Nachgefragt: Bruno Sälzer
Bruno Sälzer: „Der deutsche Markt ist sehr preissensibel“

Die Deutschen geben nur ein begrenztes Budget für Bekleidung aus. Das bekommen vor allem die Luxusschneider zu spüren. Das Handelsblatt sprach mit Bruno Sälzer, dem Vorstandsvorsitzenden der Hugo Boss AG mit Sitz in Metzingen, über den "preissensibelen Markt" Deutschland.

Handelsblatt: Metzingen ist nicht Mailand. Eignet sich die deutsche Provinz als Standort für internationale Topmode?


Bruno Sälzer: Auf jeden Fall. Wir haben hier in den letzten Jahren sogar noch Personal aufgebaut. Metzingen ist für mich einer der Gründe dafür, dass wir eines der internationalsten Modehäuser sind. Wir sind nämlich gezwungen, wegen Metzingen viel zu reisen.

Fehlt Ihnen da nicht – wie etwa in Italien oder Frankreich – eine typisch nationale Handschrift?


Nein. Man braucht eine internationale Handschrift. Und die hat Boss immer schon gehabt. 95 Prozent unserer Stoffe für Anzüge kommen beispielsweise aus Italien, produziert wird überwiegend in Südosteuropa. 75 Prozent unserer Ware geht ins Ausland.

Halten Sie es für zu risikoreich, die Produktion nach Ostasien zu verlagern?


Überhaupt nicht. Dort ist man in der Lage, hochwertige Produkte zu schneidern. In fünf oder sieben Jahren könnte es sein, dass wir dort Anzüge herstellen lassen. Die chinesische Regierung fördert zudem den Luxusbereich.

Die deutsche Luxusmode hinkt der internationalen Konkurrenz weit hinterher. Was machen die Deutschen falsch?

Hugo Boss ist mit einem Weltmarktanteil von 13 Prozent bei der gehobenen Herrenbekleidung Weltmarktführer . . .

. . . am gesamten Luxusmodemarkt halten die deutschen Hersteller gerade vier Prozent.


Die Deutschen wissen zwar, wie man Autos baut, bei der Bekleidung sind sie aber nicht mehr ein dominanter Spieler. Viele haben versäumt, ihr Geschäft frühzeitig zu internationalisieren.

Welche Rolle spielt der Preis in Deutschland.


Der deutsche Markt ist weltweit der preissensibelste Markt – was im Übrigen auch für fast alle anderen Konsumgüterbranchen gilt. Der Deutsche kauft den Hugo- Boss-Anzug, weil er ihn für hochwertig hält. In anderen Ländern spielt das Luxus-Image eine weitaus wichtigere Rolle.

Rechnen Sie im laufenden Jahr für den deutschen Gesamtmarkt mit Wachstum?


Der gehobene Bekleidungsmarkt wird noch einmal zurückgehen. Im vergangenen Jahr schrumpfte er um fünf bis sechs Prozent, 2004 könnte er weitere drei bis vier Prozent abgeben. Hugo Boss wird dagegen leicht zulegen.

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