Fiat Chrysler bekommt ein Diesel-Problem

Nach VW-Abgas-Skandal
Fiat Chrysler bekommt ein Diesel-Problem

Nach Volkswagen droht auch Fiat Chrysler ein Rechtsstreit in den USA: Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft dem Autobauer vor, illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben. Die Aktie stürzte ab.
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Düsseldorf/WashingtonDie Einigung von Volkswagen mit dem US-Justizministerium war noch keine 24 Stunden alt, da wirft die amerikanische Umweltbehörde EPA dem nächsten Hersteller vor, illegale Schummelsoftware zu benutzen. Diesmal trifft es den italienisch-amerikanischen Autokonzern Fiat-Chrysler Automobiles (FCA).

Fiat-Chrysler habe von 2014 bis 2106 in rund 104.000 Dieselfahrzeugen illegale Abschalteinrichtungen verwendet, um den Stickoxidausstoß auf dem Teststand zu reduzieren. „Erneut hat ein großer Autohersteller die Regeln umgangen und ist erwischt worden“, sagte die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb. Die EPA und Carb arbeiten gemeinsam am Fall Fiat-Chrysler. Die beiden hatten bereits Volkswagen überführt und damit der milliardenschweren Einigung den Weg geebnet.

„Software, die sich auf die Emissionen der Automotoren auswirkt, nicht bekanntzumachen, ist ein ernst zu nehmender Gesetzesbruch, der zu schädlicher Verschmutzung der Luft, die wir atmen, führen kann“ sagte die EPA-Vertreterin Cynthia Giles. „Wir werden den Auswirkungen dieser Geräte weiter nachgehen. Alle Autohersteller müssen nach den gleichen Regeln spielen. Und wir werden weiterhin Unternehmen zur Verantwortung ziehen, die unfaire und illegale Wettbewerbsvorteile erlangen“, stellte Giles klar.

Bei Fiat-Chrysler sind weniger die italienischen Autos betroffen, sondern vielmehr die amerikanischen Modelle. Nach Angaben der US-Umweltbehörden sollen vor allem in den Modellen Jeep Grand Cherokee und Dodge Ram 1500 – ein großer SUV und ein Pick-up-Truck – der Modelljahre 2014 bis 2016 mit 3.0-Liter-Dieselmodellen eine Software zur Verschleierung der tatsächlichen Emissionen eingesetzt worden sein. Der EPA zufolge könnte eine Strafe von bis zu 44.539 US-Dollar je Auto drohen. Insgesamt wären das rund 4,63 Milliarden Dollar (4,34 Milliarden Euro).

Der Aktienkurs von FCA rauschte am Donnerstag nach Bekanntwerden der Vorwürfe nach unten. An der New Yorker Börse verlor der Kurs zwischenzeitlich mehr als 18 Prozent. Die Aktien wurden deshalb vom Handel ausgesetzt.

Nach dem milliardenschweren Schaden für Volkswagen gehen in der Branche sämtliche Alarmglocken an, sobald die Wörter Diesel und Emissionen fallen: Rebecca Lindland, Analystin des Auto-Spezialisten Kelly Blue Book, mahnt jedoch: „Es ist wichtig festzustellen, dass dies nicht exakt das Gleiche ist wie bei VW, aber jede Nennung von einem Rückruf im Zusammenhang mit Dieselmotoren und Emissionen wirft einen Schatten auf ein Unternehmen“, schreibt Lindland. „Wir werden abwarten und sehen müssen, was daraus wird.“ Aber zu diesem Zeitpunkt handele es sich nur um eine Untersuchung der Emissionen und nicht um vorsätzlichen Betrug bei FCA.

George Galliers von der Investmentbank Evercore Isi betont, dass der Fall von FCA nicht mit VW vergleichbar sei. „Die Vorwürfe hier scheinen sich auf die fehlende Offenlegung von Software zu beziehen, die Emissionen betrifft. Das ist nicht das Gleiche, wie wenn man angeklagt wird, ein Schummelgerät eingebaut zu haben“, kommentiert Galliers die Nachrichten aus den USA.

Fiat-Chrysler Automobiles, dessen Vorstandsvorsitzender Sergio Marchionne gerade erst in Detroit seine neuen Modelle feiern ließ, äußerte sich in einer Erklärung „enttäuscht“ von den Einschätzungen der EPA. Die Diesel-Wagen des Konzerns erfüllten alle behördlichen Anforderungen, betonte das Management.

„FCA US hat Monate damit verbracht, der EPA und anderen Regierungsbehörden große Mengen an Informationen zu liefern, und bei verschiedenen Gelegenheiten versucht, den EPA-Vertretern seine Kontrolltechnologien für Emissionen zu erklären“, schreibt das Unternehmen. Auch habe es verschiedene Lösungsansätze vorgeschlagen, um auf die Sorgen der EPA zu reagieren.

FCA US hoffe, sobald wie möglich die zuständige Abteilung der EPA zu treffen, „um zu zeigen, dass die Kontrollstrategien von FCA gerechtfertigt sind und keine ‚Schummel-Geräte‘ darstellen“, teilte das Unternehmen weiter mit.

Die EPA wies jedoch in einer Telefonkonferenz darauf hin, dass Fiat Chrysler bereits gegen das US-Luftreinhaltegesetz „Clean Air Act“ verstoßen habe, indem der Hersteller die zweifelhaften Programme bei der Zertifizierung der Autos verschwiegen habe. Allein dies könne schon Bußgelder und Strafen nach sich ziehen.

Im vergangenen Jahr hatte es auch in Europa Vorwürfe im Zusammenhang mit Abgaswerten bei Fiat gegeben. Diese hatten sich jedoch nicht offiziell bestätigt. Die jüngsten Vorwürfe aus den USA haben dagegen ein ganz anderes Kaliber.

Im September 2015 hatte die EPA Volkswagen erstmals öffentlich vorgeworfen, in großem Stil Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Dies stürzte VW in die tiefste Krise seiner Geschichte und führte zu enormen Kosten. Mittlerweile hat sich der Konzern mit Kunden, Autohändlern, Behörden und dem Justizministerium in den USA im Rahmen von Vergleichen auf Strafen und Entschädigungen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar geeinigt. Jedoch sind die Fälle bislang noch nicht direkt vergleichbar und haben unterschiedliche Größenordnungen – bei VW waren fast 600.000 US-Diesel betroffen.

Mit Material von dpa.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Wird Zeit das die EPA zurecht gestutzt wird. Diese Mafia Umweltbehörde hat viel zu viel zu sagen. Das gleiche gilt für das Deutsche Umweltministerium. Diese Ministerien sind die Totengräber unseres Wohlstand, unserer Volkswirtschaft. Trump wird die EPA erst einmal richtig durchmisten. Und das ist auch gut so!

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