Nach der Übernahme durch Geely
Chinesen treiben Volvo in die Enge

Wie keine andere Automarke steht Volvo für Sicherheit. Doch der Hersteller ist seit der Übernahme durch den chinesischen Geely-Konzern stark verunsichert. Eine Geschichte von Machtkämpfen und der Idee eines Volvo-Moped.
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StockholmDie Angst der Schweden war unübersehbar. „Die Chinesen kommen“ titelten vor einigen Jahren die schwedischen Zeitungen und meinten damit die wachsende Zahl von Firmenübernahmen und -beteiligungen durch Investoren aus dem Reich der Mitte. Nicht wenige befürchteten den Ausverkauf des schwedischen Know-Hows nach Fernost. Andere hofften auf neuen Schwung.

Beim deutschen Betonpumpenspezialist Putzmeister, der durch Sany übernommen wurde, oder beim Elektronikkonzern Medion, den Lenovo geschluckt hat, war der Einstieg der Chinesen ein Erfolgsbaustein für eine erfolgreichere Zukunft. Doch beim schwedischen Autobauer Volvo hat sich diese Hoffnung zerschlagen.

Schwedens Auto-Ikone, jahrelanger Garant für skandinavische Qualität und Sicherheitsbewusstsein, wurde 2010 vom US-Riesen Ford an den chinesischen Automobil-Produzenten Geely verkauft und steckt in einer Krise. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Nettoverlust von 480 Millionen Kronen (55 Millionen Euro). Im Vorjahr hatte Volvo noch einen Gewinn von rund einer Milliarde Kronen eingefahren. Das Ziel, weltweit 480.000 Wagen zu verkaufen, ist in weite Ferne gerückt: 2012 fand Volvo nur 420.000 Käufer – 30 000 weniger als noch ein Jahr zuvor.

Besonders beunruhigend ist der Rückgang in China, dem Markt, der für andere Autokonzerne die Stütze zum Ausgleich des darbenden europäischen Marktes ist. Auch bei Volvo sollte China einen ähnlichen Effekt erreichen. Doch die schwedische Marke setzte dort im vergangenen Jahr gerade einmal 43.000 Wagen ab. Das waren zehn Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Von den Absatzzahlen der deutschen Konkurrenten Audi, BMW und Volkswagen sind die Schweden weit entfernt.

Die Gründe für den bislang ausbleibenden Erfolg der chinesisch-schwedischen Zusammenarbeit sind vielfältig. „Es gibt so etwas wie ein gegenseitiges Misstrauen“, sagt ein schwedischer Volvo-Manager und berichtet, dass Geely-Gründer und Volvo-Aufsichtsratschef Li Shufu mit Yuan Xiaolin einen verlängerten Arm oder wie es der Volvo-Mann ausdrückt, „einen Spion aus Peking“ im Top-Management des schwedischen Autobauers platziert habe.

Die Probleme begannen bereits kurz nach der Übernahme durch Geely. Und das, obwohl die Ernennung des ehemaligen VW-Managers Stefan Jacoby aus Deutschland zum neuen Volvo-Chef in der Branche vorbehaltslose Zustimmung fand. Jacoby galt als äußerst kompetenter Auto-Manager und auch in Göteborg verschaffte er sich binnen kürzester Zeit große Anerkennung. Er erneuerte die Modellpalette und saß nächtelang mit den chinesischen Partner zusammen, um eine China-Strategie mit eigenen Werken und einer komplett erneuerten Verkaufsorganisation aufzubauen.

Doch schon schnell kühlte das Verhältnis von Jacoby zum stellvertretenden Volvo-Aufsichtsratschef Hans-Olov Olsson ab. In den Korridoren in der Firmenzentrale sprachen viele über einen Machtkampf zwischen Jacoby und dem 72-jährigen Olsson, der selbst einmal Volvo-Chef war. Olsson gilt als Vertrauter Shufus und hatte den chinesischen Geely-Hauptaktionär auch während der Übernahmeverhandlungen mit Volvo beraten.

Kommentare zu " Nach der Übernahme durch Geely: Chinesen treiben Volvo in die Enge"

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  • Shufus Idee mit einem VOLVO-Roller ist überhaupt nicht abwegig.VOLVO versteht einfach die chinesischen Eigner und Mobilitätsbedürfnisse in China nicht. Auch LUXUS heißt in China eben nicht Reduktion im Design, sondern auch etwas mehr "Holz in der Hütte" d.h. durchaus etwas "barockiger".

    Andere Asiaten denken bereits Rollerdesigns weiter:
    http://www.motomobil.at/newsstories/news/463-sym-ex3-concept
    und verbinden eine hohes Maß an passiver Sicherheit mit den Vorteilen der "Kleinmobilität". Eigentlich ist "passive Sicherheit" eine VOLVO Domäne. Aber VOLVO Mitarbeiter sehen den Wald vor Bäumen nicht mehr,was in Skandinavien durchaus mal vorkommen kann ... ;-).

    Asiaten sind auch in dem Punkt weniger "festgefahren", sich einfach in mehr Gefilden zu betätigen. Daher beheimatet Asien auch noch mehr Konglomerate. Das widerstrebt der westl. Managmentphilosophie der "Kernkompetenzen" aucf abgeschlackte Geschäftsfelder. So baut halt VOLVO (Automobilsektor) eben nur Autos. Flexibilität = Null. VOLVO kapiert das aber nicht, weil zu viel eindimensional gedacht wird. Schade eigentlich.

  • Schade um Volvo! Das ist eine gute Marke! Aber man muss pro Jahr mindestens eine Mio. Autos verkaufen, um die Entwicklungen für die Zukunft zu stemmen! Schon die "Ikone" Daimler kommt allein nicht mehr zurecht! Und mit Chinesen , die alles versprechen aber außer kopieren selbst nicht viel können, geht es auch nicht! Vielleicht wäre ein russischer Oligarch ein besserer Partner gewesen. Aber das ist nun zu spät! Ich fürchte, und das tut mir weh, Volvo wird das gleiche Schicksal , wie SAAB erleiden!
    Ingo Meyer

  • Die chinesischen Provinzregierungen wußten anscheinend nicht, wohin mit ihren überschüssigen Devisen und Geely sah in dem Volvo-Deal eine einmalige Gelegenheit zur Übernahme einer europäischen Traditionsmarke und Know How-Klau. Viel mehr war da wohl nicht an substanziellem Konzept.

    Natürlich haben die Chinesen keine Ahnung von Volvo und die Schweden nicht vom chinesischen Markt. Woher auch? Volvo war noch nie eine populäre Marke in China und auch heute kennt diese Marke kein Mensch. Schon allein die Unbekanntheit von Volvo reicht aus zur Prophezeiung, dass die Sache mit dem Eintritt in den chinesischen Markt auch in Zukunft ganz schwer wird. Der chinesische Käufer läßt sich von solider skandinavischer Technik oder nordeuropäischer Unternehmenskultur nicht beeindrucken, wenn dem Auto der Schnitt, der Ruf und das Prestige fehlt.

    Chinesen & Skandinavier dürften eine der ungünstigsten Verbindungen auf dieser Welt sein, wenn es um die Produktion von High Tech in gemeinsamer Verantwortung geht. Der nette Versuch des Geely-Chefs mit dem Entwurf eines Volvo-Mopeds für China paßt da als Kalauer am Rande.

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