Nach DocMorris-Übernahme
Wütende Apotheker strafen Celesio ab

Der Pharmahändler Celesio hat mit der Übernahme der Apothekenmarke DocMorris die deutschen Apotheker gegen sich aufgebracht und musste daher beim Großhandels-Umsatz Einbußen hinnehmen. Doch auch andere Faktoren belasteten das Unternehmen.

HB FRANKFURT. Der Großhandels-Umsatz in Deutschland sank in den ersten neun Monaten um 1,7 Prozent, wie Celesio am Dienstag mitteilte. Zum Minus hätten aber nicht nur die ausbleibenden Aufträge wütender Apotheker beigetragen, sondern auch die Gesundheitsreform, in deren Folge Händler steigende Rabatte gewähren. Auch staatlich verordnete Preiskürzungen in anderen europäischen Ländern belasteten das Geschäft.

Zum gut vierprozentigen Umsatzplus auf 16,6 Mrd. Euro im Konzern trugen die knapp 120 vor allem in Großbritannien zugekauften Apotheken wesentlich bei. Die deutschen DocMorris-Apotheken hätten nur für einen kleinen Wachstumsimpuls gesorgt, sagte ein Firmensprecher. Langfristig erhofft sich der Konzern aber florierende Geschäfte der Kette, deren Stärke sich innerhalb von fünf Jahren auf 500 Apotheken verzehnfachen soll.

Beim Betriebsgewinn (Ebit) glich die Steigerung um gut ein Zehntel im Einzelhandelsgeschäft das Minus von zwei Prozent im dominierenden Großhandel aus. Vor Steuern verdiente der Konzern in den ersten neun Monaten mit 452 Mill. Euro zwei Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Überschuss stieg um 1,7 Prozent auf 320 Mill. Euro. Die Erwartungen der Analysten verfehlte Celesio damit leicht.

Für das Gesamtjahr rechnet der Stuttgarter Konzern zum 21. Mal in Folge mit einem Anstieg des Ergebnisses vor Steuern. Die im Vorjahr erreichte Wachstumsrate von gut sechs Prozent hatte das Unternehmen allerdings bereits zum Halbjahr abgeschrieben. Celesio macht die unerwartet starke Senkung der Arzneimittelerstattungspreise in Großbritannien zum 1. Oktober 2007 zu schaffen, wegen der Celesio vor Kurzem bereits seine Langfristprognose gesenkt hatte. Zudem leiden die Stuttgarter darunter, dass Pfizer dort seit März den Großhandel umgeht und direkt an die Apotheken liefert.

Der verschärfte Wettbewerb in Deutschland und gestiegene Finanzierungskosten infolge der DocMorris-Übernahme belasteten das Geschäft zusätzlich, teilte das Unternehmen mit. Weitere herbe Umsatzverluste durch Apotheken, die sich von Celesio abwenden, da der Großhändler mit der Übernahme von DocMorris erstmals in Deutschland in direkte Konkurrenz zu den stationären Apotheken tritt, seien aber nicht zu erwarten. "Die Talsohle ist durchschritten“, sagte der Sprecher.

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