Nach Warnhinweis
Ärzte wollen an MS-Mitteln festhalten

Etwa 130.000 Menschen in Deutschland leiden an Multipler-Sklerose, die wirksamsten Präparate zur Behandlung werden schon seit über 20 Jahren eingesetzt. Eine Warnung der Arzneimittelbehörde wird das nicht ändern.
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FrankfurtTrotz jüngster Warnhinweise der Arzneibehörden stehen Fachärzte weiter zu den seit Jahren eingesetzten Multiple-Sklerose-Präparaten. Die Bonner Arzneimittelbehörde BfArM hatte vergangene Woche auf möglichen Gefahren mehrerer Interferon-Arzneien gegen Multiple Sklerose (MS) aufmerksam gemacht.

Diese Meldungen seien kein Anlass, wirksame und gut verträgliche Therapien abzusetzen, teilte die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) am Donnerstag in Hannover mit. Die betreffenden Präparate würden seit mehr als 20 Jahren eingesetzt. Die Bewertung der Mittel ändere sich durch die Meldungen nicht, erklärte der ärztliche Beirat der DMSG.

Das BfArM hatte auf die mögliche Gefahr seltener schwerer Nierenschäden bei der MS-Behandlung mit Interferon-beta-Arzneien aufmerksam gemacht. In Deutschland sind derzeit fünf dieser Präparate zugelassen. Dazu zählen Betaferon von Bayer und Rebif des Darmstädter Pharmakonzerns Merck.

Betaferon war 2013 mit weltweiten Erlösen von 1,04 Milliarden Euro das zweitumsatzstärkste Medikament der Bayer-Pharmasparte. Rebif war 2013 mit 1,86 Milliarden Euro Umsatz die Top-Arznei von Merck. Auch Extavia des Schweizer Pharmariesen Novartis sowie die Mittel Plegridy und Avonex des US-Biochtechkonzerns Biogen Idec zählen dazu.

Das BfArM hatte Ärzte aufgefordert, künftig bei ihren MS-Patienten verstärkt auf Anzeichen für eine seltene thrombotische Mikroangiopathie (TMA) zu achten, die unter anderem durch Bluthochdruck, Fieber und schwere Nierenstörungen gekennzeichnet ist. Die DMSG rät nun ebenfalls zu regelmäßigen, mindestens halbjährlichen Kontrollen. Die DMSG vertritt die Interessen von Multiple-Sklerose-Patienten in Deutschland.

An der chronisch entzündlichen Erkrankung des Zentralnervensystems leiden hierzulande etwa 130.000 Menschen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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