Nachgefragt: Artur Fischer, der Vater von Fischertechnik.: „Die Dübel finanzieren Fischertechnik“

Nachgefragt: Artur Fischer, der Vater von Fischertechnik.
„Die Dübel finanzieren Fischertechnik“

Artur Fischer, 85, ist der Vater von Fischertechnik. Bekannt wurde er durch seine Dübel. Im Interview erklärt er, welche Chancen Fischertechnik in Zeiten von Spielekonsolen und PCs hat und warum er Fischertechnik nie an einen großen Spielzeugkonzern verkauft hat.

Handelsblatt: Herr Fischer, vor 40 Jahren haben Sie Fischertechnik erfunden. Warum sollten Kinder heute immer noch mit den grauen Plastik-Klötzchen spielen?

Artur Fischer: Es gibt einfach Spielzeuge, die sehr langlebig sind, weil sie bei den Kindern gut ankommen. Mit Fischertechnik haben die Kinder einen Erfolg, wenn sie etwas zusammengebaut haben. Das ist heute etwas Schönes für Kinder, und das war es schon, als ich jung war.

Aber welche Chance hat Fischertechnik denn in Zeiten von Spielekonsolen und PCs?

Ich hatte ein einschneidendes Erlebnis als Kind: Ich hatte etwas gebastelt und meine Mutter sagte: „Das hast du gut gemacht.“ Das hat mich riesig gefreut, ich habe es nie vergessen. So etwas können die Kinder mit Fischertechnik erleben, am Computer aber nicht.

Ihr System hat sich in den vergangenen 40 Jahren nicht wesentlich verändert. Und das, obwohl die meisten Artikel im Spielwarenhandel nicht länger als sieben Monate geführt werden.

Fischertechnik funktioniert mit einer ganz einfachen Regel: Jeder Baustein hat sechs Seiten, das ist perfekt, weil man überall anbauen kann. Aber wir haben die Palette natürlich deutlich ausgebaut. Vom Kleinkind bis zum Ingenieur fängt nun jeder etwas mit Fischertechnik an.

Warum haben Sie Fischertechnik nie an einen großen Spielzeug-Konzern verkauft, der das weltweit vermarkten und damit hohe Umsätze erzielen könnte?

Es ging mir nie darum, reich zu werden. Mit Fischertechnik haben wir ja auch nie richtig Geld verdient. Aber das ist nicht so wichtig. Viel mehr will ich den Kindern Freude machen.

Mehr oder weniger. Ohne die Dübel könnten wir das jedenfalls nicht machen. Aber Fischertechnik macht so viel Freude, dass es den Aufwand lohnt. Ich bekommen immer wieder Briefe von Leuten, die als Kind damit gespielt haben und hinterher Ingenieure wurden. Eine Mutter hat mir geschrieben, dass ihr Sohn immer unsere Kräne gebaut hat. Inzwischen konstruiert er die größten Baukräne der Welt.

Vor sieben Jahren haben Sie sogar noch ein neues Spielsystem erfunden, Tip. Das sind kleine bunte Stöpsel aus Speisestärke, die sich kurz angefeuchtet leicht miteinander verkleben lassen.

Ja, ich wollte ein Spielzeug schaffen für Kinder, die noch nichts mit Fischertechnik anfangen können. Auf die Idee kam ich, als ich mir Verpackungsmaterial angesehen habe. Inzwischen haben wir eine breite Angebotspalette, mit der sie ganze Spielwelten schaffen können. Nun können die Kinder mit den Stöpseln sogar malen.

Das Gespräch führte Joachim Hofer.

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