Nach Zwischenbilanz
Daimler distanziert sich von Chrysler

Trennt sich Daimler von Chrysler? Eine katastrophale Zwischenbilanz gepaart mit Aussagen eines Konzernvorstands haben entsprechende Spekulationen genährt. In der Stuttgarter Zentrale reagierte man sofort. Ein Unternehmenssprecher ließ noch in der Nacht zum Donnerstag wissen, es gebe keine Pläne gebe, Chrysler zu verkaufen. Zweifel an dieser Aussagen bleiben jedoch.

HB/hz FRANKFURT. Die Spekulationen über eine Trennung waren nach einer Telefonkonferenz am Mittwoch aufgekommen, in der Finanzvorstand Bodo Uebber gesagt hatte, das Unternehmen halte sich alle Optionen offen. Uebber hatte einen Verkauf von Chrysler ausdrücklich nicht ausgeschlossen, entsprechende Vermutungen jedoch als „Spekulation“ bezeichnet.

„Die geänderte Kommunikation zu Chrysler überrascht“, sagte ein Analyst als Reaktion auf die Aussagen des Daimler-Finanzvorstands. „Das erhöht den Druck auf Chrysler mächtig.“ Bislang habe der Automobilkonzern einen Verkauf von Chrysler immer ausgeschlossen – jetzt auf einmal nicht mehr.

„Ich halte einen Verkauf an einen anderen Konzern allerdings eher für ausgeschlossen, da Chrysler stark mit Mercedes verlinkt ist und ein potenzieller Chrysler-Käufer dann zu viel Know-How von Mercedes erhielte“, sagte der anderer Analyst. Die Erwartung gehe eher in Richtung einer Abtrennung, Ausgliederung oder eines separaten Listings von Chrysler.

Milliardenverlust bei Chrysler

Chrysler verzeichnete im dritten Quartal wie angekündigt einen Verlust von 1,16 Mrd. Euro. Der Milliardenverlust drückte den operativen Gewinn des Gesamtkonzerns auf 892 Mill. Euro, nach noch 1,83 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Aus seiner Unzufriedenheit mit der US-Tochter machte Finanzchef Uebber keinen Hehl. „Erst analysieren wir, dann sprechen wir über Maßnahmen, und dann ziehen wir unsere Schlüsse“, sagte er vieldeutig zur Zukunft von Chrysler.

Chrysler leidet unter Absatzschwierigkeiten und hohen Lagerbeständen, weil die US-Kunden wegen der gestiegenen Benzinpreise verstärkt kleinere und vergleichsweise verbrauchsarme Fahrzeuge nachfragen. Mehr als 70 Prozent der Chrysler-Modellpalette bestehen aus Sprit schluckenden Geländewagen, Pick-ups und Minivans. Chrysler habe die gewachsene Nachfrage nach kleineren, verbrauchsärmeren Autos nicht befriedigen können, räumte der Finanzchef ein. Der Marktanteil von Chrysler auf dem Heimatmarkt sei bis Ende September auf 11,2 Prozent von 12,8 Prozent vor Jahresfrist gesunken.

Der Konzern hatte wegen der Probleme in den USA bereits Mitte September die Märkte mit der Nachricht schockiert, seine Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr drastisch von 6 auf 5 Mrd. Euro zu kappen, nach einem operativen Ergebnis von 5,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Die von Konzernchef Dieter Zetsche bis zum Herbst 2005 geleitete US-Sparte wird danach in diesem Jahr rund 1 Mrd. Euro Verlust einfahren.

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