Nach Tata-Deal
Thyssen-Krupp sammelt 1,4 Milliarden Euro ein – auch bei Cevian

Thyssen-Krupp hat nach der angekündigten Fusion der Stahlsparte mit Tata eine Kapitalerhöhung durchgezogen. 56,6 Millionen Aktien haben einen Besitzer gefunden. Ein Großaktionär macht mit, doch die Krupp-Stiftung nicht.
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EssenDer Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp hat sich nach der Einigung auf eine Fusion der Stahlsparte mit der indischen Tata Steel mehr als eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt besorgt. Durch die Platzierung von knapp 56,6 Millionen neuer Aktien fließen dem Unternehmen brutto rund 1,4 Milliarden Euro zu, wie aus einer am späten Montagabend veröffentlichten Mitteilung des Konzerns hervorgeht.

Der Preis habe bei 24,30 Euro je Stück gelegen, hieß es weiter. Händlern zufolge wurden die Papiere damit am unteren Ende der Spanne veräußert. Der Schlusskurs im Xetra-Handel am Montag lag bei 24,70 Euro. Begleitet wurde die Transaktion von BNP Paribas, Commerzbank und JP Morgan Securities.

Die Kapitalerhöhung folge „auf wesentliche strategische Weichenstellungen der vergangenen Monate“, hatte es in einer Mitteilung zur Ankündigung der Maßnahme geheißen. Man schaffe sich Spielraum für Wachstum im Industriegütergeschäft.

Der Finanzinvestor Cevian hat sich einem Insider zufolge an der Kapitalerhöhung von Thyssen-Krupp beteiligt, berichtete Reuters am Dienstagmittag. Der Großaktionär habe mitgezogen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Damit dürfte der Anteil in der Höhe von zuletzt rund 18 Prozent in etwa gleich geblieben sein.

Die Krupp-Stiftung hat sich an der Kapitalerhöhung dagegen nicht beteiligt. Dadurch sei ihr Anteil an dem Konzern auf rund 21 Prozent von zuvor rund 23 Prozent gefallen, teilte die Stiftung am Dienstag mit. Sie bleibt damit allerdings größter Einzelaktionär vor dem schwedischen Finanzinvestor.

Andere Käufer waren der Thyssen-Krupp-Mitteilung zufolge institutionelle Investoren. Der Aktienkurs des Unternehmens hatte im Anschluss an die erste Mitteilung zur Kapitalerhöhung um zwei Prozent nachgegeben, im Tagesverlauf drehte der Titel ins Plus und notierte am Mittag bei 24,74 Euro (+0,14 Prozent). „Die Kapitalerhöhung verbessert die bilanzielle Situation“, hieß es in einem Marktkommentar der DZ Bank. Ende des dritten Quartals habe die Eigenkapitalquote bei lediglich rund fünf Prozent gelegen. Diese sollte nun um rund 3,3 Prozentpunkte höher ausfallen. Die Nettofinanzschulden lagen zuletzt bei 6,3 Milliarden Euro.

Vergangene Woche hatte Thyssen-Krupp eine Einigung mit Tata Steel über eine Zusammenlegung der europäischen Stahlgeschäfte erzielt. An dem Gemeinschaftsunternehmen, das seinen Sitz in den Niederlanden haben soll, wollen beide Partner 50 Prozent halten. Bis Anfang 2018 soll der Deal perfekt sein. Thyssen-Krupp und Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten Synergien in Millionenhöhe - die erwarteten jährlichen Einsparungen bezifferte der Essener Konzern auf 400 bis 600 Millionen Euro.

„Bis sich die positiven Effekte aus der Transaktion auf unsere Bilanz auswirken, braucht es aber Zeit“, sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger nun mit Blick auf die Kapitalerhöhung. „Diese Zeit nutzen wir, um schon jetzt unsere Industriegütergeschäfte zu stärken.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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