Nach Milliardenverlust
Dow-Chemical-Chef schreibt 2009 ab

Die weltweite Wirtschaftskrise hat den amerikanischen Chemieriesen Dow Chemical im vierten Quartal unerwartet tief in die roten Zahlen getrieben. Dow-Chef Andrew Liveris hat auch bereits das neue Jahr abgeschrieben: „Wir planen für eine globale Rezession im gesamten Jahr 2009.“

HB NEW YORK/FRANKFURT. Wie der größte US-Chemiekonzern am Dienstag mitteilte, lag der Nettoverlust im abgelaufenen Vierteljahr bei 1,55 Mrd. Dollar nach einem Gewinn von 472 Mio. Dollar vor Jahresfrist. Ohne Sonderposten betrug der Verlust je Aktie im vierten Quartal bei 0,62 Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte der BASF-Konkurrent noch einen Gewinn von 0,84 Dollar je Aktie erzielt. Im Gesamtjahr 2008 schrumpfte der Gewinn damit auf 579 Mio. Dollar. 2007 hatte Dow Chemical mit 2,89 Mrd. Dollar noch mehr als viermal so viel Gewinn erwirtschaftet.

Mit seinen Zahlen lag der in Midland im US-Bundesstaat Michigan ansässige Traditionskonzern deutlich unter den Schätzungen der Analysten, die im Schnitt mit einem Ergebnis je Aktie um die Nulllinie gerechnet hatten. Investoren reagierten entsprechend verschnupft: Der Aktienkurs sackte im außerbörslichen Handel 6,7 Prozent auf 10,31 Dollar ab. Der überraschend hohe Verlust des Konkurrenten zog auch den Kurs der BASF-Aktie nach unten. BASF-Papiere lagen zeitweise 3,2 Prozent im Minus.

Die Wirtschaftskrise hat die Chemiebranche inzwischen weltweit voll im Griff. In Deutschland erwartet der Chemiebranchenverband VCI für 2009 erstmals seit sieben Jahren einen Rückgang der Produktion. Die Autokrise, die schwache US-Bauwirtschaft und der Nachfrageschwund aus Teilen der Elektronikindustrie machen der Branche überall hart zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass Kunden erst ihre Lagerbestände abbauen, bevor sie Nachschub bestellen. Dow Chemical hatte in Reaktion auf den Wirtschaftseinbruch bereits den Abbau von weltweit 5000 seiner zuletzt rund 46 000 Stellen angekündigt. Zudem will Dow einige Werke an Standorten mit hohen Kosten schließen und Geschäftsteile verkaufen.

Der Umsatz schrumpfte im vierten Quartal um 23 Prozent auf 10,9 Mrd. Dollar. Der Absatz sei um 17 Prozent eingebrochen und in allen operativen Bereichen und in allen Regionen zurückgegangen. Damit kam das 1897 gegründete US-Unternehmen im Gesamtjahr 2008 auf einen Umsatz von 57,5 Mrd. Dollar - trotz des schwachen vierten Quartals ist dies immerhin noch ein Plus von sieben Prozent. Dow Chemical drosselte bereits in vielen Anlagen seine Produktion. Dies habe im vierten Quartal zu einer Auslastung von 64 Prozent geführt, was die niedrigste Rate seit mehr als 25 Jahren sei, erklärte das Management.

„Wir gehen davon aus, dass das Nachfrageniveau vom Jahresende 2008 für mehrere Quartale und womöglich noch darüber hinaus anhalten wird“, sagte Konzernchef Liveris. Im Basischemiegeschäft, das traditionell Konjunkturdämpfer am stärksten spürt, brachen die Erlöse im vierten Quartal um 39 Prozent ein. Mit Basiskunststoffen setzte Dow Chemical 38 Prozent weniger um. Allein die weniger konjunkturabhängige Landwirtschaftssparte des Konzerns konnte dem Wirtschaftseinbruch trotzen. Hier stiegen die Umsätze um zwei Prozent. Wie es um den weltweiten Branchenprimus BASF bestellt ist, dürfte am 26. Februar klarwerden. Dann legt der Ludwigshafener Konzern seine Bilanz für das Jahr 2008 vor.

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