Nach Rekordjahr
SGL rechnet mit Rückschlag

Der Kohlenstoff-Spezialist SGL Group stellt sich nach Rekordergebnissen 2008 auf ein rückläufiges Geschäft im laufenden Jahr ein. Dennoch rechnet das Unternehmen nach dem Einstieg von Quandt-Erbin Susann Klatten mit einem Gewinn.

FRANKFURT. SGL-Chef Robert Koehler will sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen. „Ich bin nicht so pessimistisch, wie es aus allen Ecken tönt“, sagte er gestern bei der Bilanzvorlage für das vergangene Jahr. Kurzfristig gebe es einige Probleme zu beheben, mittelfristig werde die Nachfrage nach Stahl und Aluminium aber anziehen. Die Industriezweige gehören zu den wichtigsten Kundengruppen für den Kohlenstoffspezialisten aus Wiesbaden, der diese mit Kathoden und Elektroden beliefert. Die Stahl- und Aluminiumhersteller haben ihre Produktion wegen der schwachen Nachfrage um rund ein Drittel reduziert.

Der Einbruch bei den Metallproduzenten trifft die SGL-Gruppe, die für das laufende Geschäftsjahr einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis erwartet. Als Reaktion auf den eingetrübten Ausblick fährt SGL die Produktion zurück und schickt mehrere Hundert seiner insgesamt 6 500 Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Im begrenzten Umfang soll es einen Stellenabbau in den USA und Großbritannien geben, wie Finanzchef Jürgen Muth sagte.

Stabilität gewinnt SGL durch den Einstieg der Milliardärin Susanne Klatten, die ihre Beteiligung von acht Prozent auf knapp 25 Prozent erhöhen will. Der Konzern erhält damit den lange erhofften Ankeraktionär und schirmt sich gegen eine Übernahme ab. Mit Voith und LBBW sind bereits zwei Großaktionäre mit jeweils rund fünf Prozent engagiert. Es gebe daher keinen Anlass, einen weiteren Großaktionär zu suchen, sagte Koehler dem Handelsblatt. Neben Skion, der Beteiligungsgesellschaft von Klatten, hatte SGL mit weiteren möglichen Finanziers Kontakt aufgenommen. Interesse hatten auch Unternehmen aus dem Kundenkreis, etwa Aluminium-Hersteller. Das Risiko hierbei wäre allerdings gewesen, dass diese nur an Teilen interessiert sind und SGL zerschlagen.

Trotz eines Rekordgewinns will SGL wegen der verhaltenen Geschäftsaussichten weiterhin keine Dividende an die Aktionäre ausschütten. „Der Aufsichtsrat hat gestern auf seiner Sitzung der Empfehlung zugestimmt, für 2008 keine Dividende zu zahlen“, sagte Koehler. Es werde keine Ausschüttung zu Lasten des operativen Cash-Flows geben. Im vergangenen Jahr war der Umsatz um 17 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro und der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 18 Prozent auf 306 Mio. Euro geklettert. Der operative Cash-Flow lag allerdings wegen Investitionen unter anderem in den Werksbau in Malaysia bei minus 36 Mio. Euro.

Mit Ausgaben für neue Werke sowie für Forschung und Entwicklung will die Gruppe die Grundlage für künftiges Wachstum schaffen. Koehler legt große Hoffnungen darauf, dass Kohlenstoff verstärkt in der Automobil- und Luftfahrtindustrie eingesetzt wird. Das Material ist leichter als Stahl und Aluminium und hilft damit, den Energieverbrauch zu vermindern. Der Umsatz mit der Autoindustrie solle sich innerhalb von zehn Jahren auf drei Mrd. Euro verzehnfachen, sagte Koehler. Impulse verspricht er sich auch von der Windbranche, für die SGL Rotorblätter fertigt. Koehler bestätigte daher seine mittelfristigen Ziele. Der Umsatz soll demnach um acht bis zehn Prozent pro Jahr steigen.

Zuvor gilt es aber, die Rezession zu meistern. Nachdem die von vielen Unternehmen erwartete Erholung zum Ende des ersten Quartals ausgeblieben ist, rechnet Koehler nun für die zweiten Jahreshälfte mit einem Anziehen des Geschäfts. Der Abbau der Lagerbestände, der unter anderem für den Nachfragerückgang verantwortlich ist, komme langsam zu einem Ende, sagte Koehler. In China sehe er erste Anzeichen für eine Erholung bei der Stahlnachfrage. Impulse verspricht sich der SGL-Chef von den weltweit aufgelegten Investitionsprogrammen.

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