Nach Preiserhöhung
HeidelbergCement toppt Ergebniserwartung

Der Baustoffhersteller HeidelbergCement hat im vergangenen Quartal Umsatz und Ergebnis deutlich verbessert. Zuvor hatte das Unternehmen auf breiter Front die Preise erhöht.
  • 0

StuttgartDer Baustoffhersteller HeidelbergCement hat die starke Zement-Nachfrage in Nordamerika und Asiens Boommärkten zu Preiserhöhungen genutzt und damit die lange Talfahrt der Ertragskraft vorerst gestoppt. Umsatz und Ergebnis stiegen im zweiten Quartal unerwartet kräftig, wie Deutschlands Branchenführer am Dienstag mitteilte.

Den Schwung will Vorstandschef Bernd Scheifele, der wegen höherer Löhne und steigender Energiekosten ein Kostensparpaket nach dem anderen auflegt, ausnutzen: Er kündigte die nächste Preisrunde in Schwellenländern wie Indonesien und Bangladesch sowie Australien und den USA an, wo die Geschäfte mit Zement als Grundstoff der Bauindustrie noch glänzend laufen. Damit will der energiehungrige Konzern, der viel Geld für das Brennen von Zement und den Transport ausgibt, wieder zu dem früher üblichen operativen Rendite-Niveau von mehr als 30 Prozent zurückkehren.

Weltweit verkauften die mit Cemex aus Mexiko, Lafarge aus Frankreich und Holcim aus der Schweiz konkurrierenden Heidelberger in den Monaten April bis Juni mit 24,5 Millionen Tonnen 3,5 Prozent mehr Zement und Klinker, der für die Härte von Beton sorgt. Vor allem die rege Bautätigkeit in den USA und Kanada sowie in Asien trieb den Absatz hoch, für Rückenwind beim Umsatz sorgten zudem vorteilhafte Wechselkurse durch die Euro-Schwäche. Die Erlöse legten weltweit um 11,4 Prozent auf 3,78 Milliarden Euro zu.

Das operative Ergebnis verbesserte sich um 7,1 Prozent auf 698 Millionen Euro. Netto wurden mit 159 Millionen Euro 16 Prozent als im Vorjahresquartal verdient, obwohl der Gewinn durch Abschreibungen im von der Staatsschuldenkrise geplagten Spanien in Höhe von 25,5 Millionen Euro belastet wurde.

Nach vielen Quartalen mit schrumpfenden Renditen im Kerngeschäft und verpufften Preiserhöhungen verbesserte sich damit die Marge bei Zement wieder und kletterte auf 25,7 Prozent. Er werde alles daran setzen, diese Entwicklung im zweiten Halbjahr fortzuschreiben, blies Scheifele zur Aufholjagd: Denn Ende 2010 hatte die operative Marge im Zementgeschäft noch bei 29,5 Prozent gelegen.

Angepeilt werden von Scheifele operative Renditen von 30 bis 33 Prozent, die derzeit nur im asiatischen Raum zu erzielen sind. In Westeuropa sinkt derzeit die Zementnachfrage, Großbritannien und die südeuropäischen Schuldenstaaten stecken in der Rezession.

Um die Kostensteigerungen durch die energieintensive Zementproduktion und die in Schwellenländern stark steigenden Löhne zu bändigen, setzt der Vorstand außer auf höhere Verkaufspreise auf weitere Kostensenkungen, etwa bei den jährlich mit zwei Milliarden Euro veranschlagten Logistikausgaben: Durch die Zentralisierung des Versands und die Bündelung des Einkauf von Transportbeton-Fahrzeugen will Scheifele Einsparungen von mindestens 150 Millionen Euro aus dem Betrieb herausquetschen. Zudem soll eine gezielte Schulung der Verkäufer und die Koppelung der Vertriebsgehälter an die Margenziele für auskömmlichere Lieferverträge sorgen.

Für das zweite Geschäftshalbjahr, das verstärkt im Zeichen der Euro-Schuldenkrise und schwächeren Wachstums in Nordamerika stehen dürfte, sieht der seit 2005 an der Vorstandsspitze stehende Scheifele den Konzern gut gerüstet: "Das Ergebnis des zweiten Quartals bestärkt uns in unserem Ausblick für das Jahr 2012." Bei Umsatz und Ergebnis seien im Vergleich zum Vorjahr Zuwächse drin. 2011 hatte HeidelbergCement mit rund 52.500 Beschäftigten 12,9 Milliarden Euro erlöst und operativ vor Abschreibungen 2,3 Milliarden Euro verdient.

Auch der Entschuldungskurs werde fortgesetzt, versprachen Scheifele und Finanzvorstand Lorenz Näger. Die zuletzt noch bei 8,12 Milliarden Euro liegende Netto-Verschuldung werde am Jahresende geringer ausfallen, Mittelfristziel seien 6,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig muss der Vorstand die kapitalintensive Expansion in aufstrebenden Absatzmärkten wie Burkina Faso, Indien oder Kasachstan vorantreiben, denn dort stecken die größten Wachstumschancen. Angesichts dieses Spagats wolle HeidelbergCement "das Geld zusammenhalten", wie Vorstandschef Scheifele auch mit Blick auf die unsichere Lage in der Euro-Zone sagte.

Finanziell könne das Unternehmen einen Zeitraum von 24 Monaten ohne Zugang zu den Kapital- und Finanzmärkten durchstehen. Sogar für den Zusammenbruch der Euro-Zone oder den Austritt Griechenlands sieht sich der Konzern gerüstet: Verschuldet hat sich HeidelbergCement zu 80 Prozent in Euro, 90 Prozent der Erträge werden jedoch in anderen Währungen erwirtschaftet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Preiserhöhung: HeidelbergCement toppt Ergebniserwartung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%