Nachfrage geht zurück
Papierkonzerne streichen Stellen

Die Papier- und Forstbranche ächzt unter sinkender Nachfrage und Überkapazitäten. Die größten europäischen Papierkonzerne aus Schweden und Finnland ziehen die Notbremse und streichen insgesamt rund 3300 Arbeitsplätze. Auch deutsche Werke sind betroffen.

STOCKHOLM. Überkapazitäten, gesunkene Nachfrage und bevorstehende Zollerhöhungen auf Holzimporte aus Russland machen der gesamten europäischen Papier- und Forstbranche schwer zu schaffen: Die beiden größten europäischen Papierkonzerne, die finnisch-schwedische Stora Enso und die finnische UPM Kymmene, zogen deshalb gestern die Konsequenzen und gaben die Streichung von insgesamt 3 300 Arbeitsplätze in Deutschland, Finnland, Schweden, Russland und Estland bekannt. Außerdem sollen Papiermaschinen stillgelegt werden.

Von der drastischen Rotstift-Aktion ist auch Baienfurt bei Ravensburg betroffen. Dort will Stora Enso bis Ende des Jahres das Papierwerk mit 350 Mitarbeitern schließen. In Hagen fallen 170 von 800 Stellen weg. Insgesamt streicht Stora Enso 1 700 Arbeitsplätze, 600 in Deutschland, 550 in Finnland, der Rest in Schweden, Russland und Estland. Der Konzern begründete die Maßnahmen mit enormen Überkapazitäten. Durch die Stilllegung von Fabriken reduziert Stora Enso seine Produktionskapazitäten mit etwa fünf Prozent oder rund 600 000 Tonnen Papier und Kartonagen jährlich.

UPM will 1 600 Stellen, die meisten in Finnland, streichen und eine Papierfabrik sowie ein Zellulose-Werk in Finnland schließen. Die Aktienkurse beider Konzerne, die in den vergangenen Monaten schwer unter Druck waren, schossen anfänglich mit jeweils elf Prozent in die Höhe. Später wurde der Kursanstieg wieder gedämpft. Die Ankündigungen der beiden Unternehmen beeinflussten auch die Kurse der Konkurrenten. Der irische Wettbewerber Smurfit Kappa stieg zwischenzeitlich um sieben Prozent, Europas größter Zeitungspapierhersteller Norske Skog aus Norwegen stieg zunächst um rund acht Prozent.

"Das waren richtige Maßnahmen von UPM und Stora Enso", sagte ein Forstanalyst in Stockholm. Er betonte, dass die Maßnahmen notwendig und erwartet gewesen seien, zeigte sich allerdings skeptisch, ob sie ausreichen werden.

Die gesamte Branche leidet seit mehreren Jahren unter Überkapazitäten. Zuletzt kamen deutlich höhere Energiepreise hinzu. Die stark angestiegenen Kosten konnten auch durch Papierpreiserhöhungen nicht mehr ausgeglichen werden. Durch sinkende Auflagen bei vielen Printmedien ist die Nachfrage nach einzelnen Papierqualitäten gesunken. Besserung ist nach Ansicht von Experten nicht in Sicht: Vor allem in den USA und Europa gewinnen Online-Medien an Bedeutung. Bereits in den vergangenen Jahr eingeleitete Reduzierungen der Produktionskapazitäten führten nicht zum erwünschten Erfolg. Seit 2001 sind die Papierpreise durchschnittlich um ein Viertel gesunken. Zugleich ging allein im laufenden Jahr die Nachfrage nach Zeitungspapier in Europa etwa drei Prozent zurück.

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