Nach einem Börsengang des Milchkonzerns könnte Konkurrent Granarolo zugreifen
Parmalats Gläubiger entscheiden über Angebot zum Aktientausch

Bei Parmalat wird es ernst. Zwei Monate haben die Gläubiger des italienischen Skandal-Konzerns Zeit zu entscheiden, ob sie ihre Verbindlichkeiten in Aktien des Milchproduzenten umtauschen wollen. Die Frist läuft vom 28. Juni bis zum 26. August. Wenn die Gläubiger – Banken, Besitzer von Anleihen und Zulieferer – das Angebot annehmen, könnte der Lebensmittelkonzern an die Börse zurückkehren.

kk MAILAND. Der Name Parmalat steht vor allem für den größten Bilanzskandal Europas. 2003 war der Milchproduzent unter einer Schuldenlast von 14 Mrd. Euro zusammengebrochen, die aufgrund von Bilanzfälschungen lange Zeit verborgen blieb. Ende 2004 hatte Parmalat noch 11,4 Mrd. Euro Schulden. Die Umwandlung der Verbindlichkeiten in Aktien ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Restrukturierung des Unternehmens. Sollten die Gläubiger nicht zustimmen, könnte dies das Ende des Unternehmens bedeuten.

Wenn Parmalat wieder an der Börse gehandelt wird, könnten auch mögliche Käufer zugreifen. Nach Medienberichten arbeitet der italienische Lebensmittelkonzern Granarolo mit der Banca Intesa an einer Übernahme des Unternehmens für bis zu zwei Mrd. Euro. Granarolo-Chef Luciano Sita hatte gleich nach dem Kollaps vor eineinhalb Jahren sein Interesse angemeldet. In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Milano Finanza sagte er nun lediglich: „Mit Banca Intesa ist noch kein Abkommen oder Vorabkommen beschlossen.“ Sita macht aber keinen Hehl daraus, dass er für eine nationale Lösung bei Parmalat ist: „Man muss verhindern, dass der Konzern in fremde Hände fällt. Das wäre ein unkalkulierbarer Schaden für die heimische Wirtschaft.“

Auch von Intesa sind in jüngster Zeit interessierte Töne zu hören. Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Corrado Passera, hatte vor einer Woche gesagt, er hoffe, dass sich im Lebensmittelsektor ein Unternehmen herausbildet, das „in der Lage ist, auf europäischem Level mitzuspielen. Das ist eines der Ziele, die sich Italien als Land setzen muss. Wenn wir eine Rolle darin spielen können, werden wir das nach allen unseren Möglichkeiten tun.“ Seine Bank arbeite bereits in vielen Bereichen mit Granarolo zusammen. Im Umfeld von Parmalat spekuliert man dagegen auf einen ausländischen Partner.

Die Aktie der Holding Parmalat Finanziaria war am 29. Dezember 2003 vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sie von mehr als vier Euro auf nur noch elf Cent gefallen war. Die Aktionäre der Parmalat Finanziaria selbst werden bei dem neuen Börsengang leer ausgehen und ihr gesamtes Geld verlieren. Denn bei dem neuen Börsengang wird nur die Tochter der Parmalat Finanziaria, die Parmalat SPA, am Mailänder Aktienmarkt platziert, und das Tauschangebot gilt nur für die Besitzer von Anleihen und anderen Verbindlichkeiten – nicht für Aktionäre.

Schätzungsweise werden nach dem Börsengang 30 Prozent der Aktien in den Händen der Banken liegen, mehr als die Hälfte bei den Besitzern von Anleihen, darunter viele Privatpersonen, und die restlichen Aktien bei Zulieferern und anderen Gläubigern. Heikel ist, dass auch Banken, die von Parmalat verklagt wurden, in Zukunft zu den Aktionären des Unternehmens zählen. Nach dem Zusammenbruch hatte der Insolvenzverwalter Enrico Bondi die Geschäftsaktivitäten reduziert und gleich mehrere Banken verklagt, die Mitschuld an dem Kollaps des Unternehmens tragen sollen.

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