Nachgefragt: Igor Jusufow
„Wir haben einen Dissens mit der Opec"

Das Handelsblatt sprach mit dem 47-jährigen Igor Jusufow, der seit Juni 2001 Russlands Energieminister ist, über Russlands Öl-Politik:

Wird Russland seine Ölexporte ausweiten?

Das sieht unsere Energiestrategie so vor und deshalb sind wir in einen aktiven Dialog mit den USA eingetreten, um Erdöl nach Amerika zu liefern. Der US-Markt ist in der Lage, alles angebotene Öl aufzunehmen.

Die Opec wirft Russland wegen der Exportausweitung vor, die Preise zu verderben. Stimmt das?

Hier haben wir mit der Opec einen Dissens. Wir halten einen Rohölpreis von 20 bis 25$ pro Barrel (159 Liter) für richtig. Unter 20 $ können wir keine neuen Quellen erschließen und der russische Haushalt kalkuliert seine Steuereinnahmen ausgehend von dieser Höhe. Über 25$ pro Fass ist für unsere amerikanischen und europäischen Partner zu teuer, das wirft für sie ökonomische Probleme auf. Die Opec hält demhingegen 28 bis 30 $ für den richtigen Preis. Wir meinen, dass ist nicht normal, zu teuer.

Aber wenn der Preis wegen starker russischer Exporte fällt, senken Sie dann die Ausfuhren?

Das ist eine provokative Frage, aber wir sind bereit, sie zu beantworten. Schon im Jahr 2001 mussten wir den Erdölpreis vor einem totalen Zusammenbruch retten. Denn wegen politischer Unsicherheiten im Nahen Osten, einem Ölüberangebot und Rezession in den USA und Europa, hätte der Preis völlig zusammenbrechen können und hätte lange gebraucht, aus dem Loch wieder heraus zu kommen. Deshalb haben die Nicht-Opec-Mitglieder Russland, Norwegen und Mexiko ihre Exporte um je 150 000 Fass täglich gedrosselt. Aber während in Kuwait und anderen Ländern der Region die Förderkosten bei 1 bis 2 $ pro Barrel liegen und die Produktion leicht anzuhalten ist, ist das in Russland sehr kompliziert. Wenn wir bei 30 bis 50 Grad Frost die Förderung einstellen, brauchen wir später 3 bis 6 Monate, neue Bohrungen durch Eisschichten und viel Geld, um die Produktion wieder anzufahren. Deshalb wollen wir die Förderung maßvoll weiter erhöhen und dabei Preise erreichen, die für beide Seiten annehmbar sind. Wenn es zudem mal zu Engpässen kommen sollte, werden wir genug Reserven haben, um diese auszufüllen.

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