Nachgefragt: Willi Diez
"Point of no return überschritten"

Das Handelsblatt sprach mit Willi Diez, dem Präsidenten des Instituts für automobilwirtschaft in Nürtingen, über die Entscheidung von Daimler-Chrysler, den Partner Mitsubishi finanziell nicht mehr zu unterstützen. Die Fragen stellte Josef Hofmann:

Herr Diez, Daimler-Chrysler beteuert, trotz der Entscheidung, nicht an der Kapitalerhöhung teilzunehmen, keinen Käufer für den Anteil an Mitsubishi zu suchen. Könnte die Ankündigung reine Taktik sein, um Druck auszuüben?

Die Wahrscheinlichkeit, dass es nur taktisches Geplänkel ist, halte ich für sehr gering. Daimler hat mit seiner Absage an die Kapitalerhöhung den Point of no return überschritten.

Sie rechnen also mit einem kompletten Ausstieg?

Eine vollständige Trennung wäre der einzig konsequente Schritt. Der Anteil wird bei einer Kapitalerhöhung weiter sinken, so dass sich die Frage aufdrängt, was man von einem solchen Anteil noch hat.

Ist das der Abschied von der Welt AG?

Nein, denn Mitsubishi ist nicht mit Chrysler zu vergleichen. Mitsubishi hat nirgends auf der Welt eine starke Marktposition, Chrysler hat diese Position in den USA und es wird meiner Meinung nach auch gelingen, das US-Unternehmen nach vorne zu bringen und profitabel zu machen.

Wie würde sich eine Trennung von Mitsubishi auf die anderen Marken des Konzerns auswirken?

Für Mercedes sehe ich die geringsten Auswirkungen. Das Management weiß, dass Mercedes separat als Exklusivmarke mit eigenen Gesetzmäßigkeiten geführt werden muss.

Und auf Smart und Mercedes?

Besonders für Smart könnte eine Trennung von Mitsubishi deutliche Auswirkungen haben. Denn Daimler-Chrysler könnte dadurch gezwungen sein, Smart viel stärker auf den Massenmarkt auszurichten und in eine Größenordnung zu führen, an die bislang nicht gedacht war. Dazu sind neue Fahrzeugkonzepte nötig, die man beispielsweise im Bereich Geländewagen auch zusammen mit Jeep entwickeln könnte.

Was bedeutet eine Trennung von Mitsubishi für die Asienstrategie des Stuttgarter Konzerns?

Die Expansionsziele in Asien müssen zeitlich deutlich nach hinten verschoben werden. Man muss eine neue Produktstrategie entwickeln und sich um einen Vertrieb kümmern. Ich schätze, Daimler-Chrysler wird seine bisherigen Ziele dort erst drei bis vier Jahre später erreichen. Auch das wird Geld kosten.

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