Nach Einbruch
Fusionsgeschäft belebt sich

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) hat nach Einschätzung der Experten von Credit Suisse seinen Tiefpunkt erreicht. Niedrigere Bewertungen der Unternehmen in Verbindung mit einer vorsichtigen Stabilisierung der Kapitalmärkte ließen in den kommenden zwölf Monaten einen Anstieg des Transaktionsvolumens erwarten, hieß es am Mittwoch in Frankfurt.

FRANKFURT. „Das Tal im M&A-Markt ist definitiv erreicht. Wir schauen von einer niedrigen Basis optimistisch nach vorne“, sagte Oliver Fritz, Leiter M&A der Credit Suisse in Deutschland. Weltweit wird das Volumen der Deals für das laufende Jahr auf knapp zwei Billionen Dollar veranschlagt, was in etwa dem Niveau des Jahres 2004 entsprechen dürfte. Allerdings entspricht dies wertmäßig nur etwa der Hälfte des Volumens aus dem Höhepunkt der Blase fremdfinanzierter Übernahmen 2007. Damals hatte vor allem die Finanzinvestoren dank großzügiger Kreditversorgung den Boom immer weiter befeuert.

Aktuell wird der Markt aus zwei Quellen gespeist. Einmal nutzen Unternehmen aus den Bereichen Pharma und Energie ihre vergleichsweise gesunden Bilanzen aus, um sie für Zukäufe zu nutzen. Auf der anderen Seite suchen Konzerne mit Restrukturierungsbedarf nach Kapitalgebern. Neben den strategischen Käufern aus der Industrie stehen vor allem die Staatsfonds – etwa aus dem Nahen Osten – auf der Käuferseite, die Finanzinvestoren halten sich noch zurück. „Die Staatsfonds werden weiter selektiv in Deutschland investieren. Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einigen Transaktionen zwischen 500 Mio. und zwei Mrd. Euro“, erläutert Fritz. Die „Sovereign Wealth Funds (SWF)“ stünden hoch im Kurs bei den Unternehmen, die Eigenkapital brauchen. Allerdings habe sich das M&A-Geschäft zu einem Käufermarkt gewandelt, und die Staatsfonds hätten aus allen Regionen der Welt sehr viele interessante Situationen auf dem Tisch. Den Staatsfonds gehe es primär um eine rentierliche Finanzanlage und nicht um aktive Industriepolitik, sagte Maximilian Schiessl, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller in Düsseldorf. Arabische Investoren sind beispielsweise schon beim Daimler-Konzern und bei MAN Ferrostahl engagiert, mit Porsche laufen Verhandlungen. Die deutsche Politik stehe den Anfragen von SWFs positiv gegenüber, ergänzte Schiessl.

Im ersten Halbjahr musste der M&A-Markt einen herben Rückschlag verbuchen. Das Volumen von Fusionen und Übernahmen (M&A) brach in den ersten sechs Monaten um 44,5 Prozent auf 872,5 Mrd. Dollar ein, geht aus Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters hervor. Allerdings sorgten die Anleiheemissionen der Unternehmen, die sich auf Rekordhöhe bewegten für einen Ausgleich.

Im Fokus dürften auch zunehmend wieder Kapitalmaßnahmen stehen, mit denen sich die Unternehmen in der Ertragskrise wappnen wollen. „Wir haben bis dato hauptsächlich bezugsrechtslose Kapitalerhöhungen von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals gesehen. Der Anteil von umfangreicheren Kapitalerhöhungen mit Bezugsrecht wird jedoch zunehmen“, sagte Fritz.

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