Nach Vioxx-Rücknahme
Erste Klage gegen Merck & Co

In den USA wurde eine erste Klage gegen den US-Pharmakonzern Merck & Co eingereicht, nachdem der US-Pharmakonzern Merck & Co sein Arthritis-Medikament Vioxx wegen des Risikos von Herz- und Schlaganfällen weltweit vom Markt genommen hat.

HB NEW YORK. Eine Anwaltskanzlei reichte die Klage am Donnerstag im Namen eines Klienten bei einem US-Bundesgericht in Oklahoma-City ein. Darin wird Merck vorgeworfen, die Öffentlichkeit und Gesundheitsdienstleister nicht über die Risiken von Vioxx informiert zu haben. Die Merck-Aktie brach nach der Ankündigung, das Medikament vom Markt zu nehmen, an der Wall Street zeitweise um rund 27 Prozent ein, wodurch der Pharmariese mehr als 25 Milliarden Dollar an Börsenwert verlor.

In der Klageschrift der Anwaltskanzlei hieß es weiter, Vioxx erhöhe das Risiko von Herzanfällen, Thrombosen und anderen Herz- und Kreislauferkrankungen, die zu schweren dauerhaften Schäden und zum Tod führen könnten. Merck hatte zuvor empfohlen, Patienten, die gegenwärtig Vioxx nehmen, sollten ihre Ärzte aufsuchen, um alternative Behandlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Eine Darmkrebsstudie habe nahe gelegt, dass das Medikament bei Patienten das Risiko für Schlaganfälle und Herzanfälle vergrößere, teilte Merck mit. Der Konzern bereitet sich nun auf eine mögliche Klagewelle vor. Vioxx ist ein so genannter Blockbuster mit Umsätzen von 2,55 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Analysten sprachen von einem schweren Schlag für Merck.

Eine Studie der US-Gesundheitsbehörde FDA war unlängst bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass bei Patienten, die Vioxx einnehmen, das Risiko für Herzanfälle um 50 Prozent höher sei, als bei solchen, die das vergleichbare Medikament Celebrex des Wettbewerbers Pfizer einnahmen. Die FDA kündigte aber nach der Rücknahme von Vioxx an, entsprechende Medikamente auch anderer Hersteller weiterhin zu prüfen. Insbesondere werde sich die Behörde mit den langfristigen Daten neuer Medikamente befassen.

Der Konkurrent Pfizer äußerte sich zuversichtlich, dass sein mit Vioxx konkurrierendes Mittel Celebrex auch langfristig sicher sei. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis prüft nach eigenen Angaben derzeit die Merck-Mitteilung zum Rückzug des Medikamentes Vioxx. „Wir prüfen die Ankündigung von Merck“, sagte ein Novartis-Sprecher. Zu einer weiteren Stellungnahme auch zu möglichen Auswirkungen auf das entsprechende Novartis-Mittel Prexige war er nicht bereit.

Vioxx wurde 1999 auf den Markt gebracht. Seitdem war das Medikament allein in den USA 91 Millionen Mal verschrieben worden. Zu möglichen Klagen, die nun auf den Konzern zukommen könnten, sagte Merck-Anwalt Kenneth Frazier, der Konzern werde sich „energisch“ verteidigen. Der Leverkusener Bayer-Konzern, der 2001 seinen Cholesterinsenker Lipobay vom Markt genommen hatte, musste bislang für außergerichtliche Vergleiche mit Klägern mehr als eine Milliarde Dollar aufwenden.

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