Nach roten Zahlen: Nordex will 2012 die Trendwende schaffen

Nach roten Zahlen
Nordex will 2012 die Trendwende schaffen

Nordex steht stellvertretend für Europas Windkonzerne. Diese haben ein schweres Jahr hinter sich, die asiatische Konkurrenz macht Druck. Nach roten Zahlen will Nordex jetzt mit Windparks an Land die Trendwende schaffen.
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HamburgDie Windenenergiebranche steht vor einer Konsolidierungswelle. Sinkende Preise und die wachsende Konkurrenz asiatischer Hersteller und Zulieferer machen Druck. Zudem ist für die nächsten Jahre ein langsameres Wachstum vorhergesagt. Kostensenkung und Kooperationen sind bei den europäischen Windunternehmen unausweichlich.

Der deutsche Windturbinenhersteller Nordex hat das im vergangenen Jahr zu spüren bekommen. Am Montag hat das Unternehmen in Frankfurt seine Bilanz vorgestellt. Dabei musste der neue Vorstandsvorsitzende Jürgen Zeschky einen Fehlbetrag vermelden. 10,3 Millionen Euro beträgt das Minus beim operativen Ergebnis (Ebit) vor Zinsen, Steuern und Einmaleffekten im Jahr 2011.

Ein Jahr zuvor hatte Nordex noch einen operativen Gewinn von 40,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Einmalaufwendungen von 13,1 Millionen Euro sind auf ein Sparprogramm zurückzuführen, dass das Unternehmen im dritten Quartal gestartet hatte. Es beinhaltet unter anderem die Senkung der Personalkosten. Mehr als 250 Stellen wurden gestrichen. Außerdem musste Nordex einen Sondereffekt von 6,3 Millionen Euro für nicht aktivierte Entwicklungsaufgaben für eine Offshore-Turbine hinnehmen.

Überhaupt setzt der Windturbinenhersteller auf Onshore-Anlagen. Seine Offshore-Aktivitäten will Nordex in ein Joint Venture einbringen - die Verhandlungen laufen. Das Risiko, dass Windparks im Meer eher Verlust- als Gewinnbringer sind, soll so verringert werden. Im vergangenen Jahr mussten bereits viele Installationen verschoben werden.

Hier zeichnet sich offenbar eine Partnerschaft mit einem der Großen in der Branche ab, dessen Namen Zeschky nicht nennen wollte. Nordex verhandelt derzeit ausschließlich mit diesem potenziellen Partner. Dabei will Zeschky in naher Zukunft zu Ergebnissen kommen. Ende des Jahres 2012 sei ihm zu spät, sagte Zeschky, auch wenn er keine Frist setzen wolle. Das Geschäft mit Windparks an Land läuft dagegen gut.

Der Auftragseingang erhöhte sich 2011 insgesamt um 32 Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Und der Trend in Europa zur Windenergie lässt die Orderbücher des Hamburger Turbinenbauers weiter anschwellen. Nach einem Auftragsbestand von 700 Millionen Euro (Vorjahr: 411) zum Jahresende legten die Bestellungen im ersten Quartal um 84 Prozent auf 284 Millionen Euro zu, wie Nordex am Montag mitteilte.

Die gut gefüllten Bücher stimmen Firmenchef Zeschky zuversichtlich, 2012 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen zu schaffen. Zudem habe Nordex seine Hausaufgaben gemacht und an der Kostenschraube gedreht, um so den Preisdruck abzumindern. Die Zukunft des Unternehmens sieht das Management in Osteuropa, besonders aus Polen kämen ermutigende Signale, hieß es.

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  • Firmen wie Nordex sind im internationalen Vergleich zu klein um ihre Selbständigkeit zu bewahren. Sie werden früher oder später in einer M&A Transaktion von einem großen Konzern "geschluckt"(wenn sie Glück haben.)
    Da die meisten dieser Firmen einen technischen Hintergrund besitzen bleibt die kaufmännische Bereich -Strategische Ausrichtung der Schwachpunkt.
    Nachdem nun die Chinesen neben Siemens auf den europäischen Markt drängen wird es für solche "Nischenanbieter" (was Output und Kapitalausstattung betrifft sehr schwer).
    Ausländische/aussereuropäische Märkte sind für solche Firmen aufgrund ihrer Kapitalausstattung und ihrer (strukturellen) Vertriebsschwäche mit einem zu großen Risiko behaftet.

  • Es gibt weder in Europa noch sonstwo auf der Welt einen "Trend zur Windenergie". Vielmehr gibt es den Trend, Investitionsmittel dorthin zu steuern, wo Subventionen abgegriffen werden können. Allein das ist der Grund, warum derzeit überhaupt Unternehmen daran denken, Geld in Windparks zu stecken. Werden die Subventionen gestrichen, sind all die teuren Anlagen nicht mehr als Edelschrott.
    Bei dieser Gelegenheit sollte man daran denken, daß die häufig beschworene 20-jährige Lizenz zum Abkassieren (genannt "Garantie") nicht gibt. Es wurden m.E. verfassungswidrige Gesetze beschlossen, die ein Unternehmen A verpflichten, einem Unternehmen B zu völlig überhöhten Preisen und zufälligen Zeiten eine nicht benötigte Leistung abzukaufen. Der nächste Bundestag kann so ein Gesetz sofort kassieren, einen Vertrauensschutz gibt es nicht. Damit ist jede Investitionsrechnung sofort hinfällig.

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