Nachfolgeregelungen sind für den 65-Jährigen Vorstandschef kein Thema
Firmengründer Fielmann regiert in seinem Konzern weiter allein

Beim führenden deutschen Augenoptikfilialisten, der Hamburger Fielmann AG, tut sich Unternehmensgründer und Vorstandschef Günther Fielmann schwer mit einer Nachfolgeregelung .

HAMBURG. „Ich fühle mich gut. Ich bin gesund und ich habe eine wichtige Aufgabe“, sagt Deutschlands Brillenkönig, der heute seinen 65. Geburtstag feiert. An die Übergabe des Vorstandsvorsitzes an einen familienfremden Manager und einen Wechsel in den Aufsichtsrat will der drahtige, grauhaarige Manager aber noch lange nicht denken. Denn sein Sohn Marc ist erst 15. Bis zu dessen Eintritt in das Unternehmen vergehen noch zehn bis 15 Jahre.

Derzeit steht Günther Fielmann vor mehreren Zäsuren. Denn der Manager, der weiterhin für Marketing und Vertrieb verantwortlich ist, muss sich auf ein neues Führungsteam einstellen. So hat sein engster Weggefährte und Vertrauter seit 23 Jahren, Hans-Joachim Oltersdorf, 66, kürzlich das Ruder als Finanzchef abgegeben und kümmert sich nur noch um die Immobilien. Es ist ein Abschied auf Raten. Seinen Posten übernahm Georg Alexander Zeiss, die Personalentwicklung wurde mit Emmanuel Siregar neu besetzt. Dabei müssen sich die neuen Vorstände aber auf einiges gefasst machen. Denn bei Fielmann ist Geduld nicht die hervorstechendste Eigenschaft.

Auch der Konzern mit 10000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund einer Milliarde steht vor dem Umbruch. Der Grund: seit der letzten Gesundheitsreform wurden die Kassenzuschüsse für Brillenfassungen gestrichen. Damit wurde sein bekanntester Werbespruch: ..und mein Papi hat keinen Pfennig dazu bezahlt“ obsolet.

Die Suche nach neuen Konzepten ist schwierig. Der Vertrag über eine im Juli angekündigte Brillenversicherung ist noch nicht unterschrieben. Dies ist für den sehr schnell auf den Markt reagierenden Fielmann ungewöhnlich. Zudem verschärft sich in Europa der Wettbewerb, seit der italienische Konkurrent Luxottica mit dem Aufkauf mehrerer Optikketten Fielmann vom ersten Rang verdrängt hat.

Günther Fielmann wurde 1939 im schleswig- holsteinischen Dorf Stafstedt zwischen Rendsburg und Eckernförde als Sohn eines Gewerbelehrers geboren. Vielfach hat der Augenoptiker seinen Zunftkollegen in den vergangenen 32 Jahren schlaflose Nächte und äußerstes Unwohlsein bereitet. Er knackte die kartellähnlichen Zustände in Deutschland und rüttelte die Branche durch mehr Wettbewerb auf, in dem er den Nulltarif für Kassenbrillen sowie eine dreijährige Garantie einführte. Dabei begnügte sich Fielmann mit einem Bruchteil der Spanne pro Brille.

Der Erfolg gab ihm Recht. Mittlerweile stammt jede zweite Brille in Deutschland von Fielmann. In Österreich, der Schweiz und den Niederlanden hat er inzwischen Niederlassungen eröffnet.

Auch die Branche honoriert den Aufstieg: Fielmann, betont der Sprecher des Zentralverbandes Deutscher Augenoptiker (ZVA), Stefan Diepenbrock, sei ein gesundes Unternehmen. Zwar sind die Kämpfe zwischen ZVA und Fielmann nicht vergessen, doch wird dem Optiker angerechnet, dass alle seine Filialen freiwillig Innungsmitglieder sind.

Von der Großzügigkeit des Managers profitiert auch die Landesregierung in Kiel. Dem Land hat er das marode Plöner Schloss abgekauft und es mit eigenem Geld saniert. Das Anwesen dient einem ehrgeizigen Projekt: Er soll zur Ausbildungsstätte für deutsche Optiker werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%