Nachfrage bricht ein
In Europas Autowerken drohen leere Bänder

Fast überall auf der Welt erlebt die Autoindustrie zur Zeit einen Boom - außer in Europa. Auch die weiteren Aussichten für den Markt sind mau. Das drückt die Stimmung vor dem Start des Genfer Autosalons.
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HamburgZweigeteilte Autowelt: Volkswagen hat gerade einen Rekordgewinn gemeldet. Mit 15,8 Milliarden Euro fuhren die Wolfsburger im abgelaufenen Jahr so viel ein, wie noch nie ein deutsches Unternehmen verdient hat. Die Branche boomt. Doch Schwächen gibt es im Markt vor der Haustür – bei VW und noch sehr viel stärker bei vielen anderen Anbietern. „Eine schnelle Lösung für Europas Schuldenkrise wäre eine große Hilfe für die Industrie“, sagte Fords Europachef Stephen Odell dem Handelsblatt.

Vor dem Start des Genfer Autosalons in dieser Woche gibt sich Odell für seine Branche skeptisch. Es sei zwar eine „gute Nachricht“, dass die Rettung Griechenlands mit dem jüngsten Hilfspaket die nächste Stufe erreicht habe. „Aber jetzt brauchen wir Wachstumsimpulse.“

Branchenbeobachter wie das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers rechnen damit, dass die Produktionsauslastung der europäischen Autowerke im laufenden Jahr deutlich unter der Gewinnschwelle von 80 Prozent liegen dürfte. Die Hersteller blieben dann auf hohen Fixkosten sitzen.

Fords Europachef Odell fürchtet deshalb angesichts des Nachfrageeinbruchs die Folgen von Preiskämpfen. „Überkapazitäten gefährden jeden in der Branche, selbst wenn die eigenen Kapazitäten stimmen“, erklärte er. Aus seiner Sicht wäre es allerdings wahrscheinlicher gewesen, in der Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 die Kapazitäten zu reduzieren – und nicht jetzt. Tatsächlich haben aber nur wenige Hersteller Fabriken dichtgemacht oder auch nur verkleinert.

Interaktive Infografik

Pkw-Absatz in Europa

in Mio. Euro

Der US-Autobauer kündigte an, in Europa „Kapazität und Kosten weiter der Nachfrage anzupassen“. Ford rechnet für 2012 mit einem Rückgang des Marktes für Autos und leichte Nutzfahrzeuge in Europa um acht Prozent auf 14 Millionen Einheiten. Im Januar schrumpfte die Nachfrage um mehr als sieben Prozent, im Februar sollen es sogar mehr als 13 Prozent gewesen sein.

Der Autokonzern geht für 2012 von einem Verlust im Europageschäft zwischen 500 bis 600 Millionen Dollar aus. Im Jahr 2011 lag der Fehlbetrag bei 27 Millionen Dollar. Das Unternehmen beschäftigt in Europa 66 000 Mitarbeiter und betreibt inklusive Joint Ventures 22 Auto- und Komponentenwerke.

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  • Schön auch einmal einen realistischen Kommentar zu lesen ohne die sonst immer durchscheinende rote Brille.
    Einen Aspekt habe ich allerdings vermisst, den der Marktsättigung.

  • Betrachtet es einmal ralistisch, so stagniert die D Binnenkonjunktur schon seit Jahrzehnten. Reallohnverlust, hoehere Steuern , MWST usw, und der steigende Spritpreis.

    Auch der Anschaffungspreis wurde immer hoeher fuer einen PKW.
    Was die Automobilindustrie nicht verstanden hat ist die Veraenderung der Gesellschaft. Dazu kommt noch die Ueberalterung und die Unsicherheit mit der Rente. Zur Zeit plagen die hohen Mietpreise und die nicht zur Verfuegung stehenden Wohnungen den Buerger wie der Kauf eines neuen Autos.
    Beispiel in Muenchen fehlen angeblich 30.000 Mietwohnungen.
    Ueberalterung: ab 2015 also in 2 Jahren und 9 Monaten der naechste Ueberalterungspaek wo immer mehr ueber 60-zig jaehrige Leben wie 16-zehn jaehrige. Der Junge hat keinen Job der Renter bangt um seine Rente. Wer denkt da an den Kauf eines Autos. Die Krise sperrt den Kredit und aus ist es mit dem billigen Geld.
    Die Situation in der Zukunft wird noch schlimmer werden in Europa und in anderen Laendern da auch dort die Bevoelkerung ueberaltert. Eine alte Gesellschaft hat andere Sorgen wie die um ein neues Auto.
    Nachdem China nun seine Prognose senkt, wird auch dort Geld in andere Stroeme fliessen muessen wie nur in den Konsum. Aus mit dem Boom vom Auto. Die schlimmen Nachrichten mit Massenentlassungen kommen erst noch.

  • „Eine schnelle Lösung für Europas Schuldenkrise wäre eine große Hilfe für die Industrie“, sagte Fords Europachef Stephen Odell.

    Ach nein, da wär ich aber nie drauf gekommen, dass die Schuldenkrise schnell gelöst werden sollte. Zum Glück erhellt uns ein hochbezahlter Manager mit seiner unendlichen Weisheit. Als Gegenleistung sollten wir gleich nochmal die Abwrackprämie reaktivieren, damit er am Jahresende nochmal einen höheren Bonus einstreichen kann.

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