Nach GM-Rekordverlusten
Opel-Betriebsratschef gibt Entwarnung für Europa

Der oberste GM-Arbeitnehmervertreter in Europa, Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, hat Spekulationen eine Absage erteilt, der überraschende GM-Rekordverlust von 39 Milliarden Dollar könnte negative Auswirkungen auf das Europageschäft des Autobauers haben. Ein Autoexperte sieht das anders.

DÜSSELDORF. Er sehe keinen Anlass, die Alarmglocken für Europa zu läuten, sagte Franz dem Handelsblatt. „Natürlich müssen wir gucken, dass nach dem Abschluss der US-Gewerkschaft UAW nicht Produktion in die USA abgezogen wird.“ Er glaube aber nicht, dass der nächste Astra oder Zafira aus den USA nach Europa komme. Der Dollarkurs mache einen Import zwar attraktiver, aber die Transportkosten wögen diesen Vorteil wieder auf.

Der Gelsenkirchener Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht dagegen den Druck auf die westeuropäischen GM-Werke weiter steigen. Angesichts des niedrigen Dollarkurses und der gesenkten Produktionskosten in den USA durch den jüngsten Tarifabschluss mit der Autogewerkschaft UAW müsse GM sich nun fragen, ob es den Astra nicht besser in USA produzieren sollte, sagte Dudenhöffer. Nach der massiven Abschreibung von knapp 39 Mrd. Dollar müssten nun alle Werke neu kalkuliert werden. Es mache für GM unter diesen Konstellationen viel Sinn, Mitarbeiter in den USA einzustellen und die Fahrzeuge in den Export zu geben.

GM hatte am Mittwoch überraschend wegen milliardenschwerer Abschreibungen einen Rekordverlust von 39 Mrd. Dollar ausgewiesen. Auch die Europa-Tochter mit ihrer Hauptmarke Opel rutschte nach einem positiven ersten Halbjahr nun erneut mit 2,9 Mrd. Dollar ins Minus zurück. Nach ersten Erfolgen bei der Sanierung wird der größte US-Autobauer wegen der Sonderabschreibung nun doch das Geschäftsjahr 2007 tief in den roten Zahlen abschließen.

Die GM-Tochter Opel will ab Januar 2008 trotz der Dollarschwäche erstmals seit 30 Jahren wieder in großem Stil Autos für den Markt in Nordamerika exportieren. Der Bestseller Astra soll dort dann von der GM-Schwestermarke Saturn unter deren Markenzeichen in den USA und Kanada verkauft werden. Die Euro-Höchststände gegenüber dem Dollar beeinträchtigen jedoch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Fahrzeugen aus Europa. „Tatsächlich macht der schwache Dollar es schwer, mit europäischen Wagen derzeit in den Vereinigten Staaten Geld zu verdienen“, räumte auch Franz ein. Dudenhöffer glaubt, dass GM beim Astra angesichts des derzeitigen Eurokurses noch Geld drauf legt.

Franz betonte, dass die US-Gewerkschaft UAW in ihren Verhandlungen mit GM nun auch darauf gepocht habe, das die USA Standort für mehrere globale Plattformen im Konzern werde. Die Produktion der nächsten Mittelklasse von Opel, Vauxhall und Saab auf der Epsilon-II-Plattform sei allerdings über den gesamten Lebenszyklus in Rüsselsheim gesichert. „Insbesondere der nächste Saab 9.3, der auf dieser Plattform steht, könnte beispielsweise sonst auch in den USA gebaut werden“, erklärte der oberste GM-Arbeitnehmervertreter und Opel-Betriebsratschef.

In dem Vertrag, den die Opel-Mutter kürzlich mit der UAW geschlossen hatte, verpflichtet sich GM unter anderem dazu, höchstens drei Werke in den USA zu schließen und keine weiteren US-Standorte zu verkaufen oder „leer laufen“ zu lassen. Die Produktionskapazität von GM ist in den USA damit quasi eingefroren.

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