Nachbesserungen bei Mercedes
Daimler bildet massive Rückstellungen für Mängel

Knapp einen Monat nach Amtsantritt geht der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes die Qualitätsprobleme der Premiummarke frontal an und greift dafür tief in die Tasche. Wie aus dem jüngsten Zwischenbericht des Konzerns hervorgeht, nimmt Daimler- Chrysler derzeit zur Qualitätsverbesserung älterer Fahrzeuge mehr als 600 Mill. Euro in die Hand.

hz FRANKFURT/M. Die Rückstellungen für erwartete Aufwendungen des größten deutschen Industriekonzerns aus Produktgarantien von Fahrzeugen, die vor dem 1. Januar 2004 verkauft wurden, kletterten im dritten Quartal auf 572 Mill. Euro, nachdem lediglich 46 Mill. Euro im zweiten Quartal. Neben den Qualitätsproblemen bei Mercedes-Benz seien dafür Wechselkurseffekte und Rückstellungen für die japanische LKW-Tochter Fuso in Höhe von 405 Mill. Euro verantwortlich, sagte ein Konzernsprecher.

Der Konzern hatte bereits bei der Vorlage der Quartalszahlen angekündigt, seine Bemühungen zur Verbesserung der Qualität noch zu verstärken. Cordes werde alles daransetzen, die künftigen Modelle der Topmarke fehlerfrei einzuführen, betonte Finanzchef Manfred Gentz. Pannen hatten das Image der Marke zuletzt in Mitleidenschaft gezogen. Die finanziellen Belastungen durch diese Maßnahmen sollen sich auf dieses und das kommende Jahr beschränken.

Auch wegen der Qualitätsoffensive, bei der zudem mehr Geld in die Entwicklung und Erprobung neuer Autos gesteckt wird, war der Mercedes-Gewinn im dritten Quartal 2004 um mehr als 60 Prozent auf 304 Mill. Euro eingebrochen. Cordes, der erst am 1. Oktober den Spitzenposten von seinem Vorgänger Jürgen Hubbert übernahm, will aber nicht nur einen reibungslosen Start der neuen Modelle gewährleisten. Er will auch die Qualität der Fahrzeuge verbessern, die bereits auf den Straßen sind. Nach Informationen der „Stuttgarter Nachrichten“ werden Mercedes-Fahrzeuge, die in die Werkstatt gebracht werden, systematisch auf häufig auftauchende Probleme durchleuchtet – selbst wenn das Problem bisher gar nicht aufgetreten sei. Mercedes treibt ein ehrgeiziges Ziel: Die Marke mit dem Stern will in wenigen Jahren wieder einen Top-Platz in den Zuverlässigkeitsstatistiken erreichen.

Daimler hat seine Rücklagen für so genannte sonstige Risiken seit Jahresbeginn insgesamt um 1,8 Mrd. auf gut elf Mrd Euro erhöht. Ob damit nun alle Risiken abgedeckt wurden, ist jedoch ungewiss. Daimler darf nach US-GAAP nur Rückstellungen für bekannte und quantifizierbare Risiken bilden. Autoanalyst Stefan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg vermutet: „Da ist das letzte Wort vielleicht noch nicht gesprochen.“

Quelle: Handelsblatt

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