Nach Mitsubishi-Desaster
Daimler steht vor Umbau im Vorstand

Der Stuttgarter Autokonzern steht vor einer wichtigen Personalentscheidung. In New York tagt der Aufsichtsrat.

bas/hz/po/tor NEW YORK. Eine Woche nach der Entscheidung zum Rückzug beim japanischen Partner Mitsubishi Motors (MMC) bahnt sich bei Daimler-Chrysler eine einschneidende Personalentscheidung an. Nach Handelsblatt-Informationen wird der Konzern vermutlich Konsequenzen im Führungszirkel ziehen. Branchenkenner rechnen damit, dass ein Vorstandsmitglied vorzeitig geht. Ein Sprecher von Daimler-Chrysler wollte die Information nicht kommentieren.

Darüber hinaus werde die Ernennung eines Stellvertreters für den Vorstandsvorsitzenden erwogen, was auch die Weichen für eine Nachfolge von Daimler-Chef Jürgen Schrempp stellen würde, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Heute tagt der Aufsichtsrat des Unternehmens in New York, um über die Konsequenzen aus dem brisanten Rückzug in Japan zu beraten.

Nach Einschätzung von Branchenkennern hat das Tauziehen um die Zukunft der japanischen Beteiligung Mitsubishi zu einem Zerwürfnis im Vorstand geführt. Schrempp fühle sich von Vorstandsmitgliedern hintergangen, die ihm zunächst die Unterstützung signalisiert hätten, bei der entscheidenden Abstimmung aber auf Distanz gegangen seien. „Deshalb ist die Abkehr von Mitsubishi deutlicher ausgefallen, als das ursprünglich geplant war“, sagte eine Person, die mit dem Vorgang vertraut ist.

Eine Ablösung von Schrempp von Seiten des Aufsichtsrats ist nach Ansicht von Experten vom Tisch, nachdem der Vorstandschef von der Arbeitnehmerbank demonstrativ Rückendeckung erhielt. Doch das Verhalten des Daimler-Chefs gibt Branchenkennern Rätsel auf. Ganz gegen seine Art war der sonst kampfeslustige Schrempp nach dem Votum für den brisanten Rückzugsplan bei MMC abgetaucht und nach China gereist. Bis heute hat sich Schrempp, mit dessen Namen die Strategie der Welt-AG mit Säulen in Nordamerika, Europa und Asien verbunden ist, mit keinem Wort zu dem Kurswechsel geäußert. Auch auf ein klärendes Wort von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wartete man bisher vergeblich.

Der Daimler-Chrysler-Chef will dem Aufsichtsrat heute seine neue Asienstrategie skizzieren. Das ist dringend nötig, denn das alte Konzept liegt in Trümmern: Außer dem Scherbenhaufen in Japan steht auch die Allianz mit dem zweiten asiatischen Schlüsselpartner, Hyundai, vor dem Scheitern. Der koreanische Kooperationspartner kündigte bereits an, die Zusammenarbeit deutlich herunterfahren zu wollen. Daimler prüft im Gegenzug ernsthaft, seine Beteiligung an Hyundai zu verkaufen. Neuer Schwerpunkt der Stuttgarter soll nun China werden – doch dort kommt Daimler als Spätstarter auf den Markt.

Fieberhaft hat sich Schrempp in den vergangenen Tagen um Fortschritte bei den geplanten Joint Ventures für die Fertigung von LKWs, Transportern und PKWs bemüht. Noch steht die Genehmigung für eine Machbarkeitsstudie aus, die als wichtiger Schritt zum Aufbau der Produktion gilt. Der Konzern rechnet fest damit, dass Peking bald grünes Licht gibt – möglicherweise bereits während des bevorstehenden Deutschlandsbesuchs von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao.

Kommt die Erlaubnis, will Mercedes von Ende 2005 an rund 25 000 Modelle der E- und C-Klasse in China herstellen. Über diese Pläne war es zum Bruch mit Hyundai gekommen, die Koreaner pochen auf eine exklusive Vereinbarung mit dem China-Partner von Mercedes. Die Stuttgarter dürfen in China nicht zurückstecken: Daimler startet mit erheblicher Verspätung im Wachstumsmarkt China und wird als einer von wenigen internationalen Herstellern noch längere Zeit mit dem Aufbau der Produktion vor Ort zu tun haben.

Die Zahlen für das erste Quartal des Konzerns, die heute noch vor der Aufsichtsratssitzung Finanzchef Manfred Gentz vorlegt, rücken in den Hintergrund. Der Konzern hat den Gewinn im ersten Quartal nach Schätzungen stabil gehalten. Auch Chrysler, der zweite Problemfall des Konzerns, werde operativ wieder schwarze Zahlen vorlegen, glauben Analysten.

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