Nachgefragt: Andre Habisch"
"Es wird viel verschwendet"

Sechs Fragen zum Thema CSR an Andre Habisch, Direktor des Center of Corporate Citizenship und Professor an der Uni Eichstätt.

Herr Habisch, ist bürgerschaftliches Engagement eine Modewelle?

Wenn die Unternehmen dank guter Gewinne nur die Spendierhosen anziehen, sicherlich. Wenn Corporate Social Responsibility aber als Beitrag zur Wertschöpfung begriffen wird, dann muss soziales oder kulturelles Engagement ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie sein.

Neuer Wein in alten Schläuchen? Gründerunternehmer kümmerten sich schon immer um das Wohl ihrer Mitarbeiter oder um das Stadttheater am Firmensitz.

Das ist richtig. Diese Krupps oder Nixdorfs haben aber lediglich in die Tasche gegriffen und Arbeiterwohnungen spendiert. Gesellschaftliche Verantwortung richtig verstanden heißt geben und nehmen. Die Erfahrungen, die in den Projekten gewonnen werden, müssen auch in die Unternehmen zurückfließen und das Verhalten ändern. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der Umweltschutz – heute ein Exportschlager. Außerdem geht es darum, die Mitarbeiter besser einzubeziehen. Erst das garantiert, dass die positiven Effekte auch in der Firma ankommen. Es entsteht eine Win-Win-Situation, von der alle profitieren.

Ob spenden, sponsern oder ideelle Hilfe – am Ende geht es doch immer darum, das Image zu polieren?

Warum nicht? Allerdings darf die kurzfristige Werbewirkung nicht überschätzt werden. Kunden oder Investoren wissen genau zu unterscheiden zwischen ernsthaften gesellschaftlichen Aktionen und Potemkinschen Dörfern. Und unterschätzen Sie die Mitarbeiter nicht. Wenn die merken, dass ihre Firma nach außen anderes redet, als sie sich tatsächlich verhält, dann geht das ganz schnell nach hinten los.

Familienunternehmen können sich gesellschaftliches Engagement leisten, ohne jemanden fragen zu müssen. Börsennotierte Gesellschaften dagegen dürften in Konflikt mit dem Shareholder-Value kommen.

Im Gegenteil. In den angelsächsischen Ländern sind es gerade die Finanzinvestoren, die das Thema vorantreiben. Die erwarten geradezu von den Unternehmen schlüssige Konzepte. Die wollen genau wissen, wofür Geld und Zeit investiert werden, ob es zur Firmenkultur passt oder wie die Projekte gemanagt werden.

Das gilt auch für deutsche Unternehmen?

Die stehen in der Mehrzahl noch ganz am Anfang. Ihre gesellschaftlichen Aktivitäten sind oftmals noch völlig unkoordiniert. So wird viel Geld für unsinnige Projekte zum Fenster hinausgeworfen. Die Globalisierung erhöht aber den Druck zur Professionalisierung. Dafür werden schon die Finanzmärkte sorgen.

Das käme dem Staat entgegen, der sich mangels Geld immer weiter zurückziehen muss.

Unternehmen werden im 21. Jahrhundert immer stärker ordnungspolitische Verantwortung übernehmen. Die Leistungsfähigkeit der klassischen staatlichen Institutionen und Verbände lässt nach. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Manager und Unternehmer ihrer Rolle als ein Teil der Gesellschaft bewusst werden.

Das Gespräch führte Dieter Fockenbrock.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%