Nach Digene-Kauf
Qiagen baut Diagnostik aus

Nach dem Kauf der amerikanischen Digene setzt das führende deutsche Biotechunternehmen Qiagen auf einen weiteren Ausbau seiner Diagnostikasparte. Analysten beurteilen die Expansionsstrategie überwiegend positiv – trotz des relativ hohen Preises für Digene.

FRANKFURT. „Akquisitionen gehören weiter zur Strategie. Aber sie sind eine Folge davon, und nicht die Strategie selbst“, sagte Qiagen -Vorstandschef Peer Schatz im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Qiagen ist mit Technologien und Reagenzien für die Aufbereitung von DNA groß geworden. Diese Expertise nutzte das Hildener Unternehmen in den vergangenen Jahren, um über kleinere Zukäufe und Eigenentwicklungen in das Geschäft mit kommerziellen diagnostischen Tests vorzudringen, vor allem für den Nachweis von Infektionskrankheiten. Mit der 1,6 Mrd. Dollar teuren Übernahme von Digene folgte zur Jahresmitte schließlich der Sprung unter die führenden Diagnostika-Anbieter.

Mit dieser Akquisition erwarb Qiagen rund 200 Mill. Dollar Umsatz, wovon etwa die Hälfte in den Konzernabschluss 2007 einfließen wird. Parallel zur Akquisition rechne man mit einem organischen Wachstum von etwa 15 Prozent. Den Gesamtumsatz der Gruppe erwartet Schatz daher bei etwa 635 Mill. Euro in diesem und bei 850 bis 880 Mill. Euro im kommenden Jahr. Der Diagnostika-Anteil am Konzernumsatz dürfte sich auf etwa 50 Prozent erhöhen.

Analysten beurteilen die Expansionsstrategie überwiegend positiv, trotz des relativ hohen Preises für Digene (von fast dem 40-Fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). "Qiagen wird von erheblichen Skaleneffekten profitieren“, erwarten die Experten von Oppenheim Research. Markus Metzger vom Bankhaus Vontobel traut dem Unternehmen künftig Wachstumsraten von etwa 20 Prozent zu.

Der Schwächephase bei deutschen Biotechwerten konnte sich Qiagen daher weitgehend entziehen, obwohl man für den Digene -Kauf rund 37 Mill. neue Aktien ausgegeben hat. Mit rund 2,6 Mrd. Euro Börsenwert bringt der Konzern heute mehr Gewicht auf die Waage als der gesamte Rest der Branche in Deutschland. Zusätzlichen strategischen Spielraum bieten 300 Mill. Euro liquide Mittel, die nach Abschluss der Digene -Transaktion noch zur Verfügung stehen.

Qiagen verfolgt nach den Worten Schatz’ keine Expansionspläne in der gesamten Breite des Diagnostika-Marktes, sondern will sich weiterhin auf die so genannte molekulare Diagnostik konzentrieren. Hier geht es darum, Krankheiten über die Analyse von genetischem Material, insbesondere DNA, zu diagnostizieren – im Gegensatz zur herkömmlichen Labordiagnostik, die bestimmte Enzyme oder Proteine im Blut misst. Mit einem Marktvolumen von derzeit etwa zwei Mrd. Dollar und Wachstumsraten von 15 Prozent pro Jahr gilt die molekulare Diagnostik als das dynamischste Teilsegment des 32 Mrd. Dollar großen Diagnostika-Markts.

Ungeachtet aller Ambitionen in der Diagnostik sieht Schatz das etablierte Geschäft mit Produkten für Forschungslabore auch in Zukunft als festen Teil der Gruppe. Die enge Verbindung zu Forschungsinstituten und anderen Biotechfirmen werde letztlich auch den Zugang zu neuen Diagnostik-Technologien erleichtert. Auf dem Gebiet der Molekular-Diagnostik sieht sich Qiagen mit mehr als 300 Mill. Dollar inzwischen als zweitgrößter Anbieter nach dem Schweizer Roche -Konzern. Zum Produktprogramm gehören bisher vor allem Tests für Infektionskrankheiten. Mit Digene erwarb der Konzern einen Test für das humane Papillomavirus (HPV), das für fast alle Formen von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist. „Die Krebsvorsorge wird einer der wichtigen Wachstumsmärkte für uns sein“, so Schatz. Weitere Expansionsfelder sieht er unter anderem bei pharmako-genetischen Analysen im Rahmen der Krebstherapie oder bei Tests im Zusammenhang mit Organtransplantationen.

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