Nach Interview

Volkswagen hält Fiat-Chef für „untragbar“

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat sich kritisch über eine vermeintlich von Volkswagen angestachelte Rabattschlacht beschwert. Der deutsche Konzern ist empört und hält den Italiener als Verbandspräsidenten für untragbar.
Update: 26.07.2012 - 22:02 Uhr 14 Kommentare
Fiat- und Chrylser-Chef Sergio Marchionne am Rand eines Formel-1-Rennens. Quelle: dapd

Fiat- und Chrylser-Chef Sergio Marchionne am Rand eines Formel-1-Rennens.

(Foto: dapd)

WolfsburgDer Streit zwischen Volkswagen und Fiat eskaliert. Der Volkswagen-Konzern fordert den Vorsitzenden des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea, Fiat-Chef Sergio Marchionne, zum Rücktritt auf. Marchionne sei als Präsident untragbar und solle gehen, erklärte Volkswagen-Kommunikationschef Stephan Grühsem am Donnerstagabend.

Hintergrund ist ein von der „New York Times“ (Donnerstag) zitierter Vorwurf Marchionnes, Volkswagen betreibe eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik. „Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen“, wurde Marchionne zitiert. Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen.

Angesichts dieser Äußerungen sei auch ein Austritt aus dem Acea eine Option für Volkswagen, erklärte Kommunikationschef Grühsem. Der 1991 gegründete Autobauer-Verband Acea vertritt die Interessen von 18 Herstellern von Autos, Lastwagen und Bussen auf europäischer Ebene.

Fiat leidet unter massiven Absatzproblemen. Der Fahrzeugmarkt in der EU ist seit Monaten auf Talfahrt, vor allem in den Euro-Krisenländern Spanien und Italien, aber auch in Frankreich. Dies trifft die Hersteller hart, die von Europa abhängig sind - neben der europäischen Nummer zwei PSA Peugeot Citroën sind dies auch Opel und Fiat. Sie kämpfen mit Überkapazitäten.

Der VW-Konzern dagegen ist dank seiner breiten Aufstellung und der Stärke vor allem in China und den USA auf Erfolgskurs. Bis spätestens 2018 will Volkswagen größter Autohersteller der Welt werden und zehn Millionen Fahrzeuge absetzen. Einige Beobachter halten das bereits 2015 für möglich. Im ersten Halbjahr verdiente der Konzern laut Zahlen vom Donnerstag unterm Strich mehr als 8,8 Milliarden Euro, fast 36 Prozent mehr als bis zur Jahresmitte 2011.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Nach Interview: Volkswagen hält Fiat-Chef für „untragbar“"

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  • Ich kenne die Italienische Geschäftspolitik sowie deren kurzfristiges denken.
    Bei manchen Firmeninhabern hat man das Gefühl das diese nicht Wissen ob morgen noch Geld für die Pasta zum Mittag vorhanden ist.
    Einen Markt und ein Produkt muß von unten aufgebaut werden.
    Die Fundamente eines Vertriebes ,und auch in der Produktion müssen konstant den verschiedenen Parametern des Marktes angepaßt werden.
    Der Irrglauben ein Fahrzeug neu zu konzipieren und damit gleich sehr hohe Stückzahlen ,aus dem Stand heraus,zu Verkaufen ist in den Köpfen italienischer Manager vorhanden.
    Man will,ohne die oben genannten Fundamente zu schaffen,alles sehr schnell erreichen.Das dann der Einbruch bei einem Fehlschlag die Firma in enorme Turbolenzen bringt,wird nicht bedacht.
    Beispiel- Import von Fahrzeugen in Deutschland:
    1992 6 Fzg. jährl. stark gesteigert das 1997 4345 Fzg.jährl. verkauft wurden
    Diese Fahrzeuge wurden durch ein Funktionierendes seit 1992 aufgebautes Händlernetz (420) vertrieben.Ebenso wurden die "Basics" geschaffen.
    Der Hersteller verlangte für 1998 eine Verbindliche Bestellung von 12000 Stck,obwohl sich seit mitte 96 der Markt stark abschwächte.Für den Importeur war dies,aus verschiedensten gründen, nicht erfüllbar.Somit wurde der Importeur gewechselt,trotz Vertrages .Einer Gerichtlichen auseinandersetzung sah der Hersteller entgegen ,da solche Verfahren bis zu 15 Jahren dauern können,und der alte Importeur "Platt gemacht" werden sollte.Im übrigen hat der Italienische Hersteller nur einmalig 9200 Fzg. in 1998 geliefert wo aber nur 4400 verkauft wurden.Die folgenden Jahre waren es jährlich ,im Schnitt unter 1600 Fzg. (bis 2010 gerechnet).Seit 1997 wurde von dem Hersteller übrigens insgesamt 5 mal der Importeur gewechselt und heute gibt es den Hersteller nicht mehr.
    Im übrigen braucht sich Fiat nicht aufzuregen,wer den Markt kennt ,weiß wer vor Jahren deren Produktion "Vorfinanziert " hat ,wo die Fzg. danach enorm günstig angeboten wurden.

  • Krosis schreibt:

    "Nein,
    ich finde gerade in Volkswirtschaft hat Mathe sehr wenig verloren.
    Volkswirtschaft ist kein künstliches Konstrukt, wie eine Maschine, welche sich in einer mathematischen Formel beschreiben ließe.
    Volkswirtschaft ist ein organisch gewachsenes Gebilde
    für den sehr viele mathematische Formeln einfach nur unangebracht sind, weil sie irreführend sind oder schlichtweg falsch, verglichen mit der Realität."


    Wir brauche gar keine Mathematik, sondern nur so schlaue Leute wie Sie. Danach, was die meinen, richten wir uns dann alle. Sie wären in der Bundesregierung bestens aufgehoben, der ideale Kandidat für eine Parteikarriere in irgendeiner der Bundestagsparteien. Die haben auch nichts für Tatsachen und Logik übrig.

  • Nachtrag:
    Die Bedeutung von c.p.
    ist durchaus klar.
    Hier zeigt sich aber wieder ein grundlegender Fehler:
    c.p. ist einfach ein unrealistisches Hilfsmittel um die eigene Argumentation an der Realität vorbei ins Ziel zu schiffen.
    Zu glauben die Bedingungen in einem Riesenkonzern wie VW würden sich nicht ändern...der glaubt auch an den Weihnachtsmann ;-)

  • "Hochkomplexe mathematische Modelle, die Sie nicht annähernd begreifen können?"

    Nein,
    ich finde gerade in Volkswirtschaft hat Mathe sehr wenig verloren.
    Volkswirtschaft ist kein künstliches Konstrukt, wie eine Maschine, welche sich in einer mathematischen Formel beschreiben ließe.
    Volkswirtschaft ist ein organisch gewachsenes Gebilde
    für den sehr viele mathematische Formeln einfach nur unangebracht sind, weil sie irreführend sind oder schlichtweg falsch, verglichen mit der Realität.

    Volkswirtschaft sollte eher mit psychologischen, geschichtlich-historischen und kulturellen Grundlagen vermittelt werden.

    Bei BWL ist es etwas anders,
    die ganzen Quoten usw. haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, sind aber, das haben wir sowohl auf dem Wirtschaftsgymnasium als auch im 1. Semester gleich vermittelt bekommen, alleine oder zu zweit stehend kaum bis garnicht aussagekräftig.

    Schon garnicht kann man anhand von Gewinn und Umsatz die Preispolitik beurteilen...
    Das ist genauso Kristallkugelleserei wie anhand der EK-Quote von Samsung die langfristige Kursentwicklung der Facebookaktie hervorzusagen.

  • @ jasonbourne

    Ich schrieb meine Examens-Klausur in UR bei Prof. Baetge - der kurz zuvor das Buch "Möglichkeiten der Objektivierung des Jahreserfolges" heraus gebracht hatte. Aber schon in der Buchführung im ersten Semester geht einem natürlich auf, dass man bei Bilanzgewinnen niemals von aussagekräftigen Größen reden kann, wenn man nicht zugleich die GuV und einen guten Geschäftsbericht in der Hand hat - und selbst dann kann man nicht sagen, man wisse ganz genau, was bei der Ermittlung des Bilanzgewinnes getrieben worden sei. Würde man Baetges Richtungs weisende Empfehlungen umsetzen, dann würde der Geschäftsbericht von VW jedes enzyklopädische Werk im Umfang übertreffen, und verstehen würde immer noch keiner, der nicht wirklich begreift, was eine Varianz, ein Signifikanzniveau und ein Schätzintervall ist, und auch keiner, der nicht in der Lage wäre, es wirklich nachzuvollziehen, wie man aus 20.000 unsicheren Schätzwerten letztlich einen machen kann, mit einem bestimmten Signifikanzniveau und einem bestimmten Schätzintervall.

    Ich sage Ihnen etwas: Fast niemand hat eine Ahnung, womit er da operiert, wenn er sagt: "Der Bilanzgewinn von Unternehmen X ist so und so groß."

    Diejenigen, die das ganz genau wissen, verdienen ein Schweinegeld, wenn sie auf der entsprechenden Seite stehen: Sie schreiben eine Zahl auf ein Blatt Papier, von der man meint, man könne sie als Bilanzgewinn verkaufen. Und dann machen sie Bilanz und GuV - von unten nach oben.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

  • Laut einer Studie, soll der Private PKW Absatz im 2. Quartal 12 auf den niedristen Stand seit 10 Jahren gefallen sein. Die Verkaufszahlen an Gewerbliche Kunden sanken auch leicht. Daher dürfte jetzt auch viele Händlerzugelassene VWs auf den Höfen stehen, die mit satten Rabatten verkauft werden müssen. Fiat soll die satten Rabatten auch schon Monatelang gewährt haben. Jetzt können die wohl nicht mehr nachlegen.

  • Was soll man Ihnen nach Ihrer Meinung in den ersten Semestern beibringen? Hochkomplexe mathematische Modelle, die Sie nicht annähernd begreifen können? Die Vorgehensweise, die Sie da kritisieren, ist im Grundsatz schon OK: Zunächst lernt man, wie es sich in einfachen Modellen rechnen lässt und wie sich die einzelnen Wirkungsgrößen bei isolierter Betrachtung verhalten, später dann, wie man multi-dimensionale Modelle aufstellt - und auch das nur in Grenzen. weil die Komplexität der notwendigen Mathematik sonst 99% der Studenten aussieben würde.

    Als es an meine Diplomarbeit ging, hatte ich keine Lust auf umfassende Literaturarbeit. Ich ging zum Lehrstuhl der Wirtschaftstatistiker, sagte: "Mathe finde ich gut. Ich hätte kein ein mathematisches Thema." Dann bekam ich eines - ich sollte die Hintergründe der kanonischen Korrelationen erklären und ihre Anwendung an einem Beispiel beschreiben. Als Eingangsliteratur wies man mich auf drei Seiten in einem Buch von Mardia, Kent und Bibby hin. Ich verstand nichts von dem, was ich da las, obwohl ich im Grundstudium in linearer Algebra geglänzt hatte. Mathe-Cracks unter meinen Kommilitonen verstanden auch nichts, ein mir bekannter Physiker im Diplom-Semester verstand auch nichts. Ich musste einen ganzen Monat lang hart büffeln, Lineare Algebra für Mathematik-Studenten, dann begriff ich erst, was auf den drei Seiten stand. Und das war noch lange nicht das Ende der mathematischen Fahnenstange.

    Was also wollen Sie in den ersten Semestern lernen? Und: Wollen SIE das wirklich lernen?

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

  • "c.p." heißt ceteris paribus - unter sonst gleichen Umständen. Tatsache ist, dass eine Umsatzsteigerung von 22% wesentlich höher ist als eine Gewinnsteigerung von 6,7%, Tatsache ist, dass die Umsatzrendite daher gesunken ist, auf etwa 87,45% des Vorjahrzeitraumes. Tatsache ist auch, dass die Fixkostendegression c.p. dafür sorgt, dass höherer Umsatz bei positiven Deckungbeiträgen für höhere Umsatzrendite sorgt. Bis hierher sind meine Ausführungen also stichfest, berücksichtigen aber natürlich nicht, dass Absatz- und Kostenstruktur sich verändert haben könnten.

    Doch mir erschienen die Worte des Fiat-Chefs als nicht völlig aus der Luft gegriffen: Wie verrückt müsste der Mann sein, wenn er Rabattschlachten seitens VW öffentlich behauptete, dazu noch in drakonischen Worten, ohne dafür irgendwelche Belege in den Händen zu halten? Man müsste ernsthaft an seinem Verstand zweifeln.


    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    "Die Menschheit richte sich danach, was die gerechten und vernünftigen unter den Frauen am Ende des freien und für alle offenen Streites der Argumente wollen, im Kleinen, im Großen, in allem!"

  • Für Autos aus dem VW-Konzern gibt es im Schnitt keine höheren Rabatte als man sie bei Marken der Fiat-Gruppe bekommt. Im Gegenteil, die Italiener verkaufen ihre Volumenmodelle nur über den Preis, während VW auch mit Qualität und Markensymphatie punkten kann.

    Während VW eher siechende Marken wie Seat, Skoda und Lamborghini erfolgreich aufgepäppelt hat vernichtet Fiat erst Lancia, sehr bald auch Alfa Romeo.

    Und das, obwohl Fiat in Italien keine einheimischen Konkurrenten hat, während der VW-Konzern zuhause auf starke Wettbewerber wie BMW und Mercedes trifft.

    VW macht einfach einen besseren Job als Fiat.

  • @Krosis

    Ja, leider kenne ich das auch so, ich habe 4 Semester Aussenhandelswirtschaft an einer FH in Köln gemacht, nach 4 Semestern konnte ich aber die vergilbten BWL-Unterlagen des Profs (30 Jahre alt, minimum) nicht mehr sehen und habe abgebrochen.

    Aber wenigstens weiß ich nun, warum die Wohlhabenderen ihre Kinder nach GB oder in die USA schicken...

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