Nach schwachem Umsatzplus will der Mannheimer Versorger die Expansion wieder fortsetzen
MVV Energie sammelt Kraft für neue Zukäufe

Nach einer aggressiven Expansion in den Vorjahren ist die MVV Energie AG im Geschäftsjahr 2002/03 (zum 30. September) fast gar nicht gewachsen. Der Umsatz habe sich um 1 % auf knapp 1,7 Mrd. Euro erhöht, teilte der Mannheimer Versorger gestern mit. Damit verfehlte Deutschlands einziges börsennotiertes Stadtwerk seine eigene Prognose, die es bereits im August abgesenkt hatte, erneut.

juf DÜSSELDORF. Die MVV werde ihren Wachstumskurs aber fortsetzen, stellte Vorstandschef Rudolf Schulten klar. Sein Unternehmen habe nach wie vor Zukäufe im Blick und biete beispielsweise um die Stadtwerke Kiel mit. Man habe hierfür einen Spielraum von „mehreren hundert Millionen Euro“. „Das ist eine ordentliche Kriegskasse“, betonte Schulten.

In den Vorjahren hatte sich die MVV unter anderem an den Stadtwerken Solingen, Ingolstadt und Offenbach beteiligt und war gemessen am Stromabsatz zur Nummer fünf hinter den Branchenriesen Eon, RWE, Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall Europe aufgestiegen. Seit dem Börsengang 1999 hatte sich der Umsatz vervierfacht, noch 2001/02 war er um über 40 % geklettert.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr war der MVV aber kein spektakulärer Zukauf gelungen. Vergeblich nahm sie unter anderem an der Ausschreibung der Eon-Tochter Gelsenwasser teil. Hinzu kommen Probleme im Großhandelsgeschäft. Der Stromhandelsabsatz verringerte sich um 45 %. Die MVV hatte deshalb bereits im August ihre Umsatzprognose auf 1,75 Mrd. Euro verringert. Ursprünglich wollte sie die Marke von 2 Mrd. Euro knacken.

Die MVV werde sich bei ihrem künftigen Wachstum „noch stärker“ auf das Kerngeschäft Strom, Gas, Wasser, Fernwärme und Biomasse konzentrieren, sagte Schulten, der zum 1. Oktober den langjährigen Vorstandschef Roland Hartung abgelöst hat. Das Portfolio solle um „vorhandene Risiken“ bereinigt werden. Als Sorgenkind gilt beispielsweise die Tochter Powerline. Während die meisten Konkurrenten das Projekt „Internet aus der Steckdose“ wieder aufgegeben haben, hat die MVV daran festgehalten – bislang erfolglos. 2002/03 musste sie für Powerline eine Abschreibung von 2 Mill. Euro und einen Verlust von 5 Mill. Euro hinnehmen.

Steigender Jahresüberschuss

Schulten will auch die Struktur des Unternehmens erneuern. „Wir sind heute noch wie ein Stadtwerk organisiert, wir brauchen aber eine Konzernorganisation“, sagte er. Gemeinsam mit Unternehmensberatern mache die MVV derzeit eine „strategische Bestandsaufnahme“. Sie soll nach Schultens Worten bis Ende März abgeschlossen sein.

Im Gegensatz zum Umsatz fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach Angaben des Unternehmens wie erwartet aus. Bereinigt um Sondereffekte erhöhte es sich um 6 % auf 121 Mill. Euro. Der Jahresüberschuss stieg um 9 % auf 25 Mill. Euro. „Das ist ein gutes Fundament für weiteres Wachstum“. Eine konkrete Prognose für das laufende Geschäftsjahr wollte Schulten aber nicht abgeben. Dies sei erst nach der Bestandsaufnahme im Frühjahr möglich.

„Die Zahlen liegen weitgehend im Rahmen der Erwartungen“, sagte Analyst Ingo Becker von Julius Baer Brokerage. Frank Schwope von der NordLB zeigte sich dagegen etwas enttäuscht. Ebit und Jahresüberschuss seien durch Sonderbelastungen stärker gedrückt worden als erwartet, sagte er.

Die Aktie des Unternehmens legte allerdings um fast 1 % zu. Die MVV Energie AG gehört derzeit noch zu 73 % der Stadt Mannheim, 15 % der Aktien hält die Ruhrgas und 12 % sind in Streubesitz. Der verschobene zweite Gang an die Börse steht derzeit nicht auf der Tagesordnung. Eine Zweitplatzierung der Aktien werde erst erwogen, wenn die MVV eine „neue Story“ bieten könne, sagte Schulten. Dem Konzern müsse es beispielsweise gelingen, wieder bedeutende Beteiligungen an Stadtwerken zu erwerben.

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