Nach Liquiditätsschwierigkeiten
Solarkonzern Conergy erhält Finanzspritze

Der Hamburger Solarkonzern Conergy wird nach den verheerenden Zahlen der vergangenen Wochen personell und strategisch umgebaut. Eine Kapitalerhöhung über rund zwei Millionen neue Aktien soll die Liquiditätsschwierigkeiten des Unternehmens beseitigen.

DÜSSELDORF. Conergy, das sich bei einem Umsatz von 752 Mill. Euro gern Europas größtes Solarunternehmen nennt, erhält einen neuen Vorstandsvorsitzenden, der allerdings noch gesucht wird. Der bisherige Vorstandsvorsitzende und Unternehmensgründer Hans-Martin Rüter scheidet am 15. November aus. Das teilte das Unternehmen gestern mit. Die Ablösung des Finanzchefs Heiko Piossek wurde bereits Anfang Oktober bekanntgegeben. Er wird durch den früheren Finanzchef von Schering, Jörg Spiekerkötter ersetzt.

Neuer starker Mann im Gesellschafterkreis wird der ehemalige Großaktionär der Metallgesellschaft und Mehrheitsaktionär von Gea, Otto Happel. Happel beteiligt sich über die von ihm beherrschte Leemaster Ltd. an der jetzt beschlossenen Kapitalerhöhung über rund zwei Millionen neue Aktien mit einem Anteil von 4,25 Prozent am Unternehmen. Er hat aber mit den Altaktionären vereinbart, Optionen für weitere Anteile bis zu einer Höhe von 25,1 Prozent deutlich unter Marktpreis zu erwerben. Die neuen Aktien werden zum Preis von 33,51 Euro ausgegeben, dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen fünf Handelstage.

Conergy ist in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, die durch zusätzliche Mittel in Höhe von 100 Mill. Euro beseitigt werden sollen. Dazu dient die Kapitalerhöhung, an der sich Altaktionäre mit 20 Mill. Euro und Happel mit 50 Mill. Euro beteiligen. Zusätzlich erhöhen Banken ihren Kreditrahmen um 30 Mill. Euro.

In den nächsten Monaten wird der Vorstand eine neue Strategie erarbeiten, die Conergy, so eine Mitteilung des Unternehmens, auf profitable Geschäftsbereiche fokussieren und nachhaltiges Wachstum erreichen soll. Der Jahresabschluss von Conergy für 2006 und für das erste Halbjahr 2007 werden durch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungsstellung erneut geprüft.

Der umsatzstärkste deutsche Solarkonzern hatte Ende Oktober mitgeteilt, dass der Jahresüberschuss für 2007 nicht wie noch Anfang Oktober bekräftigt 60 Mill. Euro betragen, sondern dass ein Verlust anfallen werde. Ursache sind Lieferverzögerungen beim Rohstoff Silizium. Dies werde zu Umsatzeinbußen von 130 Mill. Euro führen. Daraufhin stürzte die Conergy-Aktie an einem Tag um über 30 Prozent und hat sich seitdem nicht wieder erholt. Gestern fiel der Kurs nach Bekanntwerden der Nachricht zunächst um weitere sechs Prozent, stieg dann aber wieder.

Conergy hatte im November vergangenen Jahres eine strategische Wende vollzogen, die sich jetzt offensichtlich rächt. Bis dahin konzentrierte sich das Unternehmen auf die Projektierung und den Verkauf von Anlagen der erneuerbaren Energien. Jetzt will Conergy ein integrierter Solarkonzern mit eigener Fertigung werden, ohne die Geschäftsbereiche Biomasse, Wind und Solarwärme aufzugeben. Mit Investitionen von 250 Mill. Euro baut Conergy in Frankfurt an der Oder eine Fabrik zur Fertigung von Wafern, Zellen und Modulen für Solarstrom mit rund 1 000 Beschäftigten.

Der scheidende Chef Rüter kündigte gestern gegenüber „Spiegel Online“ an, die neue Unternehmensführung werde das Portfolio des Konzerns überprüfen. So stehe der Bereich Biogas zur Disposition. Er selbst gehe nicht im Streit. Conergy erhalte aber jetzt ein „international und konzernerfahrenes Führungsteam“. Rüter sagte, er werde sich zunächst seiner Familie widmen.

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