Nachgefragt: Robert Polet
„Die Chancen sind spektakulär“

Die Pret-à-Porter-Schauen in dieser Woche in Paris sind der Höhepunkt der Modesaison. Nach dem Fashion Weeks in New York, London und Mailand beenden die Defilées an der Seine die Herbstschauen. Die Luxusgüterindustrie fasziniert - auch weil sie stärker wächst als je zuvor.

Handelsblatt:Herr Polet, seit einiger Zeit erfreut sich die Luxusbranche wieder bester Ergebnisse und expandiert. Wie erklären Sie sich das?

Rober Polet: Die Verbraucher schauen weltweit wieder optimistischer in die Zukunft, nicht nur in den USA, auch in Japan. Langfristig steigt zudem die Zahl wohlhabender Menschen. In Ländern wie Russland, China und Indien steigen immer mehr Menschen von der Mittelklasse in die obere Klasse auf und geben mehr Geld für Luxus aus. Die Wachstumschancen in diesen Ländern sind spektakulär.

Und wie ist es um die alten Märkte in Amerika und Europa bestellt?

Auch in Amerika und Europa sind die Wachstumsraten sehr gut. Das gilt für die gesamte Branche. 60 Prozent der Investitionen gehen natürlich in die neuen Märkte. In der Asien/Pazifik-Region ist die Marke Gucci im ersten Halbjahr um ein Drittel gewachsen. Gleichzeitig haben wir auch in den USA 23 Prozent zugelegt und in Europa 16 Prozent.

Sehen Sie einen Trend zur Diversifizierung in neue Produkte?

Es gibt Luxushäuser, die in das Hotel- und Ressortgeschäft gehen. Wir haben zwar auch ein Gucci-Café eröffnet, aber wir beschränken uns auf eine Diversifizierung, die näher beim ursprünglichen Produkt bleibt. Ich bin überzeugt, dass Schmuck, Uhren und Herrenmode noch große Wachstumsmöglichkeiten bieten.

Was sind die größten Veränderungen, die die Luxus-Industrie durchgemacht hat?

Es handelt sich um eine sehr junge Industrie. Bis vor fünfzehn Jahren hatten die einzelnen Designer nur wenige Boutiquen meist in ihren Heimatländern. Dann – in den ’Roaring 90ies’ – sind die Unternehmen weltweit expandiert. Ende der 90er Jahre kam die Konsolidierung, und es entstanden die großen Luxus-Gruppen. Diese Konsolidierung wird auch noch weitergehen.

War die Konsolidierung der großen Luxus-Gruppen ein Erfolg?

Das Urteil steht noch aus. Ein Ein-Marken-Unternehmen zu führen ist etwas ganz anderes, als ein Marken-Portfolio zu managen. Wir haben zum Beispiel alle Marken unserer Gruppe überprüft und geschaut, wie wir sie rentabler führen können. Ich glaube, dass sich viele große Gruppen ihr Marken-Portfolio noch einmal genau anschauen müssen.

Ein Blick in die Kristallkugel: Wo werden künftig die meisten Produzenten von Luxusartikeln herkommen ?

Ich bin überzeugt, dass Italien, Frankreich und die Schweiz auch in 20 Jahren noch die Hauptproduzenten sind. Denn bei vielen Luxus-Marken kaufen die Kunden gerade die Herkunft. Sie wollen italienische Schuhe und Schweizer Uhren.

Die Fragen stellte Katharina Kort.

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