Nach Siemens-Niederlage im Bieterwettstreit
Großaktionär und Paris feilschen um Alstom-Anteile

Der französische Staat will selbst bei Alstom einsteigen, Siemens ist raus. Doch Frankreichs Regierung bietet Hauptaktionär Bouygues zu wenig. Die Gespräche seien derzeit „blockiert“, heißt es in Paris.
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ParisDie Verhandlungen über einen Einstieg des französischen Staates mit 20 Prozent beim Energie- und Transportkonzern Alstom haben sich am Samstag schwierig gestaltet. Wie aus informierten Kreisen in Paris verlautete, bestand Uneinigkeit zwischen der Regierung und dem bisherigen Hauptaktionär Bouygues über den Preis der Anteile. Die Gespräche seien derzeit „blockiert“.

Frankreich will zwei Drittel der Anteile des Mischkonzerns Bouygues an Alstom übernehmen. Nach unbestätigten Informationen will der Staat 28 Euro pro Aktie bezahlen, den Wert bei Handelsschluss am Freitag. Damit müsste Paris über 1,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Bouygues soll aber 35 Euro verlangen, dann kämen über 2,1 Milliarden Euro als Kaufsumme für den 20-Prozent-Anteil auf den Staatshaushalt zu..

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte am Freitag angekündigt, dass Paris in einer Allianz mit dem US-Konzern General Electric (GE) mit 20 Prozent bei Alstom einsteigen werde. Dafür werde der Staat zwei Drittel des 29,4-Prozent-Anteils von Bouygues kaufen.

Damit ist der deutsche Siemens-Konzern aus dem Bieterrennen. Zusammen mit dem japanischen Verbündeten Mitsubishi Heavy Industries (MHI) hatte Siemens zuletzt 8,2 Milliarden Euro für Teile von Alstom geboten. Der Münchner Konzern wollte das Gasturbinen-Geschäft für 4,3 Milliarden Euro komplett übernehmen, in den Bereichen Dampf, Energienetze und Wasserkraft wollte Mitsubishi 40 Prozent an einer Holding mit Alstom.

Auch der US-Konzern General Electric (GE) hatte sein Angebot noch zuletzt nachgebessert und insbesondere drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom als gleichrangigem Anteilseigner im Energiebereich angeboten. GE hatte für die komplette Energiesparte ursprünglich 12,35 Milliarden Euro geboten.

MHI bedauerte am Samstag in einer Stellungnahme die Entscheidung der französischen Regierung. Sie hatte sich am Vorabend für das Angebot von GE ausgesprochen und die deutsch-japanische Allianz damit vom Platz geschickt. Mitsubishi wolle jedoch auch weiterhin seine Beziehungen zu Frankreich und französischen Industriepartnern in der Zukunft entwickeln, erklärte der japanische Mischkonzern.

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Siemens äußert „Verständnis“

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