Nachfolge
Teyssen beerbt Eon-Chef Bernotat

Bei Deutschlands größtem Energiekonzern Eon hat künftig der "Sparkommissar" das Sagen: Nachfolger von Vorstandschef Wulf Bernotat wird im kommenden Jahr dessen bisheriger Stellvertreter Johannes Teyssen.

HB DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat der Eon AG bestellte am Montag den 49-jährigen Manager mit Wirkung zum 1. Mai 2010 zum Vorstandschef, teilte die Eon AG mit. Teyssen, der das Tagesgeschäft führt, ist unter anderem auch für das geplante Sparprogramm verantwortlich, mit dem der Düsseldorfer Konzern seine Kosten dauerhaft um 1,5 Mrd. Euro pro Jahr bis 2011 senken will. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi werden infolge des Sparprogramms gut 2000 Arbeitsplätze in Deutschland ausgegliedert oder gestrichen.

An diesem Dienstag beschäftigt sich der Aufsichtsrat dem Vernehmen nach mit dem seit längerem angestrebten Verkauf der Eon-Tochterfirma Thüga. Medienberichten zufolge soll sich Eon mit einem kommunalen Bieterkonsortium einig sein. Dabei ist die Rede von drei Mrd. Euro Kaufpreis. Eon wollte die Berichte nicht kommentieren. Das gilt auch für die Stadtwerke Hannover und die Nürnberger N-ergie, die angeblich zu den Interessenten gehören. Eon hat in der Stadtwerkeholding Thüga rund 110 Beteiligungen an Kommunalversorgern in 90 Städten gebündelt - zumeist allerdings Minderheitsanteile. Eon will sich bis 2010 von Beteiligungen in einem Gesamtvolumen von zehn Mrd. Euro trennen.

Der künftige Konzernchef Teyssen kennt den Konzern im Detail. Der promovierte Jurist ist bereits seit zwei Jahrzehnten für die Eon AG beziehungsweise für Vorgängergesellschaften tätig. Seit 2004 gehört er dem Vorstand an, seit 2008 ist er Stellvertreter von Vorstandschef Bernotat. Der Konzernchef hatte in der Hauptversammlung Anfang Mai mitgeteilt, dass er für eine Vertragsverlängerung über das Frühjahr 2010 hinaus nicht zur Verfügung stehe. Bernotat wird im kommenden Jahr 62 Jahre alt und will sich dann nach eigenen Aussagen neuen beruflichen Aufgaben stellen. Bernotat werde sich nach siebenjähriger Amtszeit auf der Hauptversammlung am 6. Mai 2010 von den Aktionären verabschieden, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens am Abend.

Nach Ansicht von Aktionärsschützern agieren Bernotat und Teyssen bereits seit längerem wie ein Doppelsitze. "Ich habe den Eindruck, dass es keine Differenzen gibt, sonst hätte das Problem Personalabbau jetzt nicht gelöst werden können", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, der dpa. Eine Nominierung von Teyssen für den Vorstandsvorsitz komme nicht überraschend. "Er sollte Bernotat entlasten. Da hat schon alles darauf hingedeutet, das wird der kommende starke Mann sein bei Eon", erläuterte Hechtfischer. Der Wechsel an der Konzernspitze erfolge unaufgeregt und geräuschlos.

Nach Angaben von Verdi werden durch das Sparprogramm des Konzerns rund 1000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen und weitere gut 1000 Arbeitsplätze des IT-Bereichs ausgelagert. Der Konzern selbst nennt keine Zahlen. Eon hat allein in Deutschland rund 40 000 Beschäftigte. Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaften haben sich darauf verständigt, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Das sieht ein am Wochenende veröffentlichtes Eckpunktepapier vor. Eon hatte im vergangenen Jahr einen bereinigten operativen Gewinn (EBIT) von knapp 9,9 Mrd. Euro erzielt. Der Nettogewinn sank wegen hoher Abschreibungen aber um 79 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro.

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