Nach Magazinbericht
Spekulationen um Fiat-Übernahme durch VW

Volkswagen lotet angeblich eine Übernahme von Fiat-Chrysler aus. Dazu soll VW-Aufsichtsratschef Piëch bereits Gespräche geführt haben, heißt es in einem Magazinbericht. VW und die Agnelli-Familie dementieren.
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WolfsburgVolkswagen lotet einem Magazinbericht zufolge eine Übernahme des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat aus. Durch die Integration von dessen US-Tochter Chrysler sehe die VW-Führung einen möglichen Ansatz, um ihre eigenen Probleme auf dem US-Markt zu lösen, berichtete das „Manager Magazin“ am Donnerstag ohne Quellenangabe. Europas größter Autobauer sucht seit längerem nach Wegen, um in den USA aus der Rolle eines Nischenanbieters herauszukommen.

Dem Magazinbericht zufolge haben Volkswagen-Großaktionär Ferdinand Piëch und die Familien Elkann und Agnelli als Fiat-Haupteigner sowie deren Unterhändler dazu bereits mehrere Gespräche geführt. Die Preisvorstellungen lägen aber noch deutlich auseinander. Fiat-Chef Sergio Marchionne verfolge parallel andere strategische Optionen.

Bei Volkswagen dementiert man das Vorhaben: „Derzeit stehen keine M&A-Transaktionen auf der Agenda. Wir konzentrieren uns auf das Heben von Effizienzen im Konzern“, sagte ein Sprecher des Konzern gegenüber dem Handelsblatt.

Auch die Agnelli-Familie als größter Fiat-Aktionär widerspricht dem Bericht über eine mögliche Übernahme. Es hätten keine Gespräche über eine Fusion stattgefunden, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Exor-Holding, in der die Familie ihre gut 30 Prozent Anteile an Fiat gebündelt hat.

Die Börsianer reagierten trotzdem auf die Gerüchte: Der Aktienkurs von Fiat stieg am Donnerstag an der Mailänder Börse so stark wie seit sechs Monaten nicht mehr. Die Titel verteuerten sich in der Spitze um 5,1 Prozent und notierten um die Mittagszeit 2,9 Prozent höher. Das Unternehmen kommt damit auf einen Marktwert von 9,8 Mrd. Euro.

Experten halten die beiden VW-Vorhaben ebenfalls für ambitioniert. Der Konzern verfügte zuletzt zwar über liquide Mittel von knapp 18 Milliarden Euro. Konzernchef Martin Winterkorn hatte allerdings unlängst deutlich gemacht, dass er das Geld zusammenhalten will. „Wir haben genug damit zu tun, die Integration von Scania voranzubringen“, sagte er am Rande einer Veranstaltung. VW hatte den schwedischen Lkw-Hersteller Scania vor Kurzem ganz unter seine Kontrolle gebracht. Das übrige Geld benötigen die Wolfsburger vor allem für Investitionen in neue Modelle und die weitere Modernisierung der Produktion. Schon um die Scania-Übernahme zu stemmen, hatte VW eine milliardenschwere Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht.

Auch kartellrechtlich scheint eine Übernahme von Fiat problematisch, da die Macht von Volkswagen auf dem europäischen Markt dadurch deutlich zunehmen würde. Ein Verkauf von Alfa Romeo würde Fiat-Chef Sergio Marchionne düpieren. VW-Aufsichtsratschef Piëch hatte in der Vergangenheit mehrfach Interesse an der Fiat-Marke geäußert, erhielt von Marchionne jedoch regelmäßig eine Abfuhr. Die Italiener hatten erst vor wenigen Monaten angekündigt, Alfa Romeo zu einer neuen, globalen Premiummarke ausbauen zu wollen.

Doch dem Bericht zufolge wollen sich die italienischen Eigner weitgehend aus dem wenig profitablen Automobilgeschäft zurückziehen und sich auf die Sportwagenmarke Ferrari konzentrieren. Darum gehe es in den Gesprächen vor allem um Chrysler, berichtete das Magazin. Doch die profitablen Amerikaner sind derzeit die Lebensversicherung von Fiat. Einen Verkauf müssten sich die Italiener teuer bezahlen lassen.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Jeder sagt Irrsin, wenn Piech seine neuen Projekte startet. Aber am Ende ist der Irrsin nur in den Augen von den Menschen zu sehen, die vorher genau wußte, warum es schief gehen mußte.

    Und die mal wieder voll daneben lagen.

  • Solche irrsinnigen Übernahmen und Übernahme-Pläne in der globalen Wirtschaft kommen immer am Ende eines langen Börsen-Hochs und sind ein sicheres Indiz für eine "Blase". Das war vor dem Crash 2008 so und wird auch diesmal so passieren. Wenn VW sich wirklich Fiat antun will, dann gibt es bessere Strategien als jetzt zu deutlich überteuerten Preisen zu kaufen: Entweder einfach den nächsten Wirtschafts-Crash mit einhergehendem globalen Nachfrage-Einbruch bei den PKW-Herstellern abwarten und dann zu viel niedrigerem Preis kaufen. Oder einfach gar nichts tun und einfach zuschauen, wie Fiat im Rahmen der Branchen-Konsolidierung das gleiche Schicksal erleiden wird wie die französichen Hersteller. In ein paar Jahren werden die Fiat Eigentümer-Familien zusammen mit dem italienischen Staat betteln, dass jemand den Laden übernimmt für einen symbolischen Kaufpreis, um vielleicht ein paar Arbeitsplätze und die Marke zu erhalten. By the way: Aktuell hat VW auch ganz andere strategische Herausforderungen zu meistern für die Zukunft: Wenn sie den "Elektro-Markt" verschlafen, könnte es auch für VW ein böses Erwachen geben. Eine Fiat-Übernahme jetzt würde viel zu viel Ressourcen binden, die für andere strategische Aufgaben fehlen...

  • Wolfsburg wird das 2. Detroit ... wenn niemand diese größenwahnsinnige Altherren Riege im Konzernvorstand respektive AR stoppt. Adolf war dagegen geradezu ein Realist.
    Strategie 2018 ist tot, mausetot. Taisende Kunden dagegen beim Thema Steuerkettenriss im Stich gelassen. Umsatzrendite der Mutter VW magere 3%. So wird das nichts.

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