Nachgefragt: Franz Humer
„Wir sind mit der Strategie auf Kurs“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Franz Humer, Vorstand bei Roche.

Bayer sieht im Geschäft mit den verschreibungsfreien Medikamenten interessante Perspektiven, Roche dagegen steigt aus. Warum?

Mit dem Verkauf von Roche Consumer Health bekräftigen wir unsere langfristige Strategie, uns auf die forschungsintensiven, renditestarken Geschäfte Diagnostika und verschreibungspflichtige Medikamente zu konzentrieren. Diese beiden Bereiche verfügen über ein beachtliches Wachstumspotenzial sowie über stetig zunehmende Synergiemöglichkeiten.

Und für OTC ist dabei kein Platz mehr?

Wir glauben, dass die Sparte in der neuen Konstellation besser aufgestellt sein wird. Der Verkauf von RCH an den Bayer-Konzern stellt sicher, dass die rezeptfreien Roche-Präparate zu einem der weltweit führenden Unternehmen in dieser Sparte gehören. Dies hätten wir aus eigener Kraft nicht so schnell erreicht.

Welches sind die nächsten wichtigen Schritte bei der absehbaren Neuausrichtung des Roche-Konzerns ?

Nach der Trennung von den Bereichen Aromastoffe (Givaudan), dem Vitamingeschäft und nun der OTC-Sparte ist der Roche-Konzern klar fokussiert auf innovative Arzneimittel und Diagnostika. Wir werden uns auf diese beiden Kernbereiche konzentrieren.

Der Erlös wird also in neue Zukäufe fließen?

Wir werden den Erlös zur weiteren Stärkung der Bilanz und zum Ausbau des Pharma- und Diagnostikageschäftes einsetzen.

Wäre es für Roche nicht auch wichtig, im Pharmageschäft recht schnell wieder stärker im Bereich der Allgemeinmedizin Fuß zu fassen?

Der Zukauf von Umsatz macht hier wenig Sinn. Wir sind hier sehr pragmatisch. Unsere Strategie und auch die stärkere Ausrichtung auf Spezialbereiche wird von der Forschung getrieben. Das schließt nicht aus, dass wir auch im Bereich der Allgemeinmedizin künftig wieder stärker werden. Wenn wir die richtigen Produkte entwickeln, können wir auch in diesem Bereich wieder eine führende Rolle spielen.

. . . und womöglich durch einen großen Merger in Zukunft zu einem „europäischen Champion“ werden ?

Großfusionen sind für uns absolut kein Thema. Dadurch werden keine neuen Werte geschaffen. Das gelingt vielmehr nur durch das Finden und Entwickeln neuer Medikamente. Wir haben alle Voraussetzungen, aus eigener Kraft zu wachsen.

Einige Ihrer wichtigsten Konkurrenten haben das in den vergangenen Jahren völlig anders gesehen – nehmen Sie den jüngsten Zusammenschluss von Sanofi und Aventis.

Wir verfolgen seit Jahren unsere eigenständige Strategie – zum Beispiel den Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an Genentech, den Kauf von Boehringer Mannheim oder unser strategisches Konzept für Japan mit der Allianz mit Chugai. Wir sind mit dieser Strategie auf Erfolgskurs und lassen uns davon nicht abbringen.

Die Fragen stellten Siegfried Hofmann und Oliver Stock.

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