Nach Löscher
Siemens-Personalchefin muss wohl gehen

Nach Peter Löscher muss nun auch Personalvorstand Brigitte Ederer bei Siemens ihren Stuhl räumen, melden österreichische Medien. Der Aufsichtsrat soll die Personalentscheidung morgen bestätigen.
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Wien/MünchenMit Vorstandschef Peter Löscher und Personalvorstand Brigitte Ederer gaben zwei Österreicher beim Industrieriesen Siemens jahrelang den Ton an. Doch das dürfte bald Geschichte sein. Die österreichische „Kronen Zeitung“ berichtet, dass die 57-Jährige Ende September ihren Posten räumen muss. Löscher war bereits Ende Juli abgelöst worden. Am Mittwoch soll der Aufsichtsrat nun über das Schicksal von Ederer entscheiden. Ihr Vertrag läuft noch bis Mitte 2015.

Mitte 2010 hatte Löscher die damalige Generaldirektorin bei Siemens Österreich in den Vorstand berufen. Vor ihrem Einstieg bei Siemens im Jahr 2010 hatte Ederer politische Karriere gemacht. Als Mitglied der österreichischen Sozialdemokraten war sie Nationalratsabgeordnete, dann Staatssekretärin und später Finanzstadträtin in Wien.

Das Blatt beruft sich auf informierte Kreise, eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Die ehemalige SPÖ-Politikerin soll nach Zeitungsberichten wohl Opfer eines "Deals" des Betriebsrates mit dem Aufsichtsrat sein. Die Gewerkschaft drängt darauf, auch in der Führungsebene den Umbruch einzuleiten. Auch die Schweizerin Barbara Kux verlässt den Konzern Ende September. „Die Gewerkschaften haben dem Aufsichtsratschef klar gemacht, dass sie nur dann Joe Kaeser als neuem Vorstandschef zustimmen werden, wenn Ederer als Arbeitsdirektorin abgelöst wird“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person der Süddeutschen Zeitung.

Ederer hattet sich geweigert, den Arbeitsvertrag von Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zu verlängern. Der Gewerkschafter, wäre im Frühjahr kommenden Jahres automatisch aus dem Unternehmen ausgeschieden, weil er die Regelaltersgrenze erreicht. Adler wollte jedoch weitermachen und strebte zudem eine Beförderung an. Ein juristisches Gutachten des Konzerns kam nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zu dem Ergebnis, dass der Vertrag von Adler, der seit 2003 auch Aufsichtsratsmitglied ist, nicht verlängert werden dürfe.

Auch im Aufsichtsrat wird Siemens neue aufgestellt. Nach dem Abgang von Ackermann im Aufsichtsrat will Chefkontrolleur Gerhard Cromme nach Reuters-Informationen erneut einen Ausländer als Nachfolger vorschlagen. Bereits auf der Gremiumssitzung am Mittwoch solle ein Amtserbe bestellt werden, sagten zwei mit der Situation vertrauten Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Es solle ein „Fachmann aus dem Ausland“ werden, hieß es. Erst am Donnerstag hatte Ackermann die Konsequenzen aus dem Machtkampf mit Cromme gezogen und seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium von Siemens angekündigt. Als Grund für sein Ausscheiden hatte der frühere Chef der Deutschen Bank „unterschiedliche Vorstellungen, wie man den Prozess der Nachfolge gestaltet“ angeführt.

Das Kontrollgremium berät zudem über die Benennung eines neuen Finanzvorstands. Der Posten war vakant geworden, nachdem Joe Kaeser als Nachfolger von Löscher zum Konzernchef aufgerückt war. Bis zuletzt seien noch zwei Kandidaten im Rennen gewesen, hieß es. Die beiden Sektor-CFOs Michael Sen und Ralf Thomas seien in der Schlussauswahl. Sen kümmert sich bislang um die Finanzen der Medizintechnik, Thomas um die des Segments Industrie.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Nicht schad darum, ist ja verantwortlich für tausende Entlassungen, Werkverträge und Zeitarbeitern (moderne Arbeitssklaven). Am besten ohne Abfindung rausschmeißen und dazu noch ein schlechtes Zeugnis damit sie auch sicher Hartz IV beziehen kann.

  • Unabhaengig von diesem "Fall" waere daran zu erinnern, dass immer wieder - offensichtlich in Unkenntnis der Realitaet - Leiter des Personalwesens als "Personalchef" bezeichnet werden, falsch, diese sind lediglich "Chefs" ihrer eigenen Abteilung, nicht jedoch des gesamten Personals eines Unternehmens. Saludos aus Costa Rica/H.Kube

  • tja, wo ist das nicht der Fall?
    die optimale Voraussetzung für eine Karriere bei Siemens (wie auch bei anderen Großorganisationen) ist eine Schauspielausbildung und die Fähigkeit in jeder noch so blöden Situation möglichst dämlich zu grinsen und noch eine ordentliche Portion Beratersprech.
    bevor rauskommt, dass die Schwätzer nichts auf der Pfanne haben, sind die längst auf die nächste Bühne gehopst.
    Traurig aber war.

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