Nach Unfalltod
Rethmann sucht neuen Chef intern

Nach dem Unfalltod des 61-jährigen Vorstandsvorsitzenden Hermann Niehues stellt das Familienunternehmen die Weichen im Management neu. Seine Führungspositionen sollen rasch neu besetzt werden. Die Kandidaten sollen aus dem Unternehmen kommen.

DÜSSELDORF. Einige Tage nach dem Unfalltod von Hermann Niehues, des Vorstandsvorsitzenden des Entsorgungs- und Logistikkonzerns Rethmann AG & Co KG, stellt das Familienunternehmen die Weichen im Management neu. "Wir werden bereits nächste Woche über die Neubesetzung der Führungspositionen in der Gruppe berichten, die bislang Hermann Niehues wahrgenommen hat", sagte ein Rethmann-Sprecher dem Handelsblatt. Die Positionen sollen intern besetzt werden. Niehaus war am Wochenende bei einem Reitunfall im Alter von 61 Jahren verunglückt. Er hinterlässt Frau und Tochter.

Niehues war nicht nur Vorstandschef der Holding, sondern saß auch den Aufsichtsräten der Töchter Saria und Remondis vor. Den Logistiker Rhenus führte Niehues als Vorstandsvorsitzender direkt. Die Rethmann-Gruppe erzielte 2007 in den drei Sparten Entsorgung (Remondis), Spedition und Logistik (Rhenus) sowie Tierkörperbeseitigung und Bioenergie (Saria) einen konsolidierten Umsatz von 7,2 Mrd. Euro, so der Sprecher. Beschäftigt werden 36 100 Mitarbeiter in 41 Ländern. Zur Ergebnisentwicklung macht das Familienunternehmen keine Angaben. Der Hauptsitz der Rethmann-Gruppe befindet sich am ehemaligen Stammsitz des Familienbetriebes im westfälischen Selm.

Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf Josef Rethmann zurück, der 1935 ein kleines Fuhrunternehmen in Selm kaufte. Mit vier Pferden und fünf Wagen wurde der Grundstein zu einem Weltunternehmen gelegt. 1961 übernahm sein Sohn Norbert Rethmann das Müllentsorgungsunternehmen mit zwölf Lastwagen und 28 Mitarbeitern. Mit dem Wohlstandsmüll wuchs auch das Unternehmen. Bereits 1982 wurde die erste Übersee-Niederlassung in Australien gegründet. Norbert Rethmann hat sich 1992 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Bis auf vier Prozent hat er seine Anteile an der Familienholding auf seine vier Söhne übertragen, die alle im Unternehmen zum Teil als Vorstände der Töchter tätig sind. Norbert Rethmann wohnt seit 1996 in Wamckow (Mecklenburg Vorpommern) auf dem 1870 gegründeten Gut Dessin, das er 1994 gekauft hatte. Er ist neben vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten seit 1999 auch Bürgermeister von Kobrow.

Niehues war seit 1978 bei Rethmann tätig gewesen, seit 1992 als Vorstandschef. Rethmann selbst übernahm damals den Vorsitz im Aufsichtsrat. Unter der Führung von Niehues legte der Konzern nach der Umstrukturierung in Sparten und Regionen ein enormes Wachstum hin. Der Umsatz belief sich damals auf 800 Mill. Mark. Rethmann erwarb 1993 das AIR Lippewerke Lünen von der VAW Aluminium mit einem Umsatz von 1,15 Mrd. DM. 1995 kamen die Soporga und SFM in Frankreich von der SKW Trostberg (Viag-Gruppe) unter das Dach der Saria. Schließlich wurde 1998 Rhenus von Stinnes erworben und 2004 die Mehrheit an der RWE Umwelt. Jüngster Groß-Coup war der Schrottverwerter TSR, den Rethmann 2006 mit zwei Partnern übernommen hat.

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