Nach hartem Kampf
Eon schließt Endesa-Kapitel mit Milliarden-Zukauf ab

Ein Jahr nach der gescheiterten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa hat der Energiekonzern Eon den Erwerb umfangreicher Beteiligungen des Unternehmens perfekt gemacht. Eon zahlt für Kraftwerke und Beteiligungen vor allem in Spanien, Frankreich und Italien inklusive der Übernahme von Schulden rund 11,8 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

HB DÜSSELDORF. Eon hatte im April 2007 nach erbitterten Kampf seine 42 Mrd. schwere Offerte für Endesa zurückgezogen. Im Gegenzug sagten die siegreichen Konzerne Enel und Acciona die Abgabe des Pakets zu. Die genaue Bewertung hatte sich aber hingezogen. Ursprünglich lag sie bei rund zehn Mrd. Euro.

"Der jetzt erzielte Kaufpreis wurde von mehreren Banken ermittelt und spiegelt den fairen Marktwert der Anteile wider", sagte Eon -Chef Wulf Bernotat. "Unsere neuen Beteiligungen werden schon in diesem Jahr signifikant zu unserem Ergebnis beitragen und erfüllen unsere Anforderung an eine attraktive Kapitalverzinsung." Die Transaktion solle im dritten Quartal abgeschlossen werden.

An der Börse wurde die Einigung positiv bewertet. Die Eon -Aktie legte zeitweise mehr als ein Prozent zu. "Dies bedeutet weitere Fortschritte hinsichtlich der Internationalisierung und Diversifikation des Eon -Konzerns", urteilte LBBW -Analyst Bernhard Jeggle.

Eon hatte sich nach mehr als einjährigen Bieterstreit um Endesa dem italienischen Energieriesen Enel und dem spanischen Mischkonzern Acciona geschlagen gegeben. Mit einem Angebot von rund 43 Mrd. Euro hatten die Rivalen Eon übertrumpft und damit die weltweit größte Übernahme eines Energieversorgers perfekt gemacht.

Die Düsseldorfer setzen seitdem nicht mehr auf eine große Übernahme, sondern wollen ihre Marktposition Schritt für Schritt vor allem durch den Erwerb von Kraftwerken und Beteiligungen ausbauen. "Wir haben uns in diesem Jahr eine Menge vorgenommen, wodurch zugleich unser Appetit auf größere Deals gezügelt wird", bekräftigte Bernotat in einem am Freitag veröffentlichten Interview des "Wall Street Journal".

In Spanien übernimmt Eon nun von Enel die Stromtochter Viesgo sowie Endesa -Kraftwerke mit einer Leistung von drei Gigawatt. Viesgo versorgt den Angaben zufolge rund 580 000 Kunden mit Strom. Eon will die Kraftwerkskapazitäten in Spanien bis 2010 weiter ausbauen und zum viertgrößten Stromerzeuger des Landes aufsteigen. In Italien erwirbt der Konzern 80 Prozent der Landesgesellschaft von Endesa mit einer Erzeugungskapazität von 7,2 Gigawatt. In Frankreich erhalten die Düsseldorfer 65 Prozent der Anteile an Endesa France/SNET, die über Kraftwerke mit einer Leistung von rund 2,5 Gigawatt verfügt.

Eon versteht sich längst nicht mehr als ein rein deutsches, sondern als ein europäisches Unternehmen. Nach der Niederlage bei Endesa war der Konzern unter anderem mit Investitionen von über vier Mrd. Euro in den russischen Strommarkt eingestiegen. Zudem will der Konzern in den kommenden Jahren sein Ökostromgeschäft massiv ausbauen. In Belgien beteiligt sich Eon an dem Bieterprozess für den Gasversorger Distrigas. Zudem will sich der größte deutsche Versorger am Bau neuer Atomkraftwerke im Ausland beteiligen.

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