Nach Rettungskampf
VW-Werk Brüssel mit „guter Perspektive“

Monatelang wurde um das Überleben des Volkswagen-Werks Brüssel gekämpft, jetzt haben sich Konzern und Betriebsrat geeinigt: Das Werk ist gerettet und soll eine der leistungsfähigsten und modernsten Fertigungsstätten des VW-Konzerns werden. Um den Standort zu sichern, mussten die Arbeitgebervertreter allerdings einige Zugeständnisse machen.

HB WOLFSBURG/BRÜSSEL. Die Einschnitte seien zwar hart, die Zukunft des Standortes sei aber nun gesichert, sagte der Generalsekretär des Europäischen Konzernbetriebsrats von VW, Michael Riffel, in Wolfsburg. Der Konzern habe unter anderem Zusagen über eine Beschäftigungsgarantie bis 2010 für 2200 Beschäftigte gegeben. Dazu könnten noch einmal 800 Jobs bei Zulieferern kommen. 3200 Stellen sind gestrichen worden. Die VW-Tochter Audi und die belgischen Gewerkschaften hätten sich auf eine entsprechende Vereinbarung zur Zukunft des Werks verständigt, sagte Riffel. Ein noch notwendiger Tarifvertrag solle innerhalb des ersten Halbjahres 2007 unter Dach und Fach gebracht werden.

Nach dem angekündigten Abzug der Golf-Produktion aus Brüssel im November 2006 drohte die Gefahr einer Werksschließung. In dem Werk wird aber nun von 2009 an ein neuer Audi-Kleinwagen gebaut. In diesem Jahr sollen in Brüssel 84 000 Fahrzeuge gefertigt werden - 46 000 Polo, 24 000 Golf und 14 000 Audi A 3. Nach dem Ende der Fertigung des Golf, der künftig nur noch in Wolfsburg und Zwickau gebaut wird, sollen 2008 in Brüssel 46 000 Polo und 38 000 A 3 produziert werden, wie auch 2009. Der neue Audi-Kleinwagen A1 laufe Ende 2009 an, hieß es.

Für den Erhalt des belgischen Werks werden Polo-Kapazitäten vom Werk Bratislava in der Slowakei nach Brüssel verlegt. Am Montag will die VW-Tochter Audi Einzelheiten zur Einigung mit den Gewerkschaften bekannt geben. Konzernchef Martin Winterkorn sagte am Freitag, Brüssel solle eine der leistungsfähigsten und modernsten Fertigungsstätten des gesamten Konzerns werden. Die Kosten im Werk sollen der Vereinbarung zwischen Audi und den Arbeitnehmervertretern zufolge um 20 Prozent gesenkt werden. Audi will dazu vor allem die Arbeitszeit von derzeit 35 auf 38 Stunden erhöhen. Die belgischen Gewerkschaften wollten aber noch Alternativen zur Arbeitszeitverlängerung prüfen, sagte der Chef der belgischen Gewerkschaft ABVV, Jan van der Poorten. „Wir haben für die 35-Stunden-Woche lange gekämpft.“

Van der Poorten sagte, bisher hätten rund 2 300 Beschäftigte in Brüssel Aufhebungsverträge unterschrieben. Die Spanne der Abfindungen liege je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit und früherem Einkommen zwischen 29 000 und knapp 200 000 Euro. Dies sei für belgische Verhältnisse sehr hoch. Außerdem gehen rund 900 Beschäftigte des Werks Brüssel in Vorruhestand.

Die Arbeitnehmervertreter könnten sich mit der jetzigen Lage grundsätzlich abfinden, sagte Vanderpoorten. „Zufrieden kann man bei einer Umstrukturierung aber nie sein.“ Unter den im Werk verbliebenen Beschäftigten herrsche eine „kühle Stimmung“. Im Werk gibt es insgesamt sieben Gewerkschaften, die ABVV ist die größte Einzelgewerkschaft.

Riffel kritisierte, der frühere Chef der Konzern-Kernmarke VW, Wolfgang Bernhard, habe das Werk Brüssel schließen wollen. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der neue Vorstandschef Martin Winterkorn hätten sich aber auf Intervention von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch Präsident des Europäischen Konzernbetriebsrats ist, für den Erhalt stark gemacht. Der Kampf um Brüssel habe auch gezeigt, dass es unter den VW-Betriebsräten sowie den Beschäftigten über Landesgrenzen hinweg Solidarität gebe. Der im Herbst 2006 für die westdeutschen VW-Werke abgeschlossene neue Tarifvertrag, der die Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöhte, gehe nicht zu Lasten von ausländischen Standorten.

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