Nachfrageeinbruch
Auch Thyssen-Krupp mit Kurzarbeit

Der ThyssenKrupp-Konzern führt in seiner Stahlsparte wegen der eingebrochenen Nachfrage Kurzarbeit ein. Ab Februar sei dies flächendeckend für die 20 000 Beschäftigten von ThyssenKrupp Steel vereinbart worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag.

HB DÜSSELDORF. Die Rohstahlproduktion könne auf ein Minimum heruntergefahren werden. Betriebsratschef Wilhelm Segerath sagte der Nachrichtenagentur Reuters, im Duisburger Werk gingen schon im Januar 400 Beschäftigte in Kurzarbeit. Im Februar könnten es wesentlich mehr sein. Die genaue Zahl werde in den nächsten Wochen festgelegt.

„Die Kurzarbeit muss von Monat zu Monat und Standort zu Standort beantragt werden“, sagte Segerath. ThyssenKrupp hatte angekündigt, dies zu prüfen. Zunächst hatte der Konzern auf die schwache Nachfrage mit der Kündigung von 2100 Leiharbeitern und einem Abbau der Arbeitszeitkonten der Stammbelegschaft reagiert.

Um nicht auf Halde zu produzieren, reicht dies nun nicht mehr aus. „Das, was wir jetzt an Einbrüchen haben, habe ich in 36-jähriger Unternehmenstätigkeit noch nicht gesehen“, sagte Segerath. In Deutschland ging die Rohstahlproduktion allein im November um 18,5 Prozent zurück.

ThyssenKrupp liefert rund 40 Prozent seiner Stahlprodukte an die Autoindustrie, die einer tiefen Absatzkrise steckt. Weltweit fahren Stahlkonzerne ihre Produktion zurück. Der deutsche Branchenzweite Salzgitter prüft ebenfalls Kurzarbeit. Eine Entscheidung sei im Januar zu erwarten, sagte ein Sprecher. Weltmarktführer ArcelorMittal will 9000 Arbeitsplätze streichen. Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co will weltweit über 500 Stellen abbauen.

Bei ThyssenKrupp Steel gebe es eine Vereinbarung, die bis Ende September 2013 betriebsbedingte Kündigungen ausschließe, sagte Segerath. Für die Beschäftigten sollen sich die Einbußen durch die Kurzarbeit in Grenzen halten. Pro Woche würden die Mitarbeiter bis zu viereinhalb Stunden weniger arbeiten. Die Nettolöhne reduzierten sich dadurch um sieben bis zehn Prozent. Die Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp haben eine 34-Stunden-Woche.

Die ThyssenKrupp-Aktie lag zeitweise mehr als vier Prozent im Minus. Für den Mischkonzern war das Stahlgeschäft in den vergangenen Jahren die Ertragsperle. Im Geschäftsjahr 2007/08 (Ende September) hatte die Sparte vor Steuern 1,5 Mrd. Euro verdient - rund die Hälfte des Konzernergebnisses von 3,1 Mrd. Euro. Vorstandschef Ekkehard Schulz hat bisher keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gegeben. Er muss damit rechnen, dass die Kunden Preissenkungen durchdrücken wollen. Die meisten Lieferverträge laufen noch bis Mitte 2009.

„Die Kurzarbeit ist ein Zeichen, dass die Nachfrage stärker zurückgegangen ist als noch vor Wochen erwartet wurde“, sagte der Stahlexperte des Brokerhauses Steubing, Michael Broeker. Im Oktober und November sei der Auftragseingang der Stahlindustrie in Deutschland zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Im Februar oder März könne die Nachfrage anziehen, wenn die Kunden ihre Lager abgebaut hätten. Für 2009 rechnet er mit einem Rückgang der Rohstahlproduktion in Deutschland um neun Prozent auf 42 Mio. Tonnen.

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