Nach Einstieg
EnBW und EWE wollen Milliarden investieren

Der nordwestdeutsche Regionalversorger EWE will nach dem Einstieg des Energiekonzerns EnBW gemeinsam mit dem neuen Großaktionär Milliardeninvestitionen stemmen. Besonders zwei Energierträger haben die Versorger im Visier.

HB OLDENBURG. Es sei geplant, zusammen Geld in Gasspeicher und-verteilnetze, Kraftwerke und Windkraftanlagen vor der Küste zu stecken, sagten EnBW-Chef Hans-Peter Villis und EWE-Chef Werner Brinker am Freitag in Oldenburg. Den Kauf eines 26-prozentigen Aktienpakets an Deutschlands fünfgrößtem Versorger lässt sich das Karlsruher Unternehmen insgesamt zwei Mrd. Euro kosten. Es ist die größte Transaktion der Branche seit der Übernahme von Ruhrgas durch Eon 2004 für rund elf Mrd. Euro.

Von den Kartellbehörden gebe es positive Signale, sagte Brinker mit Blick auf die Aussichten für gemeinsame Aktivitäten mit Deutschlands drittgrößtem Versorger EnBW. Am Wettbewerb ändert sich durch den Einstieg der Baden-Württemberger bei EWE kaum etwas, da sich die Verbreitungsgebiete und Geschäftsfelder kaum überschneiden. EnBW ist im Südwesten stark, EWE im Nordwesten.

EnBW besitzt anders als EWE große eigene Stromerzeugungskapazitäten, die Oldenburger haben dafür Zugang zum Erdgas. Sie halten 48 Prozent am Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG). Die wollen sie allerdings ebenso wenig an den neuen Partner abgeben wie EnBW seine Mehrheitsbeteiligung an den Düsseldorfer Stadtwerken. Die Eigenständigkeit und Marken von EWE sollten erhalten bleiben. Die Zusammenarbeit sei auf mehr als zehn Jahre angelegt, sagten die Unternehmenschefs.

"Wir wollen beim Gas weg von der reinen Verteilung", nannte Villis als einen der Beweggründe für die Transaktion. Neben der Investition in Speicher und Leitungen sei auch der Bau eines gemeinsamen Gaskraftwerks denkbar. EWE hatte vor einigen Monaten Pläne für ein Kohlekraftwerk in Bremen verworfen. Nun komme das Thema Stromerzeugung erneut auf die Tagesordnung, sagte Brinker. "Jetzt haben wir einen kapitalstarken Partner mit viel Wissen und Erfahrung." In gemeinsame Projekte könnten auch Stadtwerke der jeweiligen Regionen eingebunden werden. Im Ausland wollen EWE und EnBW ebenfalls zusammenarbeiten. Beide sind bereits in der Türkei aktiv.

EnBW und EWE verbinde, dass beide starke kommunale Eigner haben, sagte Brinker. "Wir sprechen eine gemeinsame Sprache." EnBW ist zu 45 Prozent in den Händen von baden-württembergischen Kreisen und Städten, einen gleich hohen Anteil hält die französische EdF. "Wir haben die richtige Blume gepflückt", resümierte EWE-Aufsichtsratschef Günther Boekhoff.

Die 21 Landkreise und Städte aus Nordwestdeutschland, denen EWE bisher komplett gehörte, hatten sich zum Anteilsverkauf entschlossen, um Schulden von 650 Mill. Euro abzulösen. Sie können das Geld bis zur Fälligkeit des zu günstigen Konditionen abgeschlossenen Kredits 2012 nun anlegen. Über die von EnBW ebenfalls gezeichnete Kapitalerhöhung fließen EWE gut 1,3 Mrd. Euro zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%