Nach der Übernahme durch Cerberus
„New Chrysler“ mit alten Problemen

Die New Yorker Investmentfirma Cerberus Capital Management macht mit dem Chrysler-Kauf einen gewaltigen Expansionsschritt im amerikanischen und internationalen Automarkt. Der US-Autobauer dürfte es allerdings schwer haben, die hohen Erwartungen des neuen Eigentümers zu erfüllen. Zu viele ungelöste Altprobleme lasten auf „New Chrysler“.

HB NEW YORK. Die Ehe zwischen Daimler und Chrysler war nach neun Jahren endgültig gescheitert. Die Stuttgarter hatten 1998 für Chrysler noch 36 Mrd. Dollar hingeblättert. Cerberus hat jetzt 7,4 Mrd. Dollar für 80,1 Prozent des drittgrößten amerikanischen Autounternehmens ausgegeben. Die Restanteile verbleiben bei Daimler. Chrysler hatte im ersten Quartal einen operativen Verlust von 1,5 Mrd. Dollar. Der Autoabsatz fiel in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um zwei Prozent auf 1,25 Mill. Autos, wobei es im Juni einen Rückschlag von acht Prozent gegeben hatte.

Chrysler setzt bisher weit mehr als 80 Prozent seiner jährlichen Autoproduktion von 2,6 Mill. Autos im heimischen Markt ab und ist damit viel abhängiger von dem hart umkämpften US-Markt als General Motors oder Ford und die international expansiven japanischen Autokonzerne Toyota, Honda und Nissan.

Mehr als 70 Prozent der Chrysler-Modelle sind „Minivans“, Pickups und Geländewagen, die angesichts der Benzinpreisexplosion teilweise nur mit hohen Rabatten von 2000 bis 4000 Dollar verkäuflich sind. Der Qualitätsabstand zu den japanischen Anbietern ist in den USA noch immer groß.

Chrysler sitzt auch auf 18 Mrd. Dollar Krankenversicherungs- Verpflichtungen für Mitarbeiter und Betriebsrentner. Chrysler-Chef Tom LaSorda wird jetzt bei den laufenden Verhandlungen mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW über einen neuen vierjährigen Tarifvertrag vor allem um eine Reduzierung dieser enormen Kosten und um viele andere Konzessionen kämpfen. Nur so kann er das Unternehmen bis 2009 in die Gewinnzone bringen. Endziel für Cerberus dürfte es sein, Chrysler nach erfolgreicher Sanierung in einigen Jahren wieder an die Börse zu bringen, um so Kasse zu machen. Bis dahin ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg.

LaSorda will im Rahmen eines im Februar angekündigten Sanierungsplans 13 000 von 80 000 Chrysler-Mitarbeitern nach Hause schicken und eine Fabrik schließen. Bei der ersten Chrysler-Sanierung unter Führung des jetzigen Daimler-Chefs Dieter Zetsche waren Anfang des Jahrzehnts bereits mehrere Fabriken dichtgemacht und 26 000 Arbeiter entlassen worden.

„Wir haben einen frischen Start mit einem klaren Erfolgsmandat“, betonte Chrysler-Boss LaSorda in einer e-Mail an die Mitarbeiter. Er forderte die Chrysler-Bediensteten auf, großartige und qualitativ hochwertige Autos zu schaffen. Chrysler müsse seine Präsenz in den Schwellenländern und in Ländern ausbauen, in denen man bisher nur bescheiden vertreten sei. „Wir werden weitere Allianzen und Partnerschaften entwickeln, um diese Bemühungen zu unterstützen“, kündigte er an.

Nur wenn es Chrysler schafft, mit neuen erfolgreichen Chrysler-, Jeep- und Dodge-Modellen neue Käufer anzulocken und wieder Geld mit seinen Autos zu verdienen, dürfte eine Wende möglich sein. Dagegen expandieren Toyota, Honda, Nissan und die südkoreanische Hyundai ohne hohe Altlasten und bauen immer mehr US-Fabriken. Ihre Verkaufszahlen steigen ständig weiter. Sie verdienen im US-Markt klotzig. Die Anbieter aus Fernost glänzen im amerikanischen Automarkt aber auch mit Qualität, ständig neuen interessanten Modellen, benzinsparenden Pkw und einer immer breiteren Modellpalette. Die deutschen Autohersteller, darunter Mercedes, BMW, Audi und Porsche, sowie die Toyota-Luxussparte Lexus sind im Luxuswagenmarkt dominierend.

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