Nach Zelnorm-Rückzug
Novartis muss Geschäftsprognose nach unten anpassen

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis muss das Darmmedikament Zelnorm wegen einem möglichen Zusammenhang mit Herzinfarkten und Schlaganfällen vorläufig vom US-Markt nehmen. Die von der US-Gesundheitsbehörde FDA geforderte Massnahme veranlasste das Basler Unternehmen, den Ausblick für das laufende Jahr zurückzuschrauben.

HB ZÜRICH. Nach Unternehmens-Angaben vom Freitag ersuchte die FDA den Basler Konzern, die Vermarktung und den Verkauf von Zelnorm auszusetzen, um weitere Gespräche zu Nutzen und Risiko des Medikaments zu führen. Novartis hofft auf eine erneute Vermarktung des Produkts, konnte aber zum Zeitrahmen keine Angaben machen.

Die FDA ist nach eigenen Angaben bereit, zu einem späteren Zeitpunkt eine begrenzte Wiedereinführung von Zelnorm zu prüfen. Voraussetzung sei allerdings, dass eine Bevölkerungsgruppe ermittelt werden könne, bei der der Nutzen des Medikaments die Risiken überwiege. Novartis ist nach eigenen Angaben weiterhin überzeugt, dass Zelnorm erheblichen Nutzen für Patienten mit Reizdarmsyndrom und Verstopfung bringt.

Der Rückzug des Medikaments wurde durch eine Analyse von klinischen Daten von mehr als 18.000 Patienten ausgelöst. Dabei zeigte sich eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit von ernsthaften und lebensbedrohlichen Herzkreislauf-Problemen bei Zelnorm-Patienten. Einer der 13 betroffenen Zelnorm-Patienten sei gestorben, so die FDA.

Zelnorm ist mit einem Umsatz von 561 Millionen Dollar in 2006 das zwölftgrösste Medikament von Novartis. Davon entfielen 488 Millionen Dollar auf die USA.

Der Umsatzausfall und die Kosten des Rückzugs von Zelnorm werden im Novartis-Abschluss 2007 Spuren hinterlassen. Neu sieht Novartis für den Konzern ein Wachstum des Nettoumsatzes in Lokalwährungen von über fünf Prozent. Die Pharmadivision dürfte beim prozentualen Umsatzwachstum auf einen kleinen bis mittleren einstelligen Wert kommen.

Bisher hatte Novartis auf Konzernebene mit einem Nettoumsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich gerechnet und für die Division Pharma ein solches im mittleren einstelligen Bereich erwartet.

Auch das operative Ergebnis und der Reingewinn dürften negativ beeinflusst werden, sagte Finanzchef Raymund Breu auf einer Telefonkonferenz. Das Ausmass müsse aber erst noch ermittelt werden.

Novartis habe die Möglichkeit, eigene Aktien zurückzukaufen, so Breu. Es sei aber noch offen, ob und wann das Unternehmen dies tue.

Mit Rückkäufen kann ein Unternehmen die Auswirkungen von negativen Nachrichten auf den Aktienkurs abfedern. An der Wall Street sanken die Novartis-Titel um 3,6 Prozent auf 54,80 Dollar.

Tim Anderson von Prudential Equity erklärte, der Ausfall von Zelnorm könnte Novartis 2007 rund zwei Prozent des Gewinns je Aktie kosten. Zudem bestehe das Risiko von Schadenersatzklagen. Bei einem Unternehmen von der Grösse von Novartis dürfte dies aber kaum ins Gewicht fallen. „Obwohl dies ein Rückschlag ist, denke ich nicht, dass dies Novartis in einem grossen Ausmass schaden wird, denn es handelt sich um ein solides Unternehmen“, sagte auch Shaojing Tong, Analyst bei Mehtda Partners.

Der Rückzug von Zelnorm ist ein weiterer Schlag für das Medikament, das 2002 in den USA die Marktzulassung erhielt und in über 50 weiteren Ländern auf dem Markt ist. 2004 wurde die Verpackung in den USA mit zusätzlichen Warnhinweisen versehen. In der Europäischen Union wurde das Medikament nie zugelassen.

Und auch bei einem anderen wichtigen Medikament stiess Novartis kürzlich auf Widerstand der FDA. So forderte die Arzneimittelbehörde FDA Ende Februar vor einer Zulassung weitere Daten zu dem möglichen Blockbuster-Medikament Galvus.

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