Nach VW-Machtübernahme
MAN-Aktionäre entfesseln Rechtsstreit

Seit rund zwei Wochen hat VW bei MAN das Sagen, doch schon jetzt kündigt sich ein jahrelanger Rechtsstreit mit den Aktionären an. Ihre Forderung ist simpel: Sie wollen Geld – und zwar viel mehr als VW zahlen will.
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MünchenBeim Lastwagenbauer MAN beginnt zwei Wochen nach der Machtübernahme durch VW das juristische Tauziehen um den Umgang mit den Kleinaktionären. Weil bei der Hauptversammlung Anfang Juni Fragen nicht beantwortet worden seien, reichte eine Anwaltskanzlei aus Düsseldorf nach eigenen Angaben am Donnerstag Klage auf Auskunftserteilung beim Landgericht München ein. Zudem kündigte Jurist Peter Dreier an, die Höhe des Abfindungsangebots an die Kleinaktionäre, das „unangemessen niedrig“ sei, später „gesondert in einem Spruchverfahren prüfen lassen“ zu wollen. MAN lehnte eine Stellungnahme ab. Das Landgericht München wollte sich nicht äußern, weil noch keine Klage vorliege.

Bei der Hauptversammlung hatte sich der Wolfsburger VW-Konzern, der gut 75 Prozent der Anteile an MAN hält, mittels eines Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags den vollen Zugriff auf die Lkw-Tochter gesichert. Viele Aktionärsvertreter stellten dazu detaillierte Fragen; die Qualität der Antworten von MAN-Management und Aufsichtsrat wurde schon während der Veranstaltung bemängelt. Anwalt Dreier, dessen Kanzlei im Auftrag einer Börsenzeitschrift klagt, kritisierte, den Anteilseignern seien wichtige Auskünfte vorenthalten worden, etwa darüber, mit welchen Beträgen sie rechnen können, wenn sie ihre Aktien erst später verkauften.

VW bietet 80,89 Euro pro MAN-Papier – das ist nur etwas mehr als die 79,20 Euro, die der Autobauer mindestens zahlen muss, und weit weniger als die 95 Euro, die im Markt erwartet worden waren. „Wir wollen eine Erhöhung haben“, sagte Dreier und verwies auf die langfristig guten Perspektiven des Münchener Lkw-Konzerns. Angemessen seien „weit über 100 Euro, mindestens 110 Euro“. Sobald der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag ins Handelsregister eingetragen sei, „werden wir versuchen, das gerichtlich durchzusetzen“, kündigte Dreier an. Den Vertrag selber, mit dem VW sich die komplette Kontrolle über MAN sichert, will die Kanzlei nicht anfechten. Beide Seiten rechnen mit einem jahrelangen Rechtsstreit. MAN-Aufsichtsratschef und VW-Patriarch Ferdinand Piech hatte schon bei der Hauptversammlung gesagt: „Wir werden uns noch länger vor Gericht sehen, davon gehe ich aus.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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