Nach Kapitalerhöhung
Goodyear bläst zum Angriff

Elf Wochen habe die Arbeiter des Reifenherstellers Goodyear im vergangenen Jahr als Protest gegen eine Werksschließung ihre Arbeit niedergelegt. Der Streik kostete den Konzern eine halbe Mrd. Euro. Nun sieht sich Goodyear gut gerüstet für die Zukunft.

FRANKFURT. „Mit diesem Verhandlungsergebnis können wir mit signifikant niedrigeren Kosten den Kampf um Marktanteile aufnehmen“, sagte Vorstandschef Robert Keegan im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zudem flossen dem Konzern gestern nach Abschluss einer von den Anlegern komplett gezeichneten Kapitalerhöhung 834 Mill. Dollar zu. Goodyear verbesserte dadurch seine Kreditwürdigkeit. Schon im März hatte der Konzern für 1,5 Mrd. Dollar seine Nicht-Reifen-Sparte verkauft, um die Verschuldung zu reduzieren und sich auf das Reifengeschäft zu konzentrieren. Keegan sieht den Reifenhersteller jetzt am Ende einer mehrjährigen Sanierungsphase.

Goodyear, neben Bridgestone und Michelin einer der größten Reifenhersteller der Welt, will sich künftig stärker auf Reifen für Premiumfahrzeuge ausrichten und die Kapazität dort um 40 Prozent erhöhen. Keegan will vor allem den Absatz von Reifen steigern, mit denen man auch mit einem Platten weiterfahren kann. Sein Ziel: mehr als zwei Millionen solcher Reifen in diesem Jahr.

Außerdem verlagert Keegan die Produktion weiter in Niedriglohnländer in Osteuropa und Asien. Deren Anteil an der Produktion soll mittelfristig von 36 auf 50 Prozent steigen. Dafür will Keegan in diesem Jahr 800 Mill. Dollar und im kommenden Jahr sogar 900 Mill. Dollar investieren.

„Die Verlagerung in Niedriglohnländer ist für Goodyear eine schlichte Notwendigkeit, die Konkurrenten wie Continental bereits hinter sich haben“, sagt Analyst Daniel Schwarz von der Commerzbank. Der Konzern hatte zuletzt sein Billigsortiment ausgedünnt und die Produktion von acht Millionen Reifen für Handelsmarken eingestellt. „Das Geschäft lohnte sich für uns nicht mehr“, sagt Keegan, dessen Konzern in der Vergangenheit eher zu den Preisbrechern zählte.

Im ersten Quartal wies Goodyear aber noch Spuren des Streiks aus, die das Ergebnis 2006 mit 367 Mill. Euro belasteten und in diesem Jahr insgesamt mit 100 bis 120 Mill. Euro noch einmal zu Buche schlagen werden. Im ersten Quartal waren es 34 Mill. Euro. Beim größten US-Reifenhersteller waren die Arbeiter Ende 2006 elf Wochen in den Ausstand getreten, unter anderem um gegen die Schließung der Fabrik in Tyler, Texas, zu protestieren. Es war der erste Streik im Unternehmen seit 30 Jahren. Goodyear hat den Gewerkschaften am Ende einen Kompromiss bei den Sozialkosten abgetrotzt. Die Entlastungen sollen mittelfristig 300 Mill. Euro pro Jahr betragen.

„Dieses Jahr ist noch ein Übergangsjahr. Ab 2008 werden sich unsere Einsparungen voll bemerkbar machen“, sagte Keegan. Bei stagnierenden 4,5 Mrd. Dollar Umsatz lag der Verlust in den ersten drei Monaten 2007 bei 174 Mill. Dollar.

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