsprechend hat Montezemolo bereits explizit die gut funktionierende Produktpartnerschaft mit Peugeot/Citroën bei Vans und Transportern gelobt.

Als Pfand bei Verhandlungen mit neuen Partnern können die Italiener vor allem ihre hohe Dieselkompetenz einbringen, bestätigen Branchenexperten. Bislang hat Fiat diese in das Gemeinschaftsunternehmen Powertrain mit General Motors einfließen lassen. Die technologische Kompetenz, gepaart mit gut eingeführten Marken könnte auch die aggressiven chinesischen Autobauer auf den Plan rufen: „Die Chinesen wären der natürliche Partner. Sie werden aber so lange warten, bis das Geschäft auf dem Heimatmarkt wieder genug Mittel freisetzt“, sagt Hypovereinsbank-Experte Denninghoff.

Ohne Partner muss Fiat aber seine Volumenprobleme in den Griff bekommen. Die einheimischen Fabriken arbeiten seit Jahren mit einer Auslastung von deutlich unter 80 Prozent. In der Branche heißt es, dass Fiat eigentlich gleich mehrere Fabriken schließen müsste, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Doch allein der Versuch, ein besonders verlustreiches Werk in Sizilien zu schließen, ist schon mehrmals am politischen Widerstand gescheitert.

Zusätzlich zur vor allem in Europa schwachen Nachfrage machen den Italienern in ihren angestammten Segmenten koreanische und japanische Anbieter das Leben schwer. Da sich das Image der Marken Fiat und Lancia trotz einer 2003 begonnenen Modelloffensive nicht verbessert hat, ist der Marktanteil der Fiat-Gruppe zuletzt auf magere 7,2 Prozent gerutscht. Nun hängen alle Hoffnungen am neuen Fiat Punto, der im Herbst auf den Markt kommen wird. Auch die versprochene Erneuerung des Händlernetzes konnte den Marktanteilsverlust nicht aufhalten.

Fiat drückt zudem eine milliardenschwere Schuldenlast, die sich mit Hilfe der operativen Erlöse so schnell nicht abbauen wird. Schließlich hat Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne im letzten Sommer den Zeitpunkt für das Erreichen der Gewinnzone um ein weiteres Jahr verschoben: Demnach wird die Autosparte des Mischkonzerns, der neben Fiat Auto aus dem LKW-Hersteller Iveco sowie dem Traktoren- und Baumaschinenbauer Case New Holland besteht, nicht vor 2007 schwarze Zahlen schreiben.

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