Nach Drohungen
Magna reicht rebellierenden Großkunden die Hand

Nach den Drohungen seiner Großkunden, ihre Geschäftsbeziehungen zu beenden, versucht der Zulieferer Magna den Schaden zu begrenzen. Volkswagen und BMW reagieren zurückhaltend auf die Besänftigungsversuche. Der Bund erwartet unterdessen eine baldige Klärung noch offener Opel-Fragen.

HB TOKIO/HAMBURG/BERLIN. Magna kündigte am Dienstag Gespräche mit Volkswagen an, um dessen Vorbehalte gegen eine Opel-Übernahme auszuräumen. "Wir müssen nun die internen Abläufe endgültig klären und Gespräche mit ihnen führen", sagte Magna-Co-Chef Donald Walter in Tokio.

Volkswagen reagierte zurückhaltend. "Es steht nach wie vor im Raum, was gesagt wurde", sagte ein Sprecher. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hatte am Rande der Frankfurter Autoschau IAA erkennen lassen, dass VW seine Geschäftsbeziehungen zu Magna kappen und sich andere Lieferanten suchen könnte. Der Wolfsburger Konzern stößt sich daran, dass sich Magna durch die Opel-Übernahme zu einem Autobauer und damit zu einem Konkurrenten wandelt.

Auch BMW hatte deshalb Bedenken geäußert. "Wir müssen aus Wettbewerbsaspekten darüber nachdenken: Welche Technologien wollen wir in die Hände eines Konkurrenten stellen?", hatte Finanzvorstand Friedrich Eichinger gesagt. Ein Sprecher des Münchener Konzerns sagte am Dienstag: "Wir sprechen laufend mit Magna." Er ließ offen, ob der Streitpunkt bereits behandelt wurde oder demnächst erörtert werden soll.

Die Hersteller befürchten, der in der Branche gut vernetzte Lieferant könnte Opel Entwicklungsgeheimnisse verraten oder im Wettbewerb durch günstige Preise anderweitig Vorteile verschaffen. VW-Vertriebschef Detlef Wittig hat Magna deswegen bereits Konsequenzen angedroht. "Wenn das wirklich umgesetzt wird, dann werden wir Magna solche Aufträge entziehen, in denen Entwicklungsknowhow steckt", hatte Wittig kürzlich gesagt. Magna will Automobilbau strikt vom Zuliefergeschäft trennen. Experten bezweifeln allerdings, ob das gelingen kann.

Unterdessen rechnet die Bundesregierung mit einer schnellen Klärung letzter Details für die Opel-Übernahme durch Magna. Staatssekretär Peter Hintze sagte am Rande einer Sondersitzung des Bundestags-Wirtschaftausschusses in Berlin: "Das Ziel ist zu sehen." Er sei auch optimistisch, dass die EU-Kommission keine Einwände haben werde und die Vorbehalte anderer EU-Länder mit Opel-Werken ausgeräumt werden könnten. Für die Regierung werde das Konzept für Opel noch von Wirtschaftsprüfern durchleuchtet, erläuterte Hintze, der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist. Ein positives Votum der Prüfer ist eine Voraussetzung für die zugesagten Staatshilfen von weiteren drei Mrd. Euro.

Die Grünen warnten in der Ausschusssitzung allerdings, die Opel-Rettung sei noch lange nicht gelungen. Der Grünen-Abgeordnete Alexander Bonde warf der Regierung vor, ihr fehle es trotz aller Beteuerungen an einem tragfähigen Konzept für Opel. Zudem trügen die aktuellen Pläne vielfältige europarechtliche Unsicherheiten und auch die Risikoverteilung sei zulasten des Steuerzahlers unausgewogen. Die Linken nannten die Sondersitzung des Parlamentsausschusses wegen der Absage von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich von Hintze vertreten ließ, "eine Farce". Guttenberg hatte einen Ausweichtermin angeboten, den der Ausschuss nicht wahrnahm.

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